Bürgermeister Martin Finzel (parteilos) musste sich beeilen, denn am 1. Juli geht das Förderprogramm zum Erhalt und zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung des Bayerischen Staatsministeriums in eine neue Festlegungsrunde. Und diesmal will seine Gemeinde mit dabei sein. Deshalb hat Finzel eine Petition an den bayerischen Landtag erarbeitet und diese im Ahorner Rathaus an die Landtagsabgeordneten Susann Biedefeld (SPD) und Jürgen W. Heike (CSU) übergeben. "Wir bemühen uns, Druck auf den Landtag aufzubauen, damit Ahorn, beziehungsweise der Landkreis Coburg in das Förderprogramm kommt", sagte Finzel. Für ihn sind die Kriterien zur Aufnahme in den Fördertopf unverständlich. Er spricht von einer "schwammigen Handhabung". Laut seinen Aussagen scheitern die Gespräche mit niederlassungswilligen Ärzten ausschließlich an den fehlenden 60   000 Euro aus dem Förderprogramm. Die 500 Unterschriften seiner Gemeindemitglieder, zur Verbesserung der ärztlichen Versorgungssituation gesammelt haben, hat Finzel als Aufforderung verstanden, in diesem Bereich mehr zu tun.

Ahorner warten noch immer

Die kurzzeitige Übernahme der ehemaligen Hausarztpraxis Dyllus endete bereits im Januar und seitdem warten die Ahorner weiterhin auf einen Nachfolger.
"Wir haben ein konkretes Problem in Ahorn und mussten jetzt handeln", begründet Finzel seinen Alleingang mit der Petition. "Eine Petition für den gesamten Landkreis wäre vor dem 1. Juli zeitlich nicht machbar gewesen", so Finzel weiter. Unterstützung bekommt Ahorns Bürgermeister von den Landtagsabgeordneten Biedefeld und Heike. "Ich hoffe auf ein positives Beispiel für andere Kommunen. Auch vor dem Hintergrund, dass das Ministerium für die nächsten 15 Jahre einen Verlust von einem Drittel der Hausärzte eingeräumt hat", sagte Biedefeld.

Anfrage ans Ministerium

Auch für sie sind die Kriterien zur Aufnahme in das Förderprogramm unklar. Deshalb hatte Biedefeld eine Anfrage an das bayerische Gesundheitsministerium, der zuständigen Behörde, gestellt. Die Antwort brachte sie mit nach Ahorn. In dem Dokument heißt es: "Dabei wurden die Faktoren Arztdichte und Altersstruktur der Ärzteschaft berücksichtigt." Was eigentlich für die Aufnahme des Coburger Landkreises in das Programm sprechen würde, die bisher nicht geschehen ist. Neben dem aktuellen Stand von 30 Planungsbereichen, zu denen auch einige Nachbarlandkreise zählen, ist auch von Härtefällen die Rede. Diese Regelung soll auch Gebieten, die nicht zu den aktuellen Planungsbereichen zählen, eine Aufnahme ermöglichen.

"Ich will den Härtefall für Ahorn", sagte Jürgen W. Heike. Er sieht die Ursache für die Nichtaufnahme ins Programm und auch Probleme bei der Härtefallregelung in den zugrundeliegenden Statistiken. "Glaub keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast", scherzte Heike, aber sagte, wieder mit Ernsthaftigkeit: "Ich nehme die Petition mit, weil sie richtig ist." Als Bürgermeister Finzel zum wiederholten Male betonte, dass Ahorn mit vielen Ärzten in Verhandlungen steht, fragt Heike: "Sind da auch Ärzte dabei, die definitiv kommen, wenn sie die 60   000 Euro Fördergeld bekommen?" Darauf antwortete Finzel, nach kurzem Zögern: "Ja, die haben wir." Heike erwiderte: "Dann schreiben Sie das in die Petition mit rein."

Beide Landtagsabgeordnete unterstützen die Petition aus Ahorn und wollen sich für diese einsetzten, bekräftigten Biedefeld und Heike. "Letztendlich ist es egal, ob Ahorn und der Landkreis Coburg bei der Neufestlegung oder durch einen Härtefall ins Förderprogramm kommen, Hauptsache ist sie kommen rein", sagte Heike.