Der erste Gast wird am 5. Juli erwartet." Simone Lahl, die Leiterin des Hospizes, spricht von "Gästen", nicht von "Patienten" oder gar "Insassen". Wer ins Hospiz kommt, soll von Anfang an das Gefühl haben, als Gast aufgenommen zu sein, der hier den letzten Abschnitt seiner Lebensreise zurücklegt.

Schwerstkranke und sterbende Menschen werden ins Hospiz kommen. Trotzdem spricht Richard Reich, Geschäftsführer der Caritas Coburg, von einem "Lebensraum": "Im Hospiz wird nicht nur getrauert und geweint, sondern es ist auch ein Ort, an dem eben auch miteinander gelacht und gefeiert und intensiv gelebt wird." Individuelle Lebensgestaltung bis zum Tod solle hier ermöglicht werden, gemäß den Wünschen des Gastes.

Die Atmosphäre des Hauses werde geprägt von den Menschen, die dort arbeiten, betont Reich. Das sind bei weitem nicht nur Pflegekräfte: Auch Therapeuten, Ärzte, Seelsorger gehören zum Team, nicht zu vergessen die ehrenamtlichen Hospizhelfer. Sie stehen den Sterbenden und ihren Angehörigen und Freunden zur Seite.

Am Freitag, 15. Juni, erhielt das neue Hospiz den kirchlichen Segen. Der Spruch "das Zeitliche segnen" erhalte in einem solchen Haus weitere Bedeutungen als die allgemein übliche, sagte der katholische Dekan Roland Huth in seiner Ansprache. Es gehe auch um die Erkenntnis, dass jedermanns Zeit endlich sei. "Und es werden nicht nur die kommen, die reich an Jahren und vom Leben satt sind." Huth nahm zusammen mit dem evangelischen Dekan Stefan Kirchberger die Segnung vor.

Nächsten Freitag (22. Juni) wird die Caritas erneut die Fertigstellung des Hospizes feiern, dann mit einem Festakt, zu dem auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erwartet wird. Weil schon über 250 Gäste zugesagt haben, findet die Feier nebenan, im Saal des Caritas-Seniorenheims St. Josef statt. Das Hospiz selbst verfügt zwar über ein schönes Foyer, einen "Raum der Stille" und einen Schulungsraum, aber schon die rund 150 Gäste bei der Segnung mussten sich auf mehrere Räume verteilen.

Unter ihnen waren auch diejenigen, die sich seit Jahren für den Bau des Hospizes eingesetzt, dafür geworben und gesammelt haben: "Endlich, endlich, endlich", sagte Helga Schadeberg vom Verein "Lebensraum - ein Hospiz für Coburg" nur. Der Verein war angetreten, die für die Genehmigung erforderlichen Eigenmittel zu beschaffen. Denn Hospize dürfen nicht kostendeckend arbeiten. 60.000 bis 80.000 Euro müsse das Hospiz jedes Jahr aus Spenden und Eigenmitteln für die Betriebskosten aufbringen, sagte Reich. Die Kosten für die Gäste würden von den Pflegekassen übernommen. "Es ist ein Haus für alle!"

Acht Zimmer stehen für die Gäste zur Verfügung, jedes mit eigener Terrasse. Die Gästezimmer befinden sich links vom Foyer, auf der rechten Seite liegen die Verwaltungsräume und der "Raum der Stille". Die Bilder an den Wänden hat die Coburger Künstlerin Heide Kunze-Lysek gemalt. Prägendes Motiv der beiden großen Gemälde am Ende des Flurs und im Raum der Stille sind Steine. Damit habe sie den Sandstein hinterm Haus aufgreifen wollen, sagt die Künstlerin. Steine seien ein Symbol für die Ewigkeit, aber in ihrer Reihung auf den Bildern auch für die Wegstrecke, die der Mensch im Lauf des Lebens zurücklege.

Viele Details in den Zimmern zeugen davon, wie die Bedürfnisse der Gäste berücksichtigt werden. Nichts soll an eine Klinik oder Pflegeeinrichtung erinnern, nicht einmal die Bettwäsche, wie Leiterin Simone Lahl beim Rundgang sagte. Jedes der Zimmer verfügt über ein Klappbett, so dass auch ein Angehöriger über Nacht bleiben kann, wenn er nicht eins der Gästezimmer nutzen will. Jedes Zimmer verfügt über eine Nasszelle mit Pflegedusche. Daneben gibt es aber das große Badezimmer mit dem Pflegebad, wo mit Licht und Musik Wohlfühlatmosphäre geschaffen werden kann.

Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten noch nicht - die Deckenlampen fehlen noch, die Möbel in den meisten Zimmern sind noch nicht ausgepackt. Zu sehen war am Freitag lediglich ein Musterzimmer. Aber bis in zwei Wochen, hoffen Lahl und Reich, ist alles fertig.

Das Hospiz kennenlernen

Besichtigung Tag der offenen Tür am Samstag, 23. Juni, 10 bis 16 Uhr. Adresse: Kükenthalstraße 21, Coburg.

Philosophie "Palliative Care" mit dem Ziel, eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten. Diese Versorgung ist auf die Linderung von Symptomen und Schmerzen ausgerichtet.

Partner Das Hospiz arbeitet mit den Regiomed-Kliniken, der Palliativ-Station, dem SAPV-Team Coburg, dem Hospizverein Coburg und weiteren Partnern zusammen.

Aufnahme Kommen dürfen Menschen, deren unheilbare Erkrankung so weit fortgeschritten ist, dass sie nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben haben und die nicht zu Hause versorgt werden können. Dies alles muss der behandelnde Arzt bescheinigen. Bei gesetzlich Versicherten übernehmen die Pflegekassen die Kosten; privat Versicherte müssen vorher klären, welche Kosten ihre Versicherung übernimmt.

Kontakt Telefon 09561/8354-16. Eröffnet wird im Juli. Mehr unter caritas-pflege-coburg.de, Menüpunkt Einrichtungen->Hospizhaus.