Zu nah kommt ihnen die neue Trasse zwischen der Glender Straße in Neuses und der Wiesenfelder Kreuzung. "Bei der Talwirkung, die wir hier in Glend haben, schallt der ganze Lärm zu uns herüber", schimpft Matthias Hess. Bei der geplanten Straßenführung sei zu erwarten, dass die Autos mit bis zu 100 Stundenkilometern über die St 2205 rasen werden. Entsprechend hoch werde der Geräuschpegel. Für die Einwohner aus Sulzbach sieht es nicht besser aus. "Das nächste Haus steht 70 Meter von der Straße entfernt", sagt Hans-Ulrich Höllein. In Glend beträgt der Abstand 80 Meter. Aber betroffen seien eigentlich alle - deshalb hätten auch ausnahmslos alle Einwohner der Gemeinde Sulzdorf und des Coburger Stadtteils Glend die Unterschriftenliste gegen die St 2205 im derzeit geplanten Verlauf unterschrieben.

Die Liste hat eine Delegation zur Regierung von Oberfranken nach Bayreuth gebracht. Denn die muss die Baugenehmigung für diesen Abschnitt der Staatsstraße geben. Den ersten Bauabschnitt zwischen B  4 und Kaeserkreisel hat die Stadt bereits fertiggestellt.

Jürgen Woll vom staatlichen Bauamt Bamberg, Bereich Straßenbau, kann den jetzt laut werdenden Protest nicht verstehen. "Vor 29 Jahren waren wir schon einmal so weit. Die Staatsstraße sollte damals durch die Glender Wiesen führen." Dann wurden dort die vom Aussterben bedrohten Bekassinen entdeckt und so starb dieses Projekt. "Wir haben nach einen anderen Möglichkeit gesucht. Es gab Planfeststellungen, Erörterungstermine, Gegenstellungnahmen, die eingearbeitet wurden", erläutert Jürgen Woll. Die Unterlagen seien, wie es das Gesetz verlangt, ausgelegt worden. Jeder habe von seinem Widerspruchsrecht Gebrauch machen können.

Das bestätigt auch Norbert Schmitt, Abteilungsleiter Planung beim staatlichen Bauamt Bamberg. "Im Mai 2009 haben wir den Plan ausgelegt und hatten im September 2010 einen Erörterungstermin. Es gab Einwendungen, die wiederum bei der Regierung von Oberfranken erörtert wurden", erläutert er. Im April dieses Jahres habe es den letzten Erörterungstermin gegeben. Damals ging es um das landwirtschaftliche Wegenetz, das durch den Straßenbau betroffen ist.

Und wie steht es mit dem Lärmschutz? "Da müssen wir uns an die Immissionsschutzverordnung halten, in der die Grenzwerte festgelegt sind." Offenbar werden in Glend und Sulzdorf die Grenzwerte nicht überschritten. Demzufolge sei kein Lärmschutz vorgesehen.

Alternativvorschlag

Die Glender und Sulzdorfer sind damit nicht einverstanden. "Wir haben uns schon bei der Anhörung 2011 darüber beschwert, dass die Straße so nah an den Ortschaften vorbeiführt", sagt Günther Hess. Und weil sie nicht nur meckern wollten, haben sie einen Alternativvorschlag gemacht. "Die Trasse könnte weiter nach Nord-Nordost verlegt werden und hinter dem Lerchenberg vorbeiführen", erläutert Matthias Hess.

Freilich, diese Straße würde ein Stück durchs Fauna-Flora-Habitat führen. "Aber das tut die jetzt geplante auch." Den Alternativvorschlag haben die Autoren Weihnachten 2011 einem Rechtsanwalt übergeben, damit er ihn an die Regierung von Oberfranken schickt. "Der hat ihn dann bis Mai liegengelassen", schimpft Günther Hess. Inzwischen sei der Vorschlag aber bei der Regierung angekommen. Eine Reaktion darauf gebe es bisher nicht. Deshalb die Unterschriftensammlung.

Jens Culmbacher aus Glend kritisiert, dass die neue St   2205 die Stadtteile Beiersdorf und Glend entlaste, was ja auch gut sei, das Ganze aber nur auf Sulzdorf und Glend verlagert werde. Und Hans-Ulrich Höllein stellt fest, dass sich die Bürger sehr wohl gegen den geplanten Straßenverlauf ausgesprochen hätten, aber: "Die haben uns gar nicht angehört und gesagt, die Straße werde wie vorgesehen gebaut."

Viele Bürger hätten auch gar nicht mitbekommen, dass der Plan für den Neubau ausgelegt war. "Kann man so etwas nicht mal über die Zeitungen bekanntgeben?", fragt Matthias Hess. Seiner Ansicht nach hätte es dann noch mehr Einwände gegeben. "Die meisten von uns haben von der Trassenführung über den Bauernverband erfahren." Der stehe im Übrigen auch hinter dem Alternativvorschlag.
Im Januar könnte der Planfeststellungsbeschluss gefasst und mit dem Bau begonnen werden - wenn es kein Veto dagegen gibt. Doch das wird es geben. "Wir klagen auf jeden Fall, wenn die Regierung an der jetzigen Trasse festhält", sagt Günther Hess entschlossen.