Amsel, Drossel, Fink und Star sind nur ein kleiner Bruchteil der heimischen Vogelschar, die es in und um Coburg gibt. Pünktlich zum Auftakt der bundesweiten winterlichen Vogelzählung am Freitag veranstaltete der Landesbund für Vogelschutz (LBV) gemeinsam mit dem Coburger Naturkundemuseum einen Aktionstag zur Vorbereitung auf die "Stunde der Wintervögel".

Vom 4. bis 6. Januar ruft der LBV gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland dazu auf, sich eine Stunde Zeit zu nehmen, um zu beobachten, welche und wie viele Vögel sich im heimischen Garten, am Balkon, am Futterhäuschen blicken lassen, und dies zu melden. Zum einen dient das der Bestandserfassung, denn im Vergleich mit den Zahlen aus den Vorjahren lassen sich gewisse Entwicklungen erkennen.

Stark abgenommen habe etwa die Zahl der Kiebitze, die allerdings nicht zu den klassischen Wintervögeln zählen, und der Kernbeißer. Auch die Sperlinge sind offenbar deutlich im Bestand zurückgegangen, obwohl Haus- und Feldsperling noch immer die mit am häufigsten vorkommenden Vogelarten in der Region sind. "Der Rückgang liegt daran, dass die Nahrungsquellen immer mehr versiechen. Es gibt weniger Bauernhöfe und damit weniger Kleingeziefer, das den Vögeln als Nahrung dient", erklärte Ornithologe Helmut Gack vom LBV. Besonders häufig seien hingegen weiterhin Kohl- und Blaumeisen, Amseln oder auch der Buchfink.

Die Wintervögelzählung soll jedoch nicht nur der Erfassung dienen. Gack: "Wichtig ist uns auch, das Interesse bei den Leuten zu wecken und Kinder an das Thema Vogelkunde heranzuführen. Das ist bei dieser Aktion eigentlich noch wichtiger als der Aufschluss über Verbreitung und Bestandsentwicklung."

Und offenbar funktioniert das ganz gut: Zum Vorbereitungstag kamen viele Familien mit Kindern ins Museum und ließen sich von den fachkundigen LBV-Mitgliedern über Lebensweise, Ernährung, Fortpflanzung und Gefährdung der Singvögel aufklären, die den Winter in unseren Gefilden verbringen. Interessiert lauschten die Gäste den Ornithologen, stellten Fragen und legten selbst Hand an.


Piepmätze in Aktion

Anschauungsmaterial gab es zur Genüge: Das Naturkundemuseum stellte rund 30 Vogelpräparate vom verhältnismäßig großen Eichelhäher über den Buntspecht und die Wacholderdrossel bis zum kleinen Girlitz und der Meise zur Verfügung, die aus nächster Nähe betrachtet werden durften. Dazu lag jeweils ein Informationsblatt aus, das Aufschluss über Nahrung und Vorlieben, Freunde und Feinde, Gefährdung und Schutz, Charakter und Aussehen, Vorkommen und Gesang gab. Bei der Bestimmung kann somit eigentlich nichts mehr schief laufen.
An einer Futterstation direkt vor dem Fenster konnten die kleinen Piepmätze auch lebendig und in Aktion beobachtet werden. Überhaupt spielt das Thema Futter eine wichtige Rolle, da das Nahrungsangebot der Natur im Winter wesentlich geringer ausfällt als in den anderen Jahreszeiten.

Die Vögel nehmen die vom Menschen angebotene Hilfe daher gerne an. Allerdings gibt es beim Füttern einiges zu beachten. Die LBV-Experten stellten eine ganze Reihe Nahrungsmittel vor und erklärten, welche Arten welches Futter bevorzugen (siehe rechts). Der Garten selbst kann auch viel hergeben: "Er sollte nicht zu sauber und aufgeräumt sein, sondern lieber etwas Wildwuchs mit Büschen und Bäumen bieten", sagte Helmut Gack. Denn es gibt viele Pflanzen, die auf ganz natürliche Art Vogelfutter liefern wie Eiben, Vogelbeeren, Schlehen und Kornelkirschen.

Wer Lust hat, sich an der Vogelzählung zu beteiligen, dies aber nicht alleine tun möchte, kann sich am heutigen Samstag den LBV-Experten anschließen. Sie treffen sich um 14 Uhr an der Aussichtsplattform am Goldbergsee. Empfohlen wird die Mitnahme eines Fernglases oder Spektivs.

Details zur Vogelzählung im Internet: www.stunde-der-wintervoegel.de.