Wenn sich in den Straßen und Gassen der Altstadt plötzlich Ritter, Landsknechte und weitere mittelalterlich gewandete Gestalten tummeln, wenn unzählige Besucher an den aufgereihten Verkaufsständen entlang flanieren oder sich an den zahlreichen Biergartentischen niederlassen, dann lädt Seßlach wieder zum Altstadtfest.

Unzählige Besucher aus nah und fern ließen sich am Wochenende die Zeitreise mit vielen Einkaufs-, Unterhaltungs- und Einkehrmöglichkeiten in der historische Altstadt nicht entgehen. Immer umfangreicher und beliebter wird das Lagerleben nahe der Seßlacher Mittelschule. Die Gruppe Armoricum gaudii aus Neustadt/Aisch schlug hier zum ersten Mal ihre Zelte auf. "Wir könnten jederzeit wiederkommen", zeigte sich Lena Herzog begeistert. Ihr gefielen die vielen gut erhaltenen Fachwerkhäuser ebenso wie die ganze Stimmung in der Stadt. "Orient trifft Okzident", das Motto der Gruppe, sei gerade heute aktuell, meinte ihre Mitstreiterin Elisabeth, der an einer friedlichen Koexistenz der Religionen gelegen ist: "Christen und Muslime haben nicht immer gegeneinander gekämpft", betonte sie.

Mittelalter-Fan

Wie Herzog finden die Briegers aus Neustadt bei Coburg, dass der mittelalterliche Teil des Fests noch größer sein könnte. Tochter Melina, selbst Fan dieser Epoche, hielt vergebens Ausschau nach Ständen für ein neues Kostüm oder passendes Zubehör. "Die Altstadt ist dafür doch wie gemacht", ergänzte ihr Vater Hans-Joachim. Heinrich Vay war aus Burgwindheim verkleidet als Zisterziensermönch angereist. "Ich bin fasziniert von dieser Stadt", sagte er. Bernd Nigbur versorgte sich gerade an der "Schänke", um mit seiner Frau die von "Fremitus" dargebotene mittelalterliche Marktmusik (Hadamar) mit Dudelsack und Schlagwerk zu verfolgen. Dazu tanzte "Varisha" aus Tambach. "Authentisch" wirke die ganze Szenerie, meinte der Sonneberger, "auch wenn wir das Mittelalter ja nicht erlebt haben."

Als Höhepunkt des inzwischen dreitägigen Treibens erwies sich am Sonntag erneut der historische Festumzug mit Böllerschießen und anschließendem Bieranstich an der Bühne auf dem Maximiliansplatz. Flankiert von Bürgerwehr und Rittern flanierte Bürgermeister Martin Mittag (CSU) gemeinsam mit Ehrengästen wie Landrat Michael Busch (SPD) durch die Altstadt und um die halbe Stadtmauer. Teilnehmer wie die Landsknechte zu Merchingen, die Musketiere aus Höchstadt/Aisch, Armoricum gaudii aus Neustadt/Aisch, Mönche vom Georgenberg, Kaufleute aus Bad Staffelstein, Erlebnisfalkner aus Tambach, Heimatvereine aus Rödental und Altenstein, Ritter zum Heiligen Kreuz zu Coburg, Ferus Franconia aus Bayreuth oder die Seßlacher Stadtführer sorgten für viel mittelalterliches Flair.

Über 200 Mitwirkende

"Dabei wird für mich Geschichte vergangener Epochen lebendig", schwärmte Seßlachs Tourismuschefin Carolin Franz, die auch für das Großevent verantwortlich ist. Stolz verwies Franz auf über 200 Mitwirkende, in prächtigen wie fantasievollen Kostümen. Mit Spannung erwarteten die zahlreichen Zuschauer, welche Persönlichkeit Ritter Heinrich zu Geiersberg (alias Heinz Winkelmann) dieses Mal symbolisch in den Ritterstand erheben würde. Die Ehre wurde Hans Reitzammer zuteil, dem Marktmeister des Lagerlebens.

Reges Marktgeschehen

Dort begegneten Zaungäste nicht nur Rittern und Edeldamen, Gauklern und Spielmännern. Sie durften sich dazu auf Bogenschießen, Tanzvorführungen, Ritter-Schaukämpfe, mittelalterliche Musik sowie Feuer- und Greifvogelshows freuen. Für reges Marktgeschehen sorgten der private Flohmarkt am Samstag und ein Gewerbemarkt am Sonntag. Währenddessen hatten die jüngsten Besucher die Qual der Wahl: Sie konnten lernen, Haarkränze oder Gürtel zu flechten, einen Schatz suchen, historische Brettspiele ausprobieren, Lagerfeuerliedern und Geschichten lauschen, dem Kasperle zuschauen oder sich schminken lassen. Wer aufmerksam beim "Nesteln" zuschaute, vermochte obendrein, nun selbst Schnürbänder herstellen.

Der offizielle Startschuss des Festes fiel bereits am Samstag, als der Bürgermeister um 11 Uhr die Bühne am Maximiliansplatz betrat. Daran schloss sich - das war neu - ein Weißwurst-Essen an. Für musikalische Unterhaltung sorgten am Samstag die Blaskapellen Neundorf und Oberelldorf und die Party-Band "Obacht" auf der Festbühne sowie "Age before Beauty" in der Kulturscheune des Pörtnerhofs. Am Sonntag spielten die Stadtkapelle Seßlach, die Autenhaus'ner Musikanten und zum Festausklang "Late Night" auf.

Heißer Auftakt für die Sportler

Fast zu heiß war es den Läufern beim Altstadtlauf, der nach zweijähriger Pause erneut auf dem Festprogramm stand. Erstmals als Abendlauf, zum Auftakt am Freitag. An die 30. Auflage schloss sich eine "After Run Party" mit DJ Caruso an, die allerdings mit Regen begann. Dass der Lauf vermisst worden war, zeigte die große Resonanz: Über 220 Laufbegeisterte der Region hatten sich angemeldet, über 90 für den A-Lauf über zehn Runden. Wer es ruhiger angehen lassen wollte, begnügte sich mit vier Umläufen. Zum Auftakt durften die "Bambinis" ein Mal um die alte Stadtmauer sausen.

Für die Organisationschefin hat das Altstadtfest in ihrer Heimatstadt Seßlach "etwas Faszinierendes". Franz hebt die "Liebe zum Detail bei allen Beteiligten" sowie "eine magische Einheit in der Vorbereitung und Umsetzung" des Fests hervor. Ihr Wunsch, dass viele Besucher die Gelegenheit zur Teilnahme "an einem der schönsten Feste der Region, noch dazu in unvergleichlicher Kulisse" wahrnähmen, sollte in Erfüllung gehen, zumal das Wetter ebenfalls fast immer mitspielte.