Die Erneuerung der gemeindlichen Wasserversorgung beschäftigt die Einwohner Sonnefelds seit Monaten. Nun beschäftigte sich ein zweiter Informationsabend mit der Finanzierung des wohl rund 4,6 Millionen Euro teuren Großprojekts. Mit Genehmigung des Bayerischen Innenministeriums wurde für die Abstimmung der 14. Oktober festgeschrieben, die damit gleichzeitig mit den Landtagswahlen stattfinden.

Bürgermeister Michael Keilich freute sich als Moderator über "das volle Haus", das ihm außergewöhnliches Interesse an dem Thema Bürgerbegehren signalisierte. Nachdrücklich wurde unterstrichen, dass Sonnefeld die gesicherte Wasserversorgung seiner Bürger auch in Zukunft in Eigenregie gewährleisten will - und somit die Beteiligung "starker Partner" oder gar den Netzverkauf kategorisch ausschließt.

Rege Beteiligung gewünscht

Ausführlich erläuterte Hauptamtsleiter Stefan Markus die Pläne der Gemeinde, die sich für die (schnelle) Refinanzierung durch die Erhebung von Verbesserungsbeiträgen in mehreren Raten (85 Prozent) sowie die Anpassung der laufenden Verbrauchsgebühren (15 Prozent) nach Abschluss aller Baumaßnahmen entschieden hat. Ein mit 510 gültigen Unterschriften unterstütztes Bürgerbegehren sieht dagegen eine Aufteilung der Finanzierung in 40 Prozent Verbesserungsbeiträge und 60 Prozent als Umlage auf die Verbrauchsgebühren vor.

Der von Markus erläuterte Stimmzettel sieht das Ja-Votum (für die 40/60 Lösung) und Nein-Votum für den Gemeinderatsvorschlag (85/15 Version) der 4019 stimmberechtigten Einwohner vor. "Das für den Gemeinderat bindende Ergebnis werden wir am Abend des Wahlsonntags in der Domäne präsentieren" unterstrich Markus, bevor er um rege Beteiligung am Bürgerentscheid warb.

Keine Zuschüsse

Dem finanziellen Teil des Millionenprojekts widmete sich Gemeindekämmerer Heiko Lech. Nach vorsichtigen Berechnungen werden demnach Gesamtkosten in Höhe von 4,6 Millionen Euro erwartet, für die die Gemeinde in Vorleistung treten müsse. Alleine drei Millionen Aufwand sind für den auf Höhe des Gestungshäuser Weinbergs neu zu schaffenden Hochbehälter veranschlagt, rechnete Lech vor.

Nachdem Sonnefeld nach Prüfung aller Möglichkeiten auf finanzielle Zuwendungen (aus welchen Töpfen auch immer) verzichten muss, ist die Refinanzierung des Gesamtaufwandes unabdingbar. Vorgesehen sind (mehrere) an den Baufortschritt angepasste Vorauszahlungen. Zu berücksichtigen seien außerdem die im zweijährigen Turnus anzupassenden Verbrauchsgebühren. Aktuell liegt der Kubikmeterpreis bei 1,42 Euro.

Rechenbeispiele

Am Rechenbeispiel für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 150 Kubikmetern, 1000 Qudratmeter Grundstücksfläche und 250 Quadratmeter Geschossfläche Wohnraum erläuterte der Kämmer die Variantenunterschiede. Für die Version 85/15 fallen danach 6554 Euro (3944 Beiträge und 2610 per Beitragsanpassung) an. Die auf den vorgegeben 45-Jahreszeitraum angestellten 40/60 Berechnungen fallen mit 7859 Euro (1856 Verbesserungsbeiträge und 6006 Gebühren/Zinsen) deutlich höher aus. Als kleines Bonbon offerierte Lech die zeitliche Verschiebung und angepasste Ratentermine (Planung bis Ende 2017, Baubeginn 2018, Durchführung bis Mitte 2020).

Als Sprecher der Bürgeriniative forderte Norbert Heymann Aufklärung über kursierende Kostenmodelle mit einem Aufwand von über acht Millionen Euro und kündigte die Faktenbesprechung mit einem Rechtsanwalt an. Thomas Angermüller redete einer stärken Mieterbeteiligung ("sie verbrauchen auch Wasser") am Aufwand das Wort. Im Interesse von Hausbesitzern mit vermieteten Wohnungen sprach er sich klar gegen das anvisierte 45-Jahre-Laufzeit-Modell mit schrittweise angepasster Verbrauchsgebühr aus. Marcel Hübners Zinssatzfrage beantwortete der Kämmer mit zur Zeit 0,9 bis 1,2 Prozent. Wobei Darlehen für höchstens 20 Jahre festgeschrieben werden und weitere rechnerische Komponenten zu berücksichtigen seien. "Wie es dann aussieht, ist nicht absehbar" gab Lech zu bedenken.

"Entscheiden Sie sich für den Gemeindevorschlag -mit dem Vorschlag der Bürgerinitiative wird es für Sie bis zu 400 Prozent teurer" betitelte Rolf Zech sein - mit Billigung aus dem Rathaus - auf den Tischen ausgelegtes Informationsblatt. In akribischer Kleinarbeit hatte der Gestungshäuser Rechenbeispiele für beide Varianten und Auswirkungen auf unterschiedliche Verbrauchergruppen ausgearbeitet.

Mit der vom Gemeindechef unterstützten Feststellung "Es gibt keine richtigste Lösung" verband Stefan Markus die Empfehlung, je nach Interessenlage - Besitzer/Mieter/Familiensstand/Altanschließer/Landwirt/Unternehmer) vor der Wahlentscheidung eigene Berechnungen anzustellen.