Im Itzgrund, in Seßlach, in Sonnefeld - es hat in den vergangenen Wochen quer durch den Landkreis teilweise ganz schön geknirscht, als bei den konstituierenden Sitzungen der Gemeinderäte die Posten vergeben wurden. In Weidhausen hat es die SPD getroffen: Obwohl die Liste mit Bernd Faber an der Spitze das zweitbeste Ergebnis im Ort und gleich viele Sitze wie die Freien Bürger (jeweils sechs) erreichte, zog sie bei den Abstimmungen zu wichtigen Posten im Gemeinderat durch die Bank den Kürzeren.

Das Gemeinderats-Urgestein Bernd Faber (seit 1996 im Amt) und André Karl (Kandidat für das Amt des dritten Bürgermeisters) sitzen für die SPD im Gemeinderat. Wie sie sich ihre künftige Arbeit im Gemeinderat vorstellen, schildern sie im Gespräch mit dem Tageblatt.

Mal ehrlich: Hat es sie denn wirklich überrascht, dass die CSU und Freien Bürger bei der Wahl der Bürgermeister-Stellvertreter auf einer gemeinsamen Linie abgestimmt haben?
Bernd Faber: Wir haben schon vor der Sitzung zu verstehen bekommen, dass es für uns nichts werden wird. Deshalb hatte ich auch eine kurze Stellungnahme für den Auftakt der Sitzung vorbereitet. Ich wollte auf die Chance für einen Neuanfang hinweisen. Aber daraus wurde nichts. Mir wurde das Wort nicht erteilt.
André Karl: Man hat es schon erahnen können. Ich habe dennoch auf einen Startschuss für eine neue Art der Zusammenarbeit gehofft.

Herr Karl, Sie waren nach der Sitzung sichtlich angefressen. Was hat Sie so geärgert?
André Karl: Weil ich gedacht habe, dass wir schon weiter sind. Wir haben im Gemeinderat in den vergangenen Jahren viel gemeinsam bewegt. Dabei haben wir als SPD-Fraktion gute Arbeit abgeliefert und erfolgreiche Ideen eingebracht. Das wurde einfach von Tisch gewischt.
Bei der Wahl des Seniorenbeauftragten gab es für die SPD eine Niederlage - ebenfalls überraschend?
Bernd Faber: Das hatten wir ja schon einmal beim Beauftragten für die Agenda-21-Arbeit. Als sich die ersten Erfolge eingestellt haben, wurde der Posten abgeschafft. Weidhausen ist mit der Gründung eines Seniorenbeirates nach Neustadter Vorbild, den häuslichen Hilfen, den Einkaufsfahrten oder dem Seniorensport auf einem guten Weg. Wie es jetzt weitergeht, kann ich nicht sagen.

Glauben Sie, dass die Bevölkerung den Ärger um die ausgebootete SPD überhaupt wahrnimmt?
Bernd Faber: Auf jeden Fall. Ich habe sehr wohl den Eindruck, dass diese Machtspiele die Bevölkerung spalten. Weidhausen hat traditionell eine starke SPD. Wir kamen bei der Kommunalwahl auf 36 Prozent der Stimmen. So mit uns umzugehen, kann nicht Sinn der Sache sein.
André Karl: Ich habe zwar auf der SPD-Liste kandidiert, bin aber kein Parteimitglied. Ich bin der Meinung, Parteipolitik hat auf Gemeinde-Ebene nichts zu suchen. Deshalb finde ich es sehr schade, wie die konstituierende Sitzung gelaufen ist.

Wie wird sich die SPD-Fraktion jetzt im Gemeinderat positionieren?
André Karl: Die Ausgangslage ist auf jeden Fall nicht besser als vor sechs Jahren. Es bringt aber auch nichts, jetzt auf beleidigt zu machen. Im nächsten viertel Jahr wird sich zeigen, wo es mit dem Gemeinderat hingeht.
Bernd Faber: Wir werden uns auch künftig einer Zusammenarbeit zum Wohle der Gemeinde nicht verweigern. Dazu wäre es vielleicht sinnvoll, sich als Fraktion einmal zu einer Klausur zurück zu ziehen. Wir müssen unsere Prioritäten herausarbeiten und im Gemeinderat einbringen. Aber eines sage ich auch: Dass das Verhältnis - auch zum Bürgermeister, von dem ich mir spätestens beim Seniorenbeauftragten ein Signal in unsere Richtung erhofft hätte - im Moment ein bisschen gestört ist, lässt sich nicht verleugnen.

Wäre es angesichts der verhärteten Fronten und der Probleme der Gemeinde nicht vielleicht besser, dass der gesamte Gemeinderat einmal in Klausur geht?
André Karl: Das ist kein schlechter Gedanke, denn das Zwischenmenschliche hat mir in den vergangenen sechs Jahren schon ein bisschen gefehlt. Sich einmal aussprechen; versuchen, die Probleme aus der Welt zu schaffen - das könnte man da versuchen.
Bernd Faber: Mir tut es weh, dass wir keine vertrauensvolle Zusammenarbeit und keinen Team-Gedanken im Gemeinderat auf die Reihe bekommen. Es geht schließlich um das Wohl unserer Bürger. Manchmal komme ich mir bei Gemeinderatssitzungen vor wie ein Boxer im Ring - da ist es schwer, nicht den Spaß an der Sache zu verlieren.