Monika Leonhardy lebt von ihrer Mutter 500 Kilometer entfernt - und doch ist sie ihr täglich so nah. "Wir telefonieren drei bis vier Mal am Tag", erzählt sie, "das schafft Nähe und Vertrauen". Monika Leonhardy ist 51 Jahre alt, lebt in Bad Rodach und arbeitet im Kunden-Service-Center von Jako-o und Qiéro. Ihre Mutter ist 75 Jahre alt und allein lebend. Sie hat gesundheitliche Probleme, leidet an Herz-Rhythmus-Störungen und nicht nur das, "ich befürchte, dass sich schon eine leichte Demenz abzeichnet", sagt Monika Leonhardy schweren Herzens. Job und Familie halten sie in Bad Rodach. Aber der "heiße Draht" nach Oldenburg zur Mutter funktioniert zuverlässig. "Ich kann ihr am Telefon durchgeben, welche Tabletten sie nehmen muss."

Seit vergangenem Herbst kann Monika Leonhardy im Umgang mit ihrer Mutter noch mehr. "Wenn sie Panik oder Angst bekommt, machen wir jetzt Atemübungen durchs Telefon". Aber nicht nur das, Leonhardy weiß jetzt auch, wie man einen Antrag auf Pflegeversicherung richtig ausfüllt und auf Nachhaken auch eine Klobrille mit Griffen bekommt. Sie hat ein Pflegeseminar besucht, das ihr durch ihren Arbeitgeber, die Haba-Firmenfamilie, zu der Jako-o gehört, ermöglicht wurde.

In Kooperation mit der Awo Coburg bietet das Bad Rodacher Unternehmen (ebenso wie Brose und die HUK Coburg) regelmäßig Kompakt-Pflegeseminare an: "Wir möchten unsere Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie so gut es geht unterstützen", erklärt Christine Vollmer, Personalleiterin der Haba-Firmenfamilie. "Wir wissen, dass es nicht immer nur um Kinder geht. Immer mehr Menschen werden mit Krankheiten im familiären Umfeld konfrontiert und müssen sich um ihre Angehörigen kümmern." Dieser Einsatz für die Mitarbeiter ist einer der vielen Punkte, warum die Haba-Firmenfamilie kürzlich bereits zum vierten Mal als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert wurde.

Haba ein Vorreiter in Oberfranken


Bereits 2003 hat die Haba-Firmenfamilie als erstes Unternehmen in Oberfranken das Zertifikat "audit berufundfamilie" erhalten. Bei dieser Auszeichnung geht es natürlich auch um flexible Arbeitszeiten, aber auch generell um das Verständnis für eine Situation, in der sich ein Mitarbeiter befinden kann.

"Einmal, da habe ich auf der Arbeit die Nachricht erhalten, dass meine Mutti ins Krankenhaus müsse", erinnert sich Monika Leonhardy. "Sofort hat mir meine Vorgesetzte freigegeben und Dienste umgeplant. Dieses Mitgefühl weiß ich sehr zu schätzen". Monika Leonhardy hat unterschiedliche Dienstzeiten, da das Service-Center von Montag bis Samstag von 7 bis 24 Uhr erreichbar ist. Ihre Teilnahme am Kurs, der an drei Abenden stattfand, wurde bei der Schichtplanung berücksichtigt.

"Die Referentinnen des Kurses waren der Hammer", resümiert Monika Leonhardy voller Begeisterung, "wir haben so viele Hilfestellungen bekommen und so viel Zuspruch." Mit Kollegin Sybille Biebel, die auch beim Seminar dabei war und ebenfalls im Kunden-Service-Center von Jako-o arbeitet, hat sie im Kurs gelernt, bei aller Aufopferung "auch mal Zeit für sich selbst zu haben". Im Austausch mit anderen Teilnehmern konnten die beiden Frauen viel für ihren Alltag mitnehmen. "Ich habe Mut bekommen, bei der Ablehnung einer Pflegestufe Widerspruch einzulegen", erzählt Sybille Biebel. "Wie ich im Seminar hörte, werden wohl die meisten Anträge erst einmal abgeschmettert". Sybille Biebel hat teilgenommen, weil sie mehr über den richtigen Umgang mit ihrem Vater lernen wollte, der im Heim lebt. Ihre Mutter war kurze Zeit vor Beginn des Pflegeseminars an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben.

Monika Leonhardy und Sybille Biebel wissen, wie schwer es ist, sich einzugestehen, dass die Eltern krank und schwach werden. "Immer waren sie einem eine Stütze, jetzt ist es andersrum: Wir stützen sie". Leonhardy sagt, ihre Mutter habe sich mit ihren 75 Jahren optisch noch sehr gut gehalten, umso schwerer falle es ihr zu sehen, dass Körper und Geist nicht mehr so mitmachen. Für die beiden Frauen ist es ganz selbstverständlich, für die Mutter und den Vater da zu sein, so gut und so oft sie können. "Unsere Eltern haben uns das Leben ermöglicht, nun ermöglichen wir ihnen das Weiterleben".

Und eines haben Monika Leonhardy und Sybille Biebel ganz sicher verinnerlicht - die Zuversicht, die Ihnen die Referenten vermitteln konnten: "Positiv denken, es gibt Hilfe und immer einen Weg."

Hintergrund

Worum geht es? Informationen über häufige Krankheitsbilder im Alter; praktische Übungen am Pflegebett und im Krankenzimmer; Krankenbeobachtung und Prophylaxe; Leistungen in der Pflegeversicherung; "Wie schreibe ich einen Antrag und wie führe ich ein Pflegetagebuch?"; Belastungen in der Pflege; Entlastungsstrategien: "Was kann ich mir selbst mal Gutes tun?"; Hilfsangebote vor Ort.

Wer kann teilnehmen? Jeder, der von einem Pflegefall in der Familie betroffen ist oder sich vorbeugend informieren möchte.

Wie lange dauert der Kurs? Das Standard-Pflegeseminar findet an elf Terminen statt. Damit Arbeitnehmer die Teilnahme mit ihrer Arbeitszeit in Einklang bringen können, ist ein Kompaktseminar mit nur drei Terminen entwickelt worden. Personen, die nicht über ihren Arbeitgeber die Möglichkeit zur Teilnahme haben, wenden sich direkt an die Fachstelle für pflegende Angehörige im Awo-Mehrgenerationenhaus Coburg, Telefon 09561/5126333. "Bei uns werden alle Fragen und Bedürfnisse aufgenommen, und wir finden dann flexible Lösungen", verspricht Leiterin Johanna Thomack. Kosten können von der Krankenkasse erstattet werden. ct