Mit der Bezeichnung "Schwarzer Sheriff" hat Joachim Herrmann kein Problem. Ganz im Gegenteil. "Sicherheit" ist das Thema des bayerischen Innenministers und Vorsitzenden der mittelfränkischen CSU im Allgemeinen und am Donnerstagabend im Besonderen beim thematischen Wahlkampfauftakt der CSU in Stadt und Landkreis Coburg. Auf der Einladung ist ein Stetson-Hut mit Stern abgebildet und der Text mit einer Schrift im Western-Stil geschrieben. Im Seßlacher Pfarrzentrum will der CSU-Grande und Staatsminister die regionalen Kandidaten der Partei für die Landtags- und Bezirkstagswahlen am 14. Oktober mit einer ordentlichen Portion Rückenwind unterstützen. Schließlich tritt Martin Mittag an, um als Bürgermeister aus dem Seßlacher Rathaus ins Maximilianeum als Abgeordneter zu wechseln.

Während der bayerische Defiliermarsch den Einzug des Ministerpräsidenten unterstützt, ist es im Coburger Land eben der Coburger oder Prinz-Josias-Marsch, den die Roßfelder Musikanten spielen. "Die Kandidaten der CSU wollen für die Menschen etwas bewegen", sagt Martin Mittag und freut sich, dass er Joachim Herrmann "in seinem schönen Seßlach" begrüßen kann. Folgerichtig freut sich Herrmann über seinen Besuch ganz im bayerischen Norden, um ohne Umschweife über die Verdienste und Leistungen weiß-blauer und christlich-sozialer Sicherheitspolitik zu sprechen. "100-prozentige Sicherheit gibt es nicht", so der Minister. Aber weil man sich besonders bei diesem Thema nicht auf dem Erreichten ausruhe und ständig nachjustiere, "stehen wir besser da als alle anderen Bundesländer".

"Starker Staat"

Die Staatsregierung und damit die CSU stehen nach den Worten Herrmanns für einen starken Staat, der seine Bürger schütze. "Nur den Ganoven geht es in Bayern schlecht!" Er kündigte weitere zusätzliche Stellen bei der Polizei an, womit es auch mehr Personal für die Polizeiinspektionen in Coburg und dem Landkreis geben werde. So wie mit IT-Spezialisten in den Reihen der Sicherheitsbehörden auf die Herausforderungen der Computerkriminalität reagiert werde, sei auch die Wiedereinführung der bayerischen Grenzpolizei zu verstehen. "Es geht um die grenzüberschreitende Kriminalität. Mehr Freiheit durch den Wegfall von Grenzkontrollen in der EU darf nicht zu weniger Sicherheit führen." Die Grenzkontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze sind nach den Worten von Joachim Herrmann eine Reaktion darauf, dass die EU-Außengrenzen nicht wirksam gegen illegale Einwanderung geschützt würden. Darüber hinaus sei es völlig normal, dass "der Staat wissen muss, wer ins Land kommt", sagt der Minister mit Bestimmtheit, und erntet dafür Applaus und Bravo-Rufe.

2000 Haftbefehle seien von der Grenzpolizei vollstreckt worden, was Herrmann als Beleg für deren Sinnhaftigkeit anführt. Auch die automatische technische Kennzeichenerfassung ist für ihn unerlässlich bei der Kriminalitätsbekämpfung. "Wenn nichts vorliegt, werden diese Aufnahmen auch nicht gespeichert."

Zu Gefahr und Risiken islamistischen Terrors erklärt der bayerische Innenminister, die Zusammenarbeit von Polizei und Bundeswehr sei kein Tabuthema mehr. "Nur in Bayern gab es eine gemeinsame Übung von Polizei und Bundeswehr." Bei mehreren Anschlägen, wie in Belgien oder Frankreich, könne auch eine bayerische Polizei an ihre Grenzen stoßen. Joachim Herrmann wirbt für Toleranz und erteilt Fanatismus jedweder Art eine deutliche Absage. "Solchen Idioten wie in Chemnitz muss der Staats entschlossen entgegentreten, Selbstjustiz darf es nicht geben." Asylbewerber müssten sich ohne Wenn und Aber in die deutsche Rechts- und Gesellschaftsordnung integrieren. "Wir müssen die kulturelle Identität Deutschlands bewahren und die christliche Tradition hier muss von allen anerkannt werden", stellt Herrmann fest. Das sei kein Widerspruch zur Religionsfreiheit.

Mit zunehmender Rededauer macht sich Mundtrockenheit bemerkbar. Deshalb bekommt Herrmann am Ende einen herzhaften Schluck Seßlacher Bieres aus dem hölzernen Humpen und ein Kleingebinde aus der Kommunbräu als Wegzehrung.