Es ist ein kleiner Pikser und schon fließen ein paar Tropfen Blut. Mehr ist es nicht, um in die Stammzellspenderdatei aufgenommen zu werden. Die Stiftung für krebskranke Kinder Coburg mit ihrem Vorstand Uwe Rendigs veranstaltet zusammen mit der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) eine große Typisierungsaktion in Coburg. Kooperationspartner Rainer Falch, Geschäftsführer des Sportlandes Coburg, stellt am Samstag, 10. November, die Räumlichkeiten seiner Anlage für die Aktion zur Verfügung.

Um Auszubildende oder Schüler ansprechen zu können, geht Rendigs auch direkt in Unternehmen und die Regiomontanus-Schule FOS/BOS Coburg. "Wir möchten mit der Aktion junge Leute in die Verantwortung ziehen", betont Rendigs. "Es ist die letzte Möglichkeit, Menschen das Leben zu retten." Noch hat Rendigs nicht alle Unternehmen besucht, doch die Reaktion der Auszubildenden sei bisher sehr gut gewesen. "Die jungen Menschen wollen Verantwortung übernehmen", zeigt sich Rendigs begeistert. "Wer bereits registriert ist, will im Familien- und Bekanntenkreis kräftig die Werbetrommel rühren." Junge Menschen sind die beste Altersgruppe, da sie für einen langen Zeitraum im Spenderregister bleiben, sagt Rendigs. Erst mit 61 Jahren endet aus medizinischen Gründen die Zugehörigkeit zum Spenderregister.

Firmen unterstützen die Aktion

Zwei große Coburger Firmen, die die Aktion unterstützen, sind Brose und Kaeser. Michael Stammberger, Ausbildungsleiter bei Brose, hofft, dass sich am 10. November möglichst viele seiner Azubis als Stammzellspender registrieren lassen. Im Vorfeld der Aktion haben die Auszubildenden viel Aufklärung erfahren. "Wir haben den Auszubildenden zusammen mit der Stiftung aufgezeigt, was es für eine Familie bedeutet, wenn ein Kind an Blutkrebs erkrankt und welche Folgen das für das Alltagsleben hat", sagt Stammberger. Aufklärung hält er für besonders wichtig.

"Beim Thema Stammzellspende muss man auch akzeptieren, dass der eine oder andere vielleicht Angst vor einem Eingriff hat oder unsicher ist, was es bedeutet, sich als Spender zur Verfügung zu stellen." Da helfe es nur über das Thema zu informieren.

"Der Aufwand ist gering, doch der Nutzen ist unbeschreiblich groß", weiß Rüdiger Hopf, Ausbildungsleiter bei der Firma Kaeser. Hopf weiß aber auch, dass man niemand zwingen könne zu spenden. "Die Entscheidung muss jeder selbst treffen", sagt Hopf. Der Registrierungsprozess dauert nur wenige Minuten. Nach der elektronischen Erfassung der persönlichen Daten bestätigt der Spender mit seiner Unterschrift, dass seine Gewerbemerkmale anonymisiert im weltweiten Spenderregister gespeichert werden. Dann werden dem Spender von einer Punktionskraft ein paar Tropfen Blut abgenommen.

Auf Spenden angewiesen

Jeder Gesunde zwischen 17 und 45 Jahren kann sich typisieren lassen. "Wir sind auf Spenden angewiesen", betont Rendigs die Wichtigkeit der Aktion. Es gibt aber Vorerkrankungen, die eine Spende unmöglich machen. Eine Liste, welche Vorerkrankungen darunter fallen, gibt es unter www.akb.de.

Grundsätzlich ist die Typisierung für den Spender kostenfrei. Um die Kosten in Höhe von 40 Euro pro neuem Spender stemmen zu können, ist die Stiftung AKB auf Geldspenden angewiesen. Die Stiftung für krebskranke Kinder Coburg betreut aktuell zwölf krebskranke Kinder, die sich in Therapie befinden. 53 Familien erfahren langfristige Unterstützung von der Stiftung. "Wir helfen dort, wo es notwendig ist", erzählt Vorstand Uwe Rendigs. Das kann in Form von einer monatlichen Regelförderung, aber auch durch Einzelförderung wie ein Fahrrad oder eine Waschmaschine sein, erläutert der Vorstand.

Aufbau einer weltweiten Datei

Neben der persönlichen Betreuung unterstützt die Stiftung auch den Aufbau der weltweiten Stammzellspenderdatei und hier konkret die Stiftung AKB. Schwerwiegende Erkrankungen des Blut bildenden Systems können durch die Spende gesunder Stammzellen geheilt werden.

Die Stiftung AKB verwaltet aktuell über 310 000 weltweit verfügbare Stammzellspender und hat in den vergangenen 25 Jahren mehr als 4300 Stammzellt ransplantate und damit die Chance auf Heilung vermittelt. Trotz einer Spende können Kinder noch sterben", bedauert Rendigs. "Die Chancen zu überleben steigen aber natürlich um ein Vielfaches." Diese Situation kann sich nur verbessern, wenn sich noch mehr Menschen typisieren lassen. Obwohl weltweit bereits mehr als 33 Millionen potenzielle Stammzellspender zur Verfügung stehen, wartet jeder fünfte Patient noch immer vergeblich auf einen passenden Spender.