Jean Paul, den die Frauen liebten, der gern Bier trank, der in Coburg durch öffentliches Urinieren Häme auf sich zog und seinen Spitz Briefe schreiben ließ - über den kann man zumindest schmunzeln. Aber Jean Paul, der Dichter? Da heben sich die Augenbrauen. Diese Sprache, dieses verquaste Zeug ist doch viel zu anstrengend. Das finden Brigitte Maisch und Edmund Frey nicht. Sie beschäftigen sich seit Monaten intensiv mit dem oberfränkischen Dichter, der 1763 in Wunsiedel geboren wurde, mit bürgerlichem Namen Johann Paul Friedrich Richter hieß und 1825 in Bayreuth starb. "Jeder kennt ihn, aber kaum einer hat ihn gelesen", sagt Brigitte Maisch, bedauert das und will das ändern.

Deshalb war es nicht nur der 250. Geburtstag Jean Pauls am 21. März 2013, der sie und ihren Mann angeregt hat, sich mit dem außergewöhnlichen Menschen zu befassen. Immerhin lebte er vom Juni 1803 bis August 1804 in Coburg in der Gymnasiumsgasse 5 und zeitweilig im Gartenhaus am Adamiberg. Die Autoren planen ein Lesebuch mit dem Titel "Säusack, Schwanenkiele und sehr schöne Gesichter - Jean Paul in Coburg", das den Dichter und den Legationsrat beschreibt, der auch an den Hof eingeladen wurde, der ein schwieriges Verhältnis zu Frauen hatte, ein Haustyrann war, aber auch gern mal den Clown gegeben hat. Was sogar Goethe und Schiller irritiert haben soll. "Es wird ein empathisches Buch", erläutert Edmund Frey. "Der Kerl ist uns nicht zuwider. Er hat Qualitäten als Mensch und als Dichter. Ich würde einen Film über ihn machen."

Lust aufs Lesen machen

Weil das Schreiben aber eher das Metier der beiden Bibliothekare, Brigitte Maisch und Edmund Frey, ist, schreiben sie nun ein Buch über Jean Paul. Damit wollen sie allen Lust am Lesen machen, die den Dichter bisher nur vom Hören-Sagen kennen. Für die Autoren ist er ein Teil ihres Alltags geworden. "Wir reden bei jeder Gelegenheit über das, was wir gerade gelesen haben", erzählt Edmund Frey. Und Brigitte Maisch ergänzt: "Wir haben viel Material über Jean Paul, greifen aber vor allem seine Zeit in Coburg auf." Es gibt jedoch auch Verbindungen zu den Jahren in Weimar und in Meiningen. Schwerpunkt in der Materialsammlung sind die Briefe Jean Pauls. Teile davon hat er regelmäßig in seinem Briefkopierbuch festgehalten, um Auszüge daraus in seinem literarischen Werk zu verwerten.

Durch die Briefe lässt sich also viel über den Menschen herausfinden. Zum Beispiel, dass er Eheprobleme mit seiner Frau Caroline hatte und mitunter sogar misogyn, also frauenfeindlich, war. Aber er gilt auch als ein Feingeist und beklagte, wo immer er lebte, die "Geistesarmut" der Menschen. Dass er ein leidenschaftlicher Biertrinker war, macht ihn zum echten Oberfranken und damit auch wieder sympathisch.

In seiner Coburger Zeit schrieb Jean Paul die "Flegeljahre" und die "Vorschule der Ästhetik". Das heißt, auch diese beiden Werke kommen im Buch von Brigitte Maisch und Edmund Frey vor. Doch alles der Reihe nach. "Wir beginnen mit einer kleinen Anleitung, Jean Paul zu lesen", erzählt Edmund Frey schmunzelnd. Dann wird der Umzug nach Coburg und das Leben des Dichters in der Stadt beleuchtet, seine Eheprobleme, sein "Trinkunfug", seine Fähigkeiten als Heiler - er bevorzugte Wein, Kaffee und Bier als Medizin - und seine skurrilen Erlebnisse.

Schließlich der Abschied von Coburg und der Umzug nach Bayreuth. An diesen eher biografisch gefärbten Teil des Buches schließt sich eine Betrachtung der Autoren an, in der sie sich damit beschäftigen, wie Jean Paul das Leben poetisiert hat. "Damit schlagen wir eine Brücke zu der Anleitung zum Lesen am Beginn des Buches", sagt Edmund Frey. Am Ende gibt es noch eine Chronik zu den 15 Monaten Coburg sowie Stimmen zu Jean Paul - von Zeitgenossen und aus der Gegenwart.

Viel geplant im Jean-Paul-Jahr

Das Buch erscheint in der Schriftensammlung der Historischen Gesellschaft, soll aber anders aussehen als die anderen Veröffentlichungen des Gesellschaft. "Es wird ein kleines Bändchen mit Abbildungen in hoher Qualität. Es soll haptisch Lust machen, es in die Hand zu nehmen", erläutert Edmund Frey. Am Geburtstag des Dichters, am 21. März 2013, fällt dann der Startschuss für das Jean-Paul-Jahr mit der Enthül lung einer Litfaßsäule vor der Morizkirche. Anschließend stellen Brigitte Maisch und Edmund Frey ihr Buch in der Stadtbücherei vor. Dort wird auch eine Ausstellung mit Illustrationen von Stephan Klenner-Otto unter dem Titel "Ein Radierer sieht Jean Paul" eröffnet. Im Laufe des Jahres folgen weitere Veranstaltungen wie Lesungen, Vorträge, ein Schreibwettbewerb, eine lange Jean-Paul-Nacht mit dem Titel "Tutti- oder Simultanliebe" in Zusammenarbeit mit dem Landestheater und vieles mehr.