Dorothea Thieme versucht gar nicht erst, ihre Begeisterung zu verbergen: Die Leiterin der Regiomed-Akademie freut sich einfach darüber, dass sie den künftigen Pflegeführungskräften ein modulares Studium anbieten kann. Möglich wird das durch die Zusammenarbeit der Akademie mit der Hochschule Coburg, die einige ihrer Kurse aus dem Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft für die angehenden Stationsleitungen öffnet.

Dadurch werden die künftigen Stationsleiter, allesamt ausgebildete Pflegekräfte, zu Studierenden "mit allen Rechten und Pflichten", wie Professor Roland Hertrich betont, Studiendekan für den Bereich Weiterbildung. Die Studierenden können sogar Punkte erwerben, die sie - wenn sie wollen - für ein anderes Studium anrechnen lassen können. Die Hochschule habe die berufliche Weiterbildung als ein zentrales strategisches Feld für sich identifiziert, sagt deren Präsidentin Christiane Fritze. Weder sie noch Hertrich sehen die Kooperation mit der Regiomed-Akademie als Einbahnstraße: Daraus könne sich mehr entwickeln, wie neue Studiengänge im Bereich Gesundheit und Pflege, "wenn uns der Freistaat Bayern das möglich macht", wie Fritze betont.

Erfreut über die Kooperation ist auch Johannes Brachmann, der medizinische Geschäftsführer von Regiomed. Der kommunalen Klinikkonzern wolle und müsse aus mehreren Gründen berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten, wie Brachmann betont: zur Sicherung und Steigerung der Qualität, aber auch, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen und Fachkräfte in der Region zu halten.

Ein solches Weiterbildungsangebot mit Studium sei im weiten Umkreis nicht zu finden, betont Dorothea Thieme. Pflege sei heute anders als noch vor 30 Jahren, und sie müsse auch anders vermittelt werden. In anderen europäischen Ländern seien akademische Ausbildungen im Pflegebereich längst üblich.

Mit 411 Pflegeschülern und rund 1500 Teilnehmern in Weiterbildungsangeboten sei die Regiomed-Akademie ein großer Anbieter beruflicher Bildung, sagt Thime. Die Weiterbildung zur Stationsleitung absolvieren dort nicht nur Beschäftigte von Regiomed. Der Einzugsbereich reicht laut Thieme "von Erfurt bis Erlangen". Die ersten 16 bis 25 Stationsleitungs-Studenten starten im Wintersemester 2019/20 an der Hochschule. Sie absolvieren hier 240 von 720 Unterrichtseinheiten, jeden Monat eine Woche lang. Die Basismodule und die praktische Ausbildung finden bei Regiomed statt. Insgesamt dauert die Weiterbildung zwei Jahre. sb