Jedesmal wenn Marcel Altenfelder als Geschäftsführender Gesellschafter von Intersport Wohlleben, vom Sportbekleidungshaus hinüber ins Fahrradhaus geht, ärgert er sich. Jedesmal wird er dann nämlich an bürokratische Hürden erinnert, die verhinderten, dass die Erweiterung des Intersport-Betriebs in Dörfles-Esbach als Anbau direkt an das bestehende Haus errichtet werden konnte. Der Ärger wird um so größer, wenn er daran denkt, dass kaum einen Kilometer entfernt, Schuh Mücke voraussichtlich ein einziges Gebäude mit noch viel größerer Verkaufsfläche nutzen darf: die ehemalige Toyfactory in Oeslau.

Zusammen mit seinem Prokuristen Christian Hauptfleisch will Altenfelder juristisch gegen gegen das Projekt vorgehen. Ein von Intersport in Auftrag gegebenes Gutachten lässt sie auf Erfolg hoffen. "Es geht nicht darum, dass wir einen Konkurrenten fürchten, wir sehen es sportlich und stellen uns dem Wettbewerb" betont Altenfelder. Doch die Fairness gebiete gleiche Regeln für alle. Die gebe es offenbar in diesem Fall nicht.

Die Situation in Dörfles-Esbach ist tatsächlich eine andere als in Rödental. Denn Dörfles-Esbach ist aus Sicht der Landesplanung Unterzentrum, Rödental dagegen Mittelzentrum. "Man muss es sich nur mal aus der Luft betrachten, um zu sehen, dass das Unsinn ist", sagt Christian Hauptfleisch. Tatsächlich stoßen die Gewerbegebiete der beiden Kommunen aneinander und sehen aus der Luft aus, wie ein einziges. Doch Autobahn und ICE-Trasse markieren auch eine Planungsgrenze. Dazu kommt aus Sicht der Intersportleute eine erstaunliche Bereitschaft für eine Sondergenehmigung für Mücke, um Schuhe auf rund 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche anbieten zu dürfen. Dass das Gewerbegebiet Oeslau-West planerisch als Innenstadtgebiet angesehen wird, lässt die beiden nur den Kopfschütteln, liegt es doch erkannbar am Stadtrand

Bauleitplanung läuft

In Rödental wird unterdessen die Bauleitplanung für den Umbau der alten Toyfactory zur Filiale von Schuhmücke (mit einer integrierten Toyfactory auf 1500 Quadratmetern) vorangetrieben. "Wir möchten vor der Sommerpause fertig sein", sagt Bürgermeister Marco Steiner (FW). Derzeit werden die Einwendungen der Nachbarkommunen, der Betroffenen und der Träger öffentlicher Belange in der Planung gewürdigt. Danach können die Pläne mit gemeindlichem Einvernehmen an das Landratsamt weitergeleitet werden. Wird das Vorhaben auch dort genehmigt, kann Mücke es schaffen, wie geplant, noch rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft 2014 in Rödental zu eröffnen.

Grundlage für die neue Bauleitplanung ist eine so genannte Zielabwechungsgenehmigung. Um sie zu bekommen wurde die Planung für Schuhe von zuerst 2500 auf jetzt 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche reduziert. Textilien und Accessoires vorgesehen. Ein entsprechender Antrag der Stadt Rödental wurde im April vom Wirtschaftsministerium des Freistaats genehmigt.

Kritisches Gutachten

Das Intersport-Gutachten kommt zu dem Schluss, dass sich die Planungsbehörde vor ihrer Entscheidung nicht ausreichend mit der Planung auseinandergesetzt hat. Es liege kein neutrales Verträglichkeitsgutachten zu Umsatzauswirkungen auf den bestehenden Einzelhandel vor. Oeslau West müsse als nicht städtebaulich integrierte Lage angesehen werden. Durch das Projekt mit insgesamt mehr als 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche werde das Kongruenzgebot verlezt, weil beachtliche überörtliche Umsatzauswirkungen zu erwarten seien. Die Genehmigung für die Abweichung vom Ziel sei nicht ausreichend begründet.