Dass die städtischen Werke (SÜC) noch immer einen großen Teil ihres Stroms aus dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld bezieht, ist unbestritten. Auch dass es eine ganze Reihe von Menschen in der Stadt und im Landkreis gibt, die das nicht gut findet. Wie wäre es aber, Strom vor Ort umweltfreundlich mit erneuerbarer Energie zu produzieren und damit auch noch Geld zu verdienen? "Global denken und lokal handeln", sagt Wolfgang Weiß dazu. Er ist einer von denen, die sich für die Gründung einer Energiegenossenschaft engagieren. Denn er hat schon Erfahrung mit einem ähnlichen Projekt gesammelt.

Im Jahr 2004 hatte er zusammen mit Gleichgesinnten "Sonne über Coburg", eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, gegründet. Ihr Anliegen: Bürger-Photovoltaikanlagen initiieren und betreiben. "Unsere Idee war es, dass Bürgerinnen und Bürger mit ihren Einlagen einen Teil der Anlagen finanzieren und davon profitieren."

Anfangs lief es nicht schlecht. Drei Photovoltaikanlagen wurden bis 2009 in Betrieb genommen: auf der Angerturnhalle (wegen unsicherer Zukunft der Halle wieder abgebaut), auf der Mehrzweckhalle in Ahorn (dorthin kamen die Module von der Angerhalle) und auf der Wertstoffsortieranlage in Blumenrod. Allerdings sank die Zahl der sogenannten stillen Gesellschafter. Noch schwieriger wurde es, als 2012 die Einspeisungsvergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gesunken ist und auch noch weiter sinkt. Die Preise für die Module blieben aber unverändert hoch. Für eine Gesellschaft ist es nicht leicht, alles zu finanzieren, Kredite zu bedienen, den Gesellschaftern die Einlagen plus Zinsen zurückzuzahlen. "Wir haften mit unserem Privatvermögen", sagt Wolfgang Weiß. Eine Genossenschaft hingegen habe ganz andere Möglichkeiten, könne besser streuen und Kommunen mit einbeziehen.

Da kam Regionalmanager Stefan Hinterleitner mit der Idee von der Energiegenossenschaft gerade recht. "Ich habe das Projekt bei einer Bürgerwerkstatt vorgestellt. Dazu waren immerhin 70 Interessenten gekommen", erzählt Stefan Hinterleitner. Nur zwei haben sich für die Idee nicht erwärmen können. Was sind die Ziele der Genossenschaft? "Wir wollen dazu beitragen, dass die Region immer unabhängiger von fossilen Energieträgern wird und der CO 2 -Ausstoß verringert werden kann. Auch über Energieeinsparung denken wir nach." Da gebe es schon interessante Modelle. Und: "Wenn die Menschen schon durch Windkraftanlagen oder große Photovoltaikanlagen beeinträchtigt werden, dann sollen sie davon auch profitieren." Damit meint Stefan Hinterleitner auch diejenigen, die über kein eigenes Grundstück, kein eigenes Haus verfügen, um dort Solaranlagen aufbauen zu können oder denen das Kapital fehlt, bei einer Gesellschaft einzusteigen. Genossenschaftsmitglied könne jeder werden, auch mit wenig Startkapital. "Wir versprechen keine Traumredite, aber eine sichere."

Dabei solle nicht nur in Photovoltaik investiert werden, sondern in verschiedene Formen von erneuerbarer Energie, etwa Wind- und Wasserkraft. Auch die Stadt Coburg und die Landkreis-Kommunen werden einbezogen. "Wir sprechen momentan mit Vertretern der fünf regionalen Energieversorger. Es wäre sehr gut, wenn sie Mitglied der Genossenschaft würden", sagt Stefan Hinterleitner. Jetzt müssen aber erst einmal die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. "Wir haben drei Arbeitsgruppen gebildet. Eine beschäftigt sich mit der Satzung, eine bereitet eine Pilotanlage vor und die dritte macht sich Gedanken darüber, wie das Projekt in der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann."

Ein Dutzend Mitstreiter, darunter auch einige Bürgermeister, ist in die Vorbereitungen involviert. "Wir haben uns Genossenschaften in Neumarkt, Roth und Grafenwöhr angeschaut." Im Frühjahr 2014 soll es so weit sein, dass die Bürger-Energiegenossenschaft gegründet werden kann.