Bauhofmitarbeiter Oliver Fischer wird in die Grüber Ortsgeschichte eingehen. Er war es, der gestern das Wahrzeichen des Ortes, eine wohl weit über 200 Jahre alte Kiefer, gefällt hat. Ein Schritt, um den der Gemeinderat seit Jahren gerungen hatte.

Immer wieder wurde die Galgenfrist verlängert. Doch das jüngste Gutachten eines Fachmannes ließ Bürgermeister Jürgen Wittmann (GfG) und dem Gemeinderat keine Wahl. "Mir blutet das Herz, das ist keine schöne Entscheidung zu Beginn meiner Amtszeit als Bürgermeister", sagt er. Doch die Sicherheit sei nicht mehr gegeben.



Viele Grüber sind gekommen, um mitzuerleben, wie der Baum gefällt wird. Manfred Fechner findet: "Es ist heute ein trauriger Tag für die Grüber." Er kennt den Baum, seit er als Kind mit seinen Eltern aus Schlesien nach Grub kam. "Ich hab' als Vierjähriger im Schatten der Kiefer gespielt", erinnert er sich. An einem der tiefen Äste, die der Baum damals noch hatte, war eine Schaukel befestigt, sagt er. Der Stamm sei immer einer der Torpfosten gewesen, wenn er mit seinen Freunden später zum Bolzen auf die Wiese an der Kiefer ging. Aber er sieht ein: "Die Sicherheit geht vor."

Eben diese Sicherheit gab es nicht mehr. Die Schallmessungen, die der Gutachter gemacht hatte, zeigten einen in Bodennähe im Inneren von einem Pilz völlig zerstörten Stamm. Ähnlich der Befund in 90 Zentimeter Höhe. Unterhalb der Krone zeigte sich sogar, dass der Stamm auf einer Seite bereits bis nach außen geschädigt war. "Wir haben einen Zugtest machen lassen", erklärt Jürgen Wittmann. Der Baum hätte bis zu einer angelegten Last von drei Tonnen, keine Anzeichen von Schwäche zeigen dürfen. Wittmann: "Bei 1,9 Tonnen haben wir abgebrochen, weil es aussah, als ob er gleich fällt."

Innen schon morsch
Dass der Baum noch jede Menge grüner Nadeln hatte, ließ Bürger an dem Urteil des Fachbetriebes zweifeln. Doch nachdem Oliver Fischer den Stamm gekappt hatte, waren wohl alle Zweifel hinfällig. Mit bloßen Händen konnte der Stamm ausgehöhlt werden. Dieter Pillmann wünschte sich ein paar Scheiben des Stammes für den Bürgerverein in Grub. "Wir würden gern mal herausfinden, wie alt er wirklich war und die Scheiben dann aufbewahren", sagt er. Ob sich so viel vom Stammholz noch verwenden lässt, um eine Ruhebank daraus zu bauen, wie es der Verein angekündigt hat, ist ungewiss. Aber versuchen wollen es die Grüber auf jeden Fall.

Die Sache mit dem Wahrzeichen
Wie es kam, dass die Waldkiefer zu einem Wahrzeichen des Ortes wurde, erzählt Altbürgermeister Günther Kolb. "Der Baum soll am Rand des Bucher Forstes gestanden haben, als der bis fast nach Grub reichte. Zur Erinnerung an die alte Waldgrenze ließ man ihn stehen", berichtet er, was erzählt wird. Wann der Forst genau abgeholzt wurde, ist heute nicht genau in Erfahrung zu bringen. Sollte der Baum aber am Rand dieses Waldgebiets gestanden haben, und damals schon ein so markanter Riese gewesen sein, dass er stehen gelassen wurde, dann reichen 200 Jahre wohl nicht als Altersangabe. In einer Chronik aus dem Jahr 1914 wird die Kiefer schon als "alter, schöner, weithin sichtbarer Baum" erwähnt. Da stand er auch noch frei, denn die Bebauung in der Lichtenfelser Straße kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als unter anderem Flüchtlingsfamilien dringend Wohnraum brauchten.

Dass die Kiefer das Gemeindewappen von Grub ziert, wie behauptet wurde, stimmt allerdings nicht. "Der Baum im Wappen ist eine Fichte", stellt Bürgermeister Jürgen Wittmann klar. Ihm ist die Erleichterung anzumerken, als er den Stamm des gefällten Baumes untersucht und feststellt: "Der Gutachter hatte Recht. Da war nichts mehr zu retten."

Der kleine Spielplatz, auf dem die Kiefer stand, ist jetzt nicht mehr gesperrt. Als vor kurzem eines der Haltebänder riss, das einen der Äste des Baumes sichern sollte, hatte Wittmann die Sperrung angeordnet und das Gutachten in Auftrag gegeben. Die Entscheidung zum Fällen hatte der Gemeinderat am Montag einstimmig getroffen. Ganz ohne Kiefer steht Grub übrigens deswegen nicht da. Als vor einigen Jahren abzusehen war, dass der alte Baum nicht mehr viele Jahre haben würde, hat der Bürgerverein bereits einen neuen gepflanzt. Der muss allerdings noch wachsen, ehe er als Wahrzeichen des Ortes gelten kann.