Der Bahnübergang Oberer Bahnweg in Creidlitz ist nur für Fußgänger bestimmt. "Auch auf Zug aus der anderen Richtung achten" steht auf kleinen Schildern an den Umlaufsperren. Das ist eine Folge eines tödlichen Unfalls vor fast zehn Jahren, als ein 50-jähriger Mann die beiden Gleise an dieser Stelle in Richtung Creidlitz überqueren wollte. Er hatte den Regionalexpress aus Lichtenfels noch abgewartet und war dann losgelaufen - den Regionalzug von Coburg kommend übersah er.

Auch diesmal näherte sich der Zug von Coburg her: ICE 1503 befand sich kurz nach 7 Uhr nach seinem Halt in Coburg auf der Fahrt in Richtung München. 90 Stundenkilometer sind für die Züge auf diesem Streckenabschnitt erlaubt. Der 18-jährige Coburger, der in diesem Moment die Gleise von Creidlitz kommend überqueren wollte, um zur Arbeit zu gelangen, sah und hörte ihn offenbar nicht.


War er abgelenkt?

Feuerwehrleute berichteten später, der Lokführer habe gesagt, der Jugendliche habe "Stöpsel" in den Ohren getragen. Der Lokführer habe noch gehupt, aber ohne Erfolg. Auch die Notbremsung rettete den 18-Jährigen nicht mehr: Er wurde vom Triebkopf des ICE erfasst und ins Nachbargleis geschleudert. Der Lokführer erlitt einen Schock.

Um 7.16 Uhr ging bei der Feuerwehr der - in diesem Fall nicht ganz zutreffende - Notruf ein: "Person unter Zug". Auch die Rettungskräfte wurden alarmiert. Der Notarzt konnte jedoch nur noch den Tod des jungen Mannes feststellen. Den Feuerwehrleuten blieb die Aufgabe, den rund 150 Passagieren aus dem ICE zu helfen, der wenige Meter nach dem Bahnübergang auf freier Strecke zum Halt gekommen war. Mit Hilfe eines Podests aus dem Feuerwehr-Rüstwagen konnten die Fahrgäste den Zug verlassen. Sie wurden laut einem Bahnsprecher mit Bussen nach Bamberg gebracht.


Ursache unklar

Der Staatsanwalt ordnete an, dass ein Sachverständiger hinzugezogen werden sollte, um den Unfall zu klären. Ob der junge Mann tatsächlich Kopfhörer getragen oder anderweitig durch sein Handy abgelenkt war, konnte die Polizei am Dienstag nicht bestätigen. Die Bahnstrecke selbst blieb bis etwa 10.30 Uhr für den Zugverkehr gesperrt. Mehrere Regional- und Regionalexpresszüge hingen im Coburger Bahnhof fest. Die Medien wurden um 9.37 Uhr verständigt, dass es einen Unfall auf der zweigleisigen Strecke gegeben habe. Zu diesem Zeitpunkt ging die Polizei davon aus, dass es sich um einen Unfall handelte und nicht um einen Selbstmord.

Zu diesem Zeitpunkt war der Leichnam des Verunglückten schon abtransportiert. Die Sachverständigen waren noch an der Arbeit, die Creidlitzer Feuerwehr erhielt dann den Auftrag, den Zug und die Gleise mit Wasser abzuspritzen.

Ob der Bahnübergang erhalten bleibt, ist eine Frage, die am Dienstag niemand beantworten konnte oder wollte. Die Stadt Coburg verwies darauf, dass die Bahn ein sogenanntes Entwidmungsverfahren in die Wege leiten müsse, wenn der Bahnübergang aufgegeben werden soll. Ein Bahnsprecher wiederum sagte, dass solche Übergänge nur mit dem Einverständnis aller Beteiligten - also auch der Stadt - beseitigt werden können.