Einige Coburger Handwerksinnungen wollen vor Gericht durchsetzen, dass das Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) der Handwerkskammer in Coburg erhalten bleibt. Denn die Handwerkskammer Oberfranken will es mittelfristig schließen - erste Teile 2025, die Bauhalle 2030. Stattdessen soll in Bamberg ein neues BTZ zur überbetrieblichen Lehrlingsausbildung errichtet werden.

In Coburg könne dafür ein neuer "Innovativer Lernort" entstehen, hatte Handwerkskammerpräsident Thomas Zimmer bei der Vollversammlung der Handwerkskammer am 1. Juli angekündigt. Vorausgegangen waren Vorgespräche mit Politikern und der Präsidentin der Hochschule Coburg. Bei der Vollversammlung sei einstimmig beschlossen worden, dass die Handwerkskammer mit der Stadt Bamberg Grundstücksverhandlungen für ein neues BTZ führen solle und gleichzeitig "in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft Coburg ein langfristig tragfähiges und finanzierbares Konzept für den Standort Coburg" entwickelt werden sollte.

"Lernort" als Alternative?

Eine Klage gegen die BTZ-Schließung stand freilich damals schon längst im Raum. Am 10. Juli schlug der Coburger Kreishandwerksmeister Jens Beland der Kammer vor, in der ersten Oktoberhälfte ein Gespräch anzuberaumen, bei dem die Kammer ein "schlüssiges und tragfähiges Konzept" für das Coburger Handwerk vorlegen solle. Bis dahin würden die Coburger Handwerkskollegen mit einer Klage warten.

Anfang August fand ein Treffen von Mitgliedern der Kammergeschäftsführung mit Vertretern des Coburger Handwerks statt, darunter auch Bau-Innungsobermeister Eberhard Hauck. Der erklärte bei dieser Gelegenheit erneut, dass sich seine Innung die Klage vorbehalte, allerdings erst nach dem 15. Oktober. Bis dahin sollte das Konzept dem Coburger Handwerk vorgestellt werden. Danach erst sollten weitere Gespräche mit der Hochschule Coburg geführt werden. Denn der"Innovative Lernort" soll am Güterbahnhof angesiedelt werden, nahe der "Creapolis" der Hochschule im ehemaligen Schlachthof. Ein Grundstück hat die Handwerkskammer dort nicht.

Die Projektskizze "sieht "ein bundesweites Modellprojekt zur Verzahnung von akademischer und beruflicher Bildung am Beispiel des Handwerks in Coburg" vor, teilt die Kammer mit. Bestandteile der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) und Räumlichkeiten für die Innungen und die Kreishandwerkerschaft seien darin "selbstverständlich" enthalten. Die Projektskizze sei überdies in die Vorschlagsliste des Wirtschaftsministeriums für die nächste Runde der "High-Tech-Offensive Bayern" aufgenommen und an die Staatskanzlei übermittelt worden.

Was sagt der Fusionsvertrag?

Präsidium und Geschäftsführung der Handwerkskammer Oberfranken verwahren sich gegen den Coburger Vorwurf, sie seien nicht auf die hiesigen Handwerker zugegangen. Die Chronologie der Ereignisse zeige, dass man "intensiv an einer einvernehmlichen Lösung mit den Coburger Innungen und der Coburger Kreishandwerkerschaft arbeitet".

So gibt sich denn die Handwerkskammer zuversichtlich, dass die Klage den Neubau des BTZ in Bamberg nicht verhindern kann. Doch ausschließen will sie es offenbar nicht: "Es wäre ein schwerer Schlag für alle oberfränkischen Handwerker, wenn die Verbesserung der Ausbildungsinfrastruktur in ganz Oberfranken für Jahre blockiert wäre", erklärt Handwerkskammerpräsident Zimmer.

Die Coburger Innungen und einige Ausbildungsbetriebe stützen ihre Klage auf Erhalt des BTZ auf eine Vereinbarung aus dem Fusionsvertrag der damaligen Handwerkskammer Coburg mit der für Oberfranken aus dem Jahr 2001: Das Coburger BTZ muss in gleicher Weise erhalten werden wie die drei anderen in Oberfranken.

Knut von Berg, Ehren-Obermeister der Bauinnung Coburg, nennt die Bemühungen der Kammer im den "Innovativen Lernort" "Vernebelungstaktik". Deshalb habe man sich jetzt zur Klage entschlossen. Die Klage sollte am Montag nach Bayreuth gefaxt und am Dienstag per Einschreiben verschickt werden.