Man hat ja immer gleich Bilder im Kopf. Wer hört beim Stichwort irischer Liedermacher nicht sofort langgezogene Flötenklänge und sieht nicht die wildzerklüftete Atlantikküste. Doch Kieran Goss wurde am Sonntag nicht im Programm von Leise am Markt präsentiert, weil er Klischees bedient.

Kieran Goss rief zusammen mit seiner Frau Annie Kinsella zwar sehr wohl das sehnsuchtsvolle Irland an. Doch er greift tatsächlich weit darüber hinaus. Und das trägt auch die davon, welche der betonten Nachdenklichkeit von "Liedermachern" eher distanziert gegenüberstehen. Große Begeisterung beim nachgeholten Konzert am Sonntag. Im Frühjahr ließen Schneestürme das Paar nicht von ihrer nordwestlichen Insel weg. Goss ist international beliebt, bei sich zu Hause in Nordirland ist der kleine Mann ein Star.

Berührend und ohne Attitüde

Er weiß Geschichten so zu erzählen, dass sie etwas Allgemeingültiges vom Leben an sich transportieren, etwa vom Dubliner, der gegen jede Vernunft an die Atlantikküste zieht, um dort Äpfel zu züchten. Dafür findet er immer wieder eingängige kleine Melodien, in einwiegenden Rhythmen, die sein klares Gitarrenspiel vorgibt, auch das oftmals betont schlicht, aber den Gesang optimal tragend. Ob nun die sehr berührende Annie Kinsella mit ihrer ebenfalls so ohne Attitüde, so einfach und klar geführten Stimme die Geschichten ausbreitet oder Goss selbst mit seinem tatsächlich typisch breiten Stimmklang, wenn die beiden im Refrain einander zweistimmig umfangen, erheben sie sich und ihr Publikum in eine freie, weite (Seelen)Landschaft.

Kieran Goss hat in jungen Jahren einige Zeit als Straßenmusiker in Köln gelebt und spricht sehr gut deutsch. Was ihn dazu verführt, viel zu erzählen. Doch sein Witz, seine Ironie sind dann doch köstlich. Und je weiter das Konzert fortschritt, desto inniger ergaben sich die zwei ihren wunderbaren Liebesliedern.

Am Ende erwachte man wie aus einem schönen Traum.