"Ich bringe sie um... Morgen bringe ich sie um." Eine Szene, so lapidar und so intim wie das Alltagsleben an sich. Wie weit die Szenen einer Ehe aus der analytischen Sicht Loriots führen, können die Coburger an einem so intimen wie rustikalen Theaterort - den sie mittlerweile offensichtlich lieben - ab Freitag, 8. November, erleben, im Saal des Münchner Hofbräus: Bitte sagen Sie jetzt nichts!

Verzeihung. Den Mund wollten wir Ihnen keinesfalls verbieten. "Bitte sagen Sie jetzt nichts", ist der Titel einer Hommage an Loriot, den die neue Regieassistentin des Landestheaters, Leila Müller, mit Niklaus Scheibli, Sandrina Nitschke und Frederik Leberle inszeniert.

Keiner hat den braven deutschen Bürger so aufs grüne Sofa gesetzt und ausgestellt wie Viktor von Bülow. Viele seiner ge nial verdichteten Beziehungs-Sentenzen und Szenen sind humoristisches Allgemeingut geworden, werden erkannt und verstanden von wohl jedermann und jederfrau. Obwohl in ihnen sehr wohl sofort die eigene Beschränktheit identifiziert wird, freut man sich, Herrn Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöber samt Quietschente oder Frau Hoppenstedt bei Erlangung des Jodeldiploms zu begegnen. Da haben Sie was Eigenes, selbst wenn man Gefahr läuft, zur Jodelschnepfe zu werden.

Und genau darin liegt für das Theater die Gefahr und die He rausforderung, eine "wahnsinnige Herausforderung", verneigt sich die junge österreichische Regisseurin respektvoll. Loriot nachspielen, gar imitieren? Aus der Masse des Materials wurden für diese kleine Produktion eine Reihe von Szenen ausgewählt, die zwar keine zusammenhängende Geschichte darstellen, aber einen sinnvollen Spannungsbogen ergeben sollen. Vom Fernsehstudio (Szenen mit sprechendem Hund, Literaturkritiker, Lottogewinner) stürzen wir in die Ehekrise zu Hause mit dem "Frühstücksei" als Höhepunkt, bevor zur Abrundung "Die Nudel" endgültig alle fertig macht.

"Nein, wir wollen keine Imitation", nähert sich Leila Müller dem geradezu monumentalen Spaß. "Wir werden einige von Loriots witzigsten Texten eigenständig darstellen, bisweilen in anderen Szenerien. Wir möchten einen unterhaltsamen Abend bieten. Das ist uns Herausforderung genug."


Die neue Regieassistentin

Leila Müller wird als Nachfolgerin von Michael Götz auf der Position des Regieassistenten in dieser Saison zwei eigene Produktionen verantworten, neben dem Loriot-Abend im Mai dann "Pinocchio" als Familienstück in der Reithalle.

Leila Müller ist in Linz geboren, mit 16 "abgehauen", wie sie selber sagt, nach Wien, hat eine klassische Schauspielausbildung absolviert, in großen und kleinen Häusern gespielt, angefangen Regie zu führen, als Freie an diversen Theatern mitgewirkt und auch viel mit Jugendlichen und Semiprofis gearbeitet. "Das war immer eine besondere Freude."

Jetzt aber ist Leila Müller glücklich über ihre erste Festanstellung, vor allem an einem so vielseitigen Haus wie dem Coburger Landestheater, an dem sie sich längerfristig mit einem festen Ensemble entwickeln kann und an dem auch noch das Spartenübergreifende besonders gepflegt wird. Das reizt sie besonders. Leila Müller hat selbst viel getanzt, Ballett als Kind, dann in verschiedenen modernen Stilen. Von "Woyzeck" in der Reithalle als Ballett-Schauspielproduktion zeigt sie sich tief beeindruckt.

Übrigens, nur damit Besucher des Loriot-Abends im Münchner Hofbräu Bescheid wissen: Die Ente bleibt draußen.

Die Produktion "Bitte sagen sie jetzt nichts". Eine Hommage an Vicco von Bülow, genannt Loriot. Inszenierung: Leila Müller. Dramaturgie: Georg Mellert. Darsteller: Sandrina Nitschke, Frederik Leberle, Niklaus Scheibli.
Premiere am Freitag, 8. November, 20 Uhr, im Münchner Hofbräu.

Der Autor Loriot, bürgerlich Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow (geboren 1923 in Brandenburg an der Havel, gestorben 2011 am Starnberger See), etablierte sich von den 1950er Jahren an bis zu seinem Tod in Literatur, Fernsehen, Theater und Film als einer der vielseitigsten deutschen Humoristen. Loriot betätigte sich auch als Karikaturist, Regisseur, Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner und wurde 2003 von der Universität der Künste Berlin zum Professor für Theaterkunst ernannt.