Das Coburger Publikum fällte sein Urteil schon nach dem zweiten Stück eines kontrastreichen Abends. Bereits nach Zoltán Kodálys "Tänzen aus Galánta" feierten die Zuhörer im Landestheater Gastdirigent Harish Shankar mit heftigem Beifall und einigen Bravo-Rufen.

Als erster von drei Aspiranten für die Nachfolge von Generalmusikdirektor Roland Kluttig gab Shankar seine künstlerische Visitenkarte ab - auf eindringliche und beeindruckende Weise.

Vielseitiges Programm

Die Ausgangslage für den 35-jährigen Shankar war in jedem Fall anspruchsvoll. Denn in nur wenigen Proben musste er ein vorgegebenes Programm einstudieren, das bewusst anspruchsvoll und vielseitig gehalten war - ein regelrechtes Prüfungsprogramm, bei dem der Dirigent in kurzer Zeit nicht nur eine stilistisch vorsätzlich kontrastreich angelegte Vortragsfolge sorgfältig vorzubereiten hatte, sondern zugleich ein Orchester kennenlernen und ihm seine gestalterischen Vorstellungen überzeugend vermitteln musste.

Enescu zum Autftakt

Schon das einleitende "Prélude à l'unisono" aus der 1. Orchestersuite C-Dur von George Enescu ließ aufhorchen. Hochkonzentriert und klanglich sehr homogen spielte das nur durch Pauken ergänzte Streichorchester. Bemerkenswert, wie konzentriert die Musiker Shankars Dirigat folgten.

Das galt dann auch ganz besonders in Kodálys "Tänzen aus Galánta", die eine agogisch sehr freie Gestaltung erfordern. Hier beeindruckte, wie überzeugend es Harish Shankar gelang, diese Freiheit in rhythmischen Übergängen und bei den zahlreichen Tempoveränderungen hörbar werden zu lassen.

Auch hier folgte das Philharmonische Orchester seinem Dirigat mit höchster Konzentration und großer Klangkultur. Stets klar und präzis in der Gestik, dabei effizient in den Mitteln - so vermittelte Shankar seine interpretatorischen Vorstellungen, die zudem stets ein klares stilistisches Gespür erkennen ließen.

Das galt auch für das Trompetenkonzert Es-Dur von Joseph Haydn, das Shankar mit geschärften Konturen und klanglich gut ausbalanciert musizieren ließ. Damit bereitete er dem Solisten des Abends sehr umsichtig das Podium. Markus Riepertinger, seit 2011 Solotrompeter des Philharmonischen Orchesters, brillierte in Haydns Konzert ebenso mit technischer Souveränität wie mit gestalterischer Sorgfalt und einem Trompetenton, der Glanz mit Abrundung des Klangs verband. Klar, dass Riepertinger vom Publikum wie von seinen Orchesterkollegen gefeiert wurde.

Gespür für Schuberts Tonfall

Zum Abschluss nach der Pause folgte Franz Schuberts 6. Symphonie C-Dur, die oft als "kleine" C-Dur-Symphonie tituliert wird. Hier bewies Shankar, dass er für Schuberts spezifischen Tonfall, für die überraschenden harmonischen Eintrübungen ein feines Gespür besitzt. Verständlich allerdings, dass vielleicht noch nicht jede klangfarbliche Nuance im Wechselspiel von Holzbläsern und Streichern zu entdecken war.

Schließlich sind die akustischen Bedingungen auf der Coburger Bühne unter Konzertbedingungen gerade in dieser Hinsicht ausgesprochen heikel.

Mit großer Präzision musiziert

Angesichts der besonderen Vorzeichen dieses Konzert-Dirigats unter Prüfungsbedingungen aber beeindruckte, wie spannungsvoll und doch innerlich gelöst Harish Shankar diese viersätzige Symphonie musizieren ließ.

Auch bei Schuberts Symphonie übersetzte das sehr engagiert agierende Orchester seine gestalterischen Vorstellungen mit großer Präzision - klangvoller Ausklang eines sehr vielversprechenden Coburg-Debüts.

Ein ausführliches Interview mit dem Dirigenten Harish Shankar zu seinem Debüt am Landestheater Coburg finden Sie hier.

Was vom künftigen GMD erwartet wird

In der Ausschreibung für die Nachfolge von Roland Kluttig als Generalmusikdirektor (GMD) am Landestheater Coburg sind klare Anforderungen benannt, die die Aspiranten zu erfüllen haben.

Wichtiger Bestandteil ist das Bekenntnis zur Musikvermittlung: "Ein ausgeprägtes Engagement im Bereich der Musikvermittlung sowie die Fortführung und Weiterentwicklung der Neuen Musik sowie attraktiver Konzertformate und - inhalte werden erwartet."

Damit freilich nicht genug. Der Kluttig-Nachfolger ist auch über das Dirigieren von Konzerten und Theateraufführungen hinaus als Orchesterleiter gefordert. Wörtlich heißt es in der Ausschreibung: "Gesucht wird eine profilierte Persönlichkeit, die über weitreichende Erfahrungen im Konzertbereich und Musiktheater verfügt. Dabei sind soziale Kompetenzen wie Verhandlungs- und Vermittlungsgeschick, Informations- und Kommunikationsstärke und Integrationskraft von Bedeutung. Erfahrungsgemäß sind sehr gute Deutschkenntnisse für die Arbeit im Personalbereich, insbesondere im Konfliktmanagement und bei der Akquise von Sponsoren, unerlässlich. Es besteht Residenzpflicht."

Rund um die Coburger GMD-Suche

Harish Shankar In der Spielzeit 2018/2019 debütierte Harish Shankar beim Gärtnerplatztheater München, dem Theater Erfurt, den Düsseldorfer Sinfonikern und dem Royal Scottish National Orchestra. Als Dirigierassistent hat er eng mit vielen namhaften Dirigenten wie Sir Andrew Davis, Vasily Petrenko, Eckehard Stier und Juanjo Mena zusammengearbeitet. Nach seinem ersten Dirigierstudium bei Prof. Eiji Oue an der Musikhochschule Hannover folgte er einer Einladung nach Peru, wo er als Chefdirigent des preisgekrönten El-Sistema-Projekts in Peru fungierte. Während seiner Zeit in Peru dirigierte Harish Shankar eine Vielzahl klassischer und genreübergreifender Konzerte mit der Absicht, auf eine schnell wachsende Klassikszene im Lande einzugehen und durch Musik Jugendliche verschiedener Gesellschaftsschichten zusammenzubringen. Harish Shankar ist Preisträger des 6. internationalen Jorma Panula Dirigierwettbewerbs.

GMD-Suche Noch zwei weitere Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge Roland Kluttigs als Generalmusikdirektor am Landestheater Coburg. Daniel Carter dirigiert eine Aufführung von "Carmen" am 13. November (19.30 Uhr) sowie das Concertino am 16. November (11 Uhr) und die Sinfoniekonzerte am 17. November (18 Uhr) und 18. November (20 Uhr). Moritz Gnann dirigiert am 22. Oktober "Carmen" sowie am 14. Dezember das Concertino (11 Uhr) und am 15. Dezember (18 Uhr) und am 16. Dezember (20 Uhr) das Sinfoniekonzert. Vorverkauf Tickets gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle, Hindenburgstraße 3 a.red