"Mich kennt ja jeder", so wurden einige schon im Eingangsbereich vom Weltmeistertrainer der DHB-Auswahl von 1978, Vlado Stenzel, begrüßt, obwohl der mit seiner Basecap gar nicht so gut zu erkennen war. Stenzel hatte Linkshänder Hribar an den Main vermittelt. Nicht wiederzuerkennen war auch der TSV Rödelsee nach einem starken ersten Durchgang nach der Pause. Die Folge: Der HSC 2000 Coburg gewann sein Auswärtsspiel souverän und haushoch mit 32:22.
Bis zur Pause hatten die Gastgeber die Coburger mit einer engagierten Leistung extrem gefordert und wurde dann klassisch ausgekontert. HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel war schon zur Pause optimistisch: "Rödelsee hat bisher eine sehr starke Partie gespielt. Das halten die keine 60 Minuten durch." Dass es am Ende aber dann so deutlich wurde, überraschte aber auch.

TSV Rödelsee gegen
HSC 2000 Coburg 22:32 (14:14)

Nur eines von bislang vier Heimspielen hatte der TSV Rödelsee bis zum vergangenen Samstagabend verloren - und das war unglücklich gegen den Ligaprimus Bad Neustadt. Auffällig war, dass Jan Gorr einen seiner "Blöcke" verändert hatte. Statt Sebastian Kirchner, schickte der HSC-Coach Steffen Coßbau aufs Feld, Havard Martinsen spielte im HSC-Gehäuse diesmal sogar durch. Der hatte vor dem Wechsel gegen die Würfe seines Ex-Kollegen Jan Kästner, der nach der Pause aber völlig abgemeldet war, das Nachsehen.
Denn der Ex-Coburger war zusammen mit Bostjan Hribar hauptverantwortlich für 4:3-Führung der Gastgeber. Das lag auch daran, dass die HSCler aus dem Rückraum ihre Möglichkeiten nicht so konsequent nutzten wie der Gegner. Insgesamt war Coburg auch nach einer Viertelstunde noch nicht im Spiel angekommen.
Das merkte man am Engagement von Jan Gorr an der Seitenlinie. Vehement bemängelte er nach dem 9:8-Anschlusstreffer seiner Mannschaft das schlechte Rückzugsverhalten, das fast zum direkten Gegentor führte.

Gorr sauer auf das Kampfgericht

Überhaupt war der Coburger Trainer unheimlich aktiv an der Seitenlinie. Beim Stand von 12:12 hatten die Rödelseer einen siebten Feldspieler gebracht, was das Kampfgericht übersah. Wie ein Rohrspatz schimpfte Gorr auf den Sekretär ein, nahm sich dann gleich wieder zurück.
Aber nicht lange - als Till Riehn gecheckt wurde, war der Coburger Trainer nicht mehr zu halten. "Meilenweit" war er außerhalb seiner Coaching-Zone und hatte Glück, dass er nur ermahnt wurde.
Aber seine Mannschaft, die weit unter ihrem Leistungsvermögen blieb, konnte er bis zur Pause damit nicht wachrütteln.
Nach der Pause stand eine andere HSC-Mannschaft auf der Platte. Endlich wurde in der Abwehr beherzt zugepackt und richtig losgelegt. Damit wurde der Grundstein für einen 7:0-Lauf bis zur 41. Minute gelegt. Plötzlich passte alles zusammen, ein Konter nach dem anderen rollte auf das Rödelseer Tor zu, die nun keinen Fuß mehr auf den Boden brachten.
Jan Kästner war ebenso abgemeldet wie Hribar auf der anderen Rückraumposition. Kästner sah das Unheil kommen und forderte seinen Trainer, der zwischenzeitlich auf zwei "Dreierreihen" umgestellt hatte und den Coburger Rückraum schon auf 14 Metern abfangen wollte auf: "Wir dürfen nicht alles aufgeben. Sonst gehen wir mit 20 Toren Unterschied nach Hause. Wir müssen an unserem Konzept festhalten."
Am Ende befand auch Kästner, dass die zehn Tore Unterschied für die Rödelseer Leistung nach der Pause "okay" waren. Denn der HSC hatte jetzt auf alles eine Antwort und bewies ein ums andere Mal einen guten Überblick.
Auch Jan Gorr wurde nun zusehends ruhiger und konnte sich früher als noch zur Halbzeit von allen erwartet zurücklehnen und den Sieg genießen.

Die Statistik

TSV Rödelsee: Max Deussen, Thomas Paul - Sebastian Vogt, Boštjan Hribar (6), Gabor Csorba (1), Lukas Demel (1), Julius Weinhardt (1), Andreas Paul (4), Rok Ivanic, Jan Kästner (7/2), Christian Häckner, Maximilian Häckner (2), Marin Varvodic. Zeitstrafen: 1.
Siebenmeter: 3/2.

HSC 2000 Coburg:
Havard Martinsen, Oliver Krechel - Philipp Barsties (2), Ronny Göhl (4/3), Johan Andersson (3), Nicola Franke, Dominic Kelm (2), Sebastian Kirchner (5), Jiri Vitek (1), Tomas Riha, Steffen Coßbau (2), Maximilian Drude (4), Till Riehn (4), Sebastian Roth (5).
Zeitstrafen: 0.
Siebenmeter: 3/3.

SR-Duo: Marcel Kiyici / Kevin Steinbach (beide Ehingen).

Zuschauer: 600.