Eine rechteckige Platte auf dem Boden, eine gebogene Eisenstange zum Festhalten und daneben ein piepsendes Display: Das Galileo-Trainingsgerät sieht von außen zwar schlicht aus, ist aber ein wahres Multitalent. Das vibrierende Wippen der beweglichen Bodenplatte stimuliert die Muskeln in den Beinen sowie im Bauch- und Rückenbereich. Das hat vor allen Dingen medizinischen Nutzen, denn durch gezielte Übungen lassen sich bereits durch kurze Trainingseinheiten Gleichgewicht und Durchblutung fördern, chronische Rückenschmerzen lindern und Symptome von neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Morbus Parkinson bekämpfen. Seit fünf Jahren gibt es in der Awo Neustadt für jeden die Möglichkeit, in Galileo-Trainingskursen von der medizinischen Wunderwaffe zu profitieren.


Großer Andrang

Cornelia Kaiser und Carmen Müller organisieren die Trainingskurse der Awo. "In der geriatrischen Station des Coburger Klinikums kamen die Geräte schon eher zum Einsatz", erklärt Cornelia Kaiser. Da sich dort schon relativ schnell Erfolge erkennen ließen, habe sich der Verein Gero live zusammen mit Gerhard Beyer, dem Seniorenbeauftragten der Stadt Neustadt, dafür eingesetzt, dass auch für die Awo ein Galileo-Trainingsgerät angeschafft werden soll - mit Erfolg. Bei einem Gerät sei es dann aber nicht geblieben: "Der Andrang war so groß, dass wir im zweiten Jahr noch eines brauchten - mittlerweile kämen wir mit nur einem Galileo-Trainingsgerät überhaupt nicht mehr zurecht." Bis zu 45 Teilnehmer buchen einen der insgesamt sechs Kurse, die in einem Jahr angeboten werden. "Zum sechswöchigen Kurs gehören zwei 15-minütige Einheiten pro Woche", erklärt Cornelia Kaiser.

Durchgeführt werden die Kurse von insgesamt zwölf ehrenamtlichen Kursleitern. Roswitha Schelhorn ist eine von ihnen. Sie engagierte sich von Anfang an als Galileo-Kurstrainerin. "Meine Schwägerin arbeitet in der Küche der Awo und dadurch bin ich vor fünf Jahren darauf aufmerksam geworden, dass Trainer gesucht werden", erzählt sie. Dass sie sich dazu entschieden habe mitzuhelfen, bereue sie nicht. "Der Umgang mit den Teilnehmern macht mir total Spaß", erklärt sie. Die Atmosphäre unter den Kollegen sei schön harmonisch. "Und es ist faszinierend, wie schnell man Erfolge sehen kann." Heinrich Stephan, der ebenfalls ehrenamtlich Galileo-Kurse leitet, kann sich an eine Teilnehmerin erinnern, der der Kurs besonders gutgetan hat: "Sie hatte Multiple Sklerose und hat sich unheimlich ins Zeug gelegt - am Ende des Kurses hatte sie wahnsinnige Fortschritte gemacht."


Dranbleiben ist die Devise

"Trotzdem ist das Galileo-Training kein Heilmittel. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist es mit einem Kurs nicht getan, wenn man langfristig eine Besserung sehen möchte", betont Helmut Knobloch. Auch seine Galileo-Kurse seien durchweg positiv aufgenommen worden. "Mit den Teilnehmern habe ich in der Vergangenheit extrem viel Spaß gehabt", erzählt er. Für einige seiner Teilnehmer sei der Kurs mehr als sportliche Betätigung, sie genössen die Gespräche mit den anderen Teilnehmern.
Ein Informationsabend, bei dem die Trainingstermine vergeben werden und bei Bedarf auch ein Probetraining gemacht werden kann, findet am Dienstag, 12. Juni, statt. Der nächste Galileo-Kurs startet dann ab dem 20. Juni.