Der Stuhl kracht. Die Lampe bricht zu Boden. Helmut Vorndran blickt herrlich verstört in die Landschaft. Die ist mit Vorndran-Fans bestens gefüllt, was den kabarettistischen Autor erst Recht zu dramatischer Ausdrucksgestaltung animiert. Die Premiere seines neuen Franken-Krimis "Das fünfte Glas" nimmt am Mittwoch im Gerätemuseum Ahorn gleich einen furiosen Auftakt. Die Chefin der einladenden Buchhandlung Riemann, Irmgard Clausen, hatte nichts anderes erwartet.

Wie immer bei Lesungen des ehemaligen TBClers braucht keiner auf Durchblick zu hoffen, was die Story um das schräge Bamberger Ermittlerduo Haderlein und Lagerfeld samt Ermittlerferkel Riemenschneider anbelangt. Schon gar nicht, wenn es sich bei der Buchvorstellung um den zweiten und abschließenden Teil von Helmut Vorndrans "Trilogie" handelt.

Die nahm letztes Jahr mit "Drei Eichen", verwirrenden Politbeziehungen, Genmanipulationen und Agrarkonzernen, ihren Auftakt. Haderlein und Lagerfeld blieben stecken in ihren Ermittlungen, rüde festgesetzt von dem Rödentaler Tankstellenbesitzer Wolfgang Friedrich. Jetzt liegen in der gelben Villa der Coburger Studentenverbindung Rhenania Bavaria fünf Gemeuchelte. Eine weitere Leiche befindet sich im Garten.

Den kriminalistischen Rahmen braucht's aber vor allem für die kunstvolle Verstrickung von immer neuen irrwitzigen Szenen. Die kostet der begnadete, von Einfällen geradezu geplagte Satiriker hemmungslos aus; dem Publikum bleibt nichts anderes, als sich eher früher als später fränkisch kaputt zu lachen. - Deshalb kommen die Leut' ja schließlich, um Vorndran live zu erleben, wie er in gewählten Worten die abstrusesten Situationen gänzlich ins Skurrile schraubt. Ob es nun allzu menschlich oder wie stets auch tierisch wird.

Diesmal gewährt Vorndran Einblick in den Stock einer neuen schwarzen Bienenspezies, Killerbienen. Eine korrekte Wächterin, Single mit Frustrationshintergrund, hat gerade von ihrem Begattungsflug erfolglos heimkehrenden Drohnen, diesen sexbesessenen Nichtsnutzen, den Rückzug ins All-inklusive-Hotel des heimischen Stammes auftragsgemäß verwehrt, als der ganze Stock zum tödlichen Angriff ausrücken muss.

Der Coburger Sänger kriegt wieder seinen haarsträubenden Auftritt. Der abtrünnige CSUler Manfred Zöder hat es tatsächlich geschafft, nach der erfolgreichen Loslösung Frankens von Bayern Ministerpräsident des neuen Bundeslandes zu werden. Was nicht ohne Albträume abgeht, von Vorndran genutzt zu einer weiteren genüsslichen Hasstirade auf die Haßfurther.

Haßfurther dürften verdampfen

Auf dem Marktplatz stehen die Trägerrakete des Typs "Allmächt 4" und Frankonaut Rudi Eck zum ersten fränkischen Marsflug bereit. Bedenken, gerade einem Haßfurther die Steuerung eines solchen Gerätes anzuvertrauen, wurden ignoriert. Der festliche Moment wird empfindlich gestört, als Ministerpräsident Manfred Zöder erfährt, dass beim bevorstehenden Raketenstart im Wohngebiet der gemeine Haßfurther in Sekunden verdampft sein dürfte.

Sonst noch Probleme? Jede Menge, nicht aber mit Helmut Vorndran als satirischen Frankenkrimi-Autor. Für nächstes Jahr hat er unter dem Titel "Habakuk" schon seinen nächsten skurrilen Galopp angekündigt.



Helmut Vorndran, geboren 1961 in Bad Neustadt an der Saale, lernte zunächst Schreiner und begann Sozialpädagogik zu studieren. Mit dem Totalen Bamberger Cabaret, das er 1984 mitbegründete, begann die Karriere Vorndrans, vielen auch als "Stöcker" bekannt. Daneben arbeitete Vorndran als Autor unter anderem für Antenne Bayern und das Baye rische Fernsehen. Er lebt in einer alten Mühle an der Itz in Rattelsdorf. Dort betreibt er einen Kanuverleih und vermietet Ferienwohnungen.

2009 erschien beim renommierten Emons Verlag in Köln sein erster Frankenkrimi "Das Alabastergrab". Innerhalb von neun Monaten wurden über 10 000 Exemplare verkauft, Rekord für einen fränkischen Lokalkrimi. "Das fünfte Glas" ist Vordrans fünfter Frankenkrimi.

Das Buch
Helmut Vorndran: Das fünfte Glas. Franken Krimi. Emons Verlag Köln, 300 Seiten, 10,90 Euro.

Weitere Auftritte Helmut Vorndran liest am Donnerstag, 3. Juli, um 19.30 Uhr in der Neustadter Buchhandlung Stache aus seinem neuen Roman. Am 10. Juli um 19 Uhr ist er dann im Jagdschloss von Bad Rodach zu Gast.