Noch bevor Kleidungsstücke aus gewobenen Stoffen hergestellt worden sind, wurde eine andere Textiltechnik verwendet: Archäologische Funde bestätigen, dass bereits in der Jungsteinzeit aus gepressten Tierhaaren Filz hergestellt worden ist. Was man heutzutage aus Filz herstellen kann, konnte am Sonntag im Museum der Deutschen Spielzeugindustrie bestaunt und ausprobiert werden, denn im Rahmen des Herbstfestes zeigte Gisela Mackeldey in ihrem Filzkurs, wie aus Wollballen wahre Kunstwerke entstehen können. Ob Pantoffeln, Schalen, Untersetzer, Puppen, Schmuck oder Türstopper: Die Vielfalt ist grenzenlos.

Um die Gegenstände filzen zu können, nehmen die Teilnehmer des Kurses eingefärbte Wolle. Mithilfe von heißem Wasser und Seife werden die Fasern der Wolle in Bewegung gebracht und verfilzen so. Mit den Händen wird der nasse Stoff modelliert, und wenn er getrocknet ist, verfestigt sich die gewünschte Form. Je nachdem, was entstehen soll, werden noch andere Stoffe und Materialien hinzugenommen. "Für bewegliche Werkstücke nehmen wir Luftpolsterfolie als Schablone und im Türstopper steckt ein Pflasterstein", erklärt Gisela Mackeldey.


Ausgebildete Textilgestalterin

Schon in ihrer Ausbildung zur Textilgestalterin hat sie das Filzen kennengelernt. Nach der Wende hat sie sich dann selbstständig gemacht und gibt seither auch Filzkurse. "Es ist einfach faszinierend, was man aus einem Klumpen Wolle so alles herstellen kann", sagt sie. Das Besondere am Filzen sei, dass man nie genau vorhersagen kann, wie das Werkstück am Ende aussehen wird. "Der Filz geht manchmal seine eigenen Wege - für die Modellierung braucht man daher auch ein bisschen Formgefühl", erklärt sie. Seit vielen Jahren gebe sie auch Kurse in Neustadt. "Es ist schön, mit meinem mittlerweile eingespielten Trüppchen einen schönen Tag in der Gemeinschaft zu verbringen", erzählt sie. Außerdem mache es ihr Spaß, mit dem Filzkurs anderen Freude zu bereiten: "Wenn dann jeder sein Erfolgserlebnis hat, dann bin auch ich glücklich."

Eine der Teilnehmerinnen ist Sabine Oppel. Sie arbeitet schon zum zweiten Mal in einem von Gisela Mackeldey geleiteten Kurs. "Ich habe überall nach einer Handytasche gesucht, aber ich habe keine passende gefunden - da dachte ich mir, dass ich mir auch selbst eine herstellen könnte", erklärt sie. So sei sie auf die Idee gekommen, beim Filzkurs mitzumachen. Bisher habe sie sich aber noch nicht an die Handytasche gewagt. "Beim letzten Mal habe ich mir ein paar Hausschuhe gemacht", erzählt sie. Ihr gefalle das Arbeiten mit dem Filz sehr: "Am besten ist, dass alle Werkstücke aus Naturmaterial hergestellt sind."

Zum dritten Mal ist Doro Reichel im Filzkurs von Gisela Mackeldey. "Ich habe vorher schon ein bisschen herumprobiert, aber so wirklich hat es erst hier geklappt", erzählt sie. Je öfter sie in den Kurs komme, desto leichter falle ihr das Filzen. "Und es macht echt enorm Spaß", fügt sie hinzu. Im Kurs habe sie Schuhe, Mäuse und auch einen Türstopper hergestellt. "Mir gefällt es, dass das fertige Werkstück anders aussieht, als man es ursprünglich geplant hat - auf diese Überraschungen muss man spontan mit Kreativität reagieren", erklärt sie. Entgegen des verbreiteten Klischees sei die Filzkunst keinesfalls altbacken oder altmodisch: "Ich habe eine Ausstellung besucht, in der wirklich todschicke, modische Filzkunst ausgestellt worden ist."