Seit Jahren fühlt sich Dieter Kahnert aus Neustadt als Rufer in der Wüste, wenn er mahnt, einer Pflanze den Garaus zu machen, die sich inzwischen immer weiter ausbreitet, dem Riesenbärenklau. Aktuell stieß Kahnert auf eine große Fläche am Ufer der Steinach, die von der attraktiven aber eben nicht ungefährlichen Pflanze erobert wurde.

"Seit sechs Jahren mache ich immer wieder auf das Problem aufmerksam, aber passiert ist nicht viel", sagt Kahnert und resigniert. "Jetzt bin ich 72, ich habe getan was ich konnte. Jetzt sollen sich andere darum kümmern, ich mag nicht mehr." Ganz vergeblich waren seine Bemühungen dabei gar nicht. Die Sensibilität in den Kommunen ist gewachsen. Vor allem, wo Kinder mit der Pflanze in Berührung kommen können, die zu Verätzungen der Haut und schweren Reizungen der Atemwege führen kann, wird Heracleum giganteum konsequent beseitigt. Doch Dieter Kahnert ist das zu wenig. "Es müsste eine Meldepflicht her, und eine Verpflichtung für die Grundeigentümer, die Pflanze zu beseitigen", fordert er.

Schlechte Erfahrungen


Dass er sich so engagiert, hat einen guten Grund. Als diplomierter Gartenbauingenieur war er 25 Jahre Leiter der Stadtgärtnerei in Wiesbaden. Aus dieser Region weiß er, wie verzweifelt der Kampf werden kann, wenn mit der Bekämpfung der Pflanze, die einst als Parkpflanze aus dem Kaukasus eingeschleppt wurde, zu lange gewartet wird. "Jede Pflanze hat 10.000 Samen und der bleibt zehn Jahre keimfähig", gibt er zu bedenken. Außerdem wird der Samen gern von Vögeln gefressen, die dann zur weiten Verbreitung des Heracleum beitragen. Tatsächlich lassen sich rund um den Bestand an der Steinach in einigem Abstand einzelne Pflanzen im Uferbewuchs ausmachen - Keimzellen neuer wuchernder Bestände, wie Dieter Kahnert befürchtet.

"Ausrotten lässt sich der Riesenbärenklau bei uns sicher nicht mehr", bestätigt auch der Biologe Frank Reißenweber, der am Landratsamt Coburg für Arten- und Biotopschutz zuständig ist. "Aber es ist unbedingt sinnvoll, sie zu beseitigen, wo es geht."


Bei Sonnenlicht drohen Verbrennungen



Vor allem Kinder sollten auf die leicht zu erkennende Pflanze aufmerksam gemacht und vor ihr gewarnt werden. Bei der Berührung sondern Blätter und Stängel photosensibilisierende Substanzen aus, sogenannte Furanocumarine ab. Auf der Haut sind sie zunächst unangenehm. Bei Einwirkung von Sonnenlicht jedoch können sie zu schmerzenden Quaddeln und bis zu Verbrennungen führen, die als Photodermatitis bezeichnet werden und schwer heilen.



Steckbrief eines Neophyten



Herkunft: Riesenbärenklau stammt ursprünglich aus dem Kaukasus.
Erscheinungsbild: Die bis zu drei Meter (und mehr) hohe Pflanze wächst sehr schnell. Die Blätter werden normalerweise etwa einen Meter lang, die Blüten können einen Durchmesser von bis zu einem halben Meter erreichen.
Standorte: Der Riesenbärenklau liebt stickstoffhaltige Böden, ist sonst aber eher anspruchslos. Er blüht nur, wenn er genug Sonnenlicht erhält.
Einführung: Heracleum giganteum wurde vor allem im 19. Jahrhundert in Parks und Ziergärten gezielt angepflanzt, eroberte aber von da auch rasch weite Gebiete.
Verbreitung: Heute ist der Riesenbärenklau praktisch in ganz Europa anzutreffen. Straßenränder, Brachen und Flusstäler gehören zu den häufigen Standorten, an denen er anzutreffen und kaum wieder zu beseitigen ist.

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