von unserer Mitarbeiterin Stefanie Karl

Seine Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf: "Das ist wie am Flughafen, früh um 5 Uhr, wenn alle nacheinander eintrudeln und so langsam in die Gänge kommen", charakterisiert Friedhelm Wölfert, Vorsitzender des Heimatvereins Heldritt, die Stimmung in den zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung des diesjährigen Märchens "Abenteuer aus dem Dschungelbuch" auf der Waldbühne.

Dabei sind viele kleine und große Handgriffe im Vorfeld nötig, um dem Publikum am Ende eine rundum gelungene Aufführung präsentieren zu können: Die Requisiten wie etwa gewichtige Palmen, blütenverzierte Lianen und nicht zuletzt die blutigen Knochen für die Wolfsfamilie müssen richtig platziert und ins Szene gesetzt, die Schauspieler und Ballettdamen rechtzeitig und detailgetreu geschminkt werden. Bei gut 30 Darstellern, die alle nach und nach im Schminkzimmer bei den drei Maskenbildnerinnen eintreffen, ist das keine leichte Aufgabe; rasches und sicheres Arbeiten ist gefragt. "Alle Akteure müssen in irgendeiner Tierart geschminkt werden und wir haben ja auch Doppelbesetzungen", erklärt Alexandra Morgenroth, die im Stück den Wolfspapa mimt. Die ersten Schauspieler müssen deswegen auch schon eineinhalb Stunden vor Beginn der Vorstellung ins Schminkzimmer.

Die Technik verfeinert

Siglinde Ritz, seit über 40 Jahren an der Waldbühne in der Maske tätig, nimmt den Trubel gelassen. Die nötigen Handgriffe für den richtigen Pinselschwung hat sie sich bei einer professionellen Maskenbildnerin vom Landestheater Coburg abgeschaut und im Laufe der Jahre immer mehr verfeinert. Damit führt sie auch zugleich ein Stückchen Familientradition weiter: "Schon mein Papa hat hier geschminkt", erzählt die 69-Jährige nicht ohne Stolz. Überhaupt: Die Waldbühne liegt der Familie im Blut - Tochter Kerstin (Baghira) und Enkelin Charlotte (Mogli) gehören ebenfalls zum Ensemble.

Keinerlei Nervosität

Und was ist mit Lampenfieber? Das kennen die Laiendarsteller der Waldbühne offensichtlich nicht. "Nö, hab' ich nicht, ich bin da schon dran gewöhnt", meint etwa die sieben jährige Anna Baumgärtner (Wolfskind III), die schon in der letzten (Märchen-)Saison als Zwerg auf der Bühne stand. Ihre Schauspielkollegin Tina Morgenroth (Wolfskind II) ist der gleichen Ansicht, auch wenn sie in diesem Jahr mit ihren sechs Jahren zum ersten Mal Bühnenluft schnuppert. "Es ist schon ganz gut, wenn man als Erstes mit auf die Bühne muss, dann hat man keine allzu lange Wartezeit, und sobald der erste Satz gesprochen ist, läuft's und die Angst ist weg", verrät Kerstin Ritz, die in diesen Tagen gleich zweimal pro Woche in fremde Rollen schlüpft. An den Wochenenden wirkt sie auch im Lustspiel "Thomas auf der Himmelsleiter" mit.

Woher also auch einen Grund für Nervosität nehmen? Denn ganz offensichtlich gibt es einen solchen überhaupt nicht: "Bei uns geht es immer locker und lustig zu, es gibt immer etwas Neues", sind sich Charlotte Ritz (Mogli, 13 Jahre), Anika Schneider (Affe, 11 Jahre) und Filomena Kaim (Affe, 11 Jahre) einig und finden vor der Vorstellung noch Zeit für einen gemütlichen Plausch im Schatten, Cola und Pizza inklusive. Petra Vinzelberg, Wolfsmama und noch ein "Frischling" unter den Darstellern, schließt sich dem an: "Der Trick ist, nicht auf das Publikum zu schauen und in der Szene, in der Rolle zu bleiben." Nach der Premiere, da laufe es ohnehin wie von selbst.
Je näher der Vorstellungsbeginn um 15 Uhr jedoch rückt, um so mehr Trubel bricht aus. Im Schminkzimmer wird es eng und angesichts der hochsommerlichen Temperaturen sinkt auch die Begeisterung, die kuschelig-plüschigen Fellkostüme anzuziehen. "Es ist furchtbar, aber es nützt ja nichts", lacht Petra Vinzelberg, die in der Wolfshöhle wohl ordentlich ins Schwitzen kommen wird. "Wenn man da rauskommt, fühlt man sich wie dreimal geduscht."

Hochkonzentriert

Kurz vor dem Vorstellungsbeginn sind dann alle hochkonzentriert: Mit einem (geheimen!) Schlachtruf motivieren sich die Schauspieler gegenseitig, dann geht jeder auf seinen Platz - durch einen Hinterausgang der Blockhütte, durch den Wald, über Schleichwege und Steintreppen, um dann von hinten auf die Bühne zu gelangen. Wer nicht gleich zu Beginn dran ist, muss in der Hütte auf seinen Einsatz warten; kein Zuschauer darf die Kostüme vorab sehen und durchs Fenster wird gespannt kontrolliert, ob sich auch wirklich kein Waldbühnengast mehr im Gastronomiebereich befindet. Per Telefon kommen die letzten Anweisungen von der Technik: Sind alle Mikros an? Kennt jeder seinen Text? - Aber sicher, schließlich sind hier Vollblutschauspieler am Werk.


Das "Dschungelbuch" und seine Termine:


Ausverkauft Keine Karten mehr gibt es für die Vorstellungen am 11. Juli (Freitag), 16. Juli (Mittwoch) und 20. Juli (Sonntag).

Dienstags-Termine 17. Juni, 24. Juni, 1. Juli, 8. Juli, 15. Juli und 29. Juli - Beginn ist jeweils um 15 Uhr.

Mittwochs-Termine 18. Juni, 25. Juni, 2. Juli und 23. Juli - Beginn ist jeweils um 15 Uhr.

Kontakt
Karten für alle Vorstellungen auf der Waldbühne Heldritt können montags bis freitags jeweils von 9.30 bis 11.30 und 17 bis 19 Uhr unter der Telefonnummer 09564/800441 vorbestellt werden. Die Geschäftsstelle in Heldritt (Hauptstraße 9) ist während der telefonischen Erreichbarkeit geöffnet. Bestellungen per Mail sind unter waldbuehne23@t-online.de jederzeit möglich.