Im Zusammenhang mit dem im vergangenen Jahr überraschend aufgetauchten Millionendefizit beim kommunalen Klinikverbund Regiomed hat der Coburger FDP-Stadtrat Hans-Heinrich Eidt Vorwürfe gegen den ehemaligen Hauptgeschäftsführer Joachim Bovelet erhoben. In seiner Rede beim politischen Aschermittwoch der FDP äußerte Eidt unter anderem die Vermutung, dass Bovelet nur deshalb noch frühzeitiger als geplant seinen Abschied von Coburg genommen habe, weil er ihm "der Boden unter den Füßen zu heiß" geworden sei.

Eidt bezeichnete sich und den Neustadter OB Frank Rebhan (SPD) als "die großen Stänkerer" in der Verbandsversammlung. Nachdem sie das Gefühl gehabt hätten, dass das, was Bovelet "anstellt", nicht passen könne, habe man immer wieder Anfragen gestellt: allen voran zur Planung eines neuen Gesundheits-Campus auf dem ehemaligen BGS-Gelände ("ein Wolkenkuckucksheim!"), die zuletzt von Bovelet mit Kosten von fast 800 Millionen Euro veranschlagt worden seien - "aber ohne ersichtliche planerische und finanzielle Grundlage". Fragen hätten Eidt und Rebhan auch zum Kauf der Reha-Klinik Masserberg gestellt, zur Planung der neuen Regiomed-Zentralküche, die in Lichtenfels und somit am äußersten Rand des Regiomed-Gebietes entstehen soll, und zur Planung einer Medical School, für die es laut Eidt noch gar keine gesicherte Genehmigung oder Unterstützung gab. Doch auf all diese Fragen hätten er und Rebhan keine Antworten bekommen - und zwar auf einen ausdrücklichen Beschluss der Gesellschafterversammlung hin, wie Eidt betonte. Daraufhin habe man eine Beschwerde an die Rechtsaufsicht in Bayreuth gerichtet, von der schließlich eine Beantwortung der Fragen angeordnet worden sei. Und dann? "Nur wenige Tage nach Eingang dieser Anordnung hat sich der Hauptgeschäftsführer vorzeitig verkrümelt", erinnerte sich Eidt. Und wiederum nur wenige Tage später sei dann bekannt geworden, dass Regiomed im Jahr 2018 ein Defizit von über vier Millionen Euro eingefahren hat. Eidt schimpfte wörtlich: "Herr Bovelet war ein großer Manipulator und hat denen alles aufgeschwätzt."

Große Hoffnungen setzt Eidt jetzt in den designierten Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke, der bereits jetzt, da er eigentlich noch in Augsburg tätig sei, die Ärmel hochkrempele und alles aufklären wolle.

Kritik am Bausenat

Als eines seiner Hauptanliegen bezeichnete Eidt die Neugestaltung der Regiomed-Struktur: Der Aufsichtsrat müsse als Gremium von der Gesellschafterversammlung getrennt werden. Es könne nicht angehen, dass die Gesellschafter ihre eigenen Beschlüsse im Aufsichtsrat selbst kontrollieren. "Eine solche Struktur ist schlicht bescheuert", sagte Eidt.

In seiner Rede am Mittwochabend ging Eidt auch auf den umstrittenen Anbau an den Bärenturm ein. Das geplante Gebäude sei "potthässlich" und würde das "einmalige Ensemble des neugotischen Altstadtrings" zerstören, schimpfte Eidt, der dieses Projekt auch in seiner Funktion als Vorsitzender der Gemeinschaft Stadtbild kategorisch ablehnt.

Eidt zeigte sich aber auch über den behördlichen Umgang mit diesem Projekt verärgert. "Über lange Zeit hinweg wurde die Planung hinter verschlossenen Türen behandelt", klagte der FDP-Stadtrat. Und nun schaffe es der Bausenat nicht, "klare Kante" zu zeigen. Zum einen solle die Genehmigung offenbar vor allem auch deshalb erteilt werden, weil der Investor schon so lange darauf warte. Zum anderen würde sich der Bausenat hinter dem Finanzsenat verstecken. Denn der Finanzsenat müsse demnächst darüber entscheiden, ob ein direkt angrenzendes Grundstück, das derzeit noch der Stadt gehört, an den Bärenturm-Eigentümer verkauft wird - ohne dieses Grundstück wäre der geplante Anbau nämlich nicht zu realisieren. "Das ist ein schwaches Zeichen", sagte Hans-Heinrich Eidt und bezeichnete den Bausenat spöttisch als "Kompetenzsenat".