Was hätte Johann Sebastian Bach wohl dazu gesagt? Zum unerschrockenen Unterfangen, seine ursprünglich für Cembalo konzipierte Englische Suite A-Dur für Blechbläserquintett zu bearbeiten und aufzuführen? Dass sich filigrane Musik für ein Tasteninstrument durchaus auch in blechgepanzerter Variante musizieren lässt, beweist das Philharmonische Blechbläserquintett Coburg bei seinem Konzert vor zahlreichen Zuhörern in der katholischen Pfarrkirche St. Augustin.


Heikle Akustik


Selbst die bekanntermaßen heikle, weil mit reichlich Nachhall versehene Akustik des hochgewölbten Kirchenschiffs hält das Quintett nicht vom virtuosen Musizieren ab. Auch die raschen, mit reichlich Laufwerk garnierten Sätze der Suite besitzen Kontur und sind im Gestus gut erfasst. Ausdrucksvoller Ruhepunkt ist die expressiv gestaltete Sarabande.


Harmonisches Zusammenspiel


Schon bei der Einleitung mit einer Bearbeitung von Bachs Präludium und Fuge d-Moll beweisen die Trompeter Markus Riepertinger und Tobias Ziegler, der Hornist Martin Osterhammer, der Tubist Johannes Freyer und Heng-Chih Lin an der Posaune, dass sie im Zusammenspiel ein gut harmonierendes Quintett bilden, das klanglich stets ausgeglichen agiert.


Markante Fanfare



Beeindruckende, sicher in Balance gehaltene Klangfülle demonstriert das Blechbläserquintett dann in der markanten Fanfare aus "La Peri" von Paul Dukas. Einer der wenigen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der sich der Besetzung des Blechbläserquintetts gewidmet hat, ist der Russe Victor Ewald, der im Hauptberuf eigentlich Ingenieur war. Ein dreisätziges Quintett aus seiner Feder bietet den philharmonischen Blechbläsern dann die Gelegenheit, dynamisch einfühlsam differenziertes Musizieren zu demonstrieren.


"Vals Peruano"


Von Victor Ewalds Quintett mit seinen unverkennbar russisch gefärbten Melodien führt der Weg des Programms dann übergangslos zu Enrique Crespo und zwei Sätzen aus seiner ersten "Suite Americana". Mit dem Ragtime und dem "Vals Peruano" aus dieser Suite beweist das Blechbläserquintett dann seine stilistische Vielseitigkeit.

Filmmusik zum Abschluss

Unüberhörbare Anklänge an Filmmusik zum Abschluss: Für das Ensemble "Canadian Brass" hatte der amerikanische Komponist Michael Kamen einst sein Quintett geschrieben. Das Philharmonische Blechbläserquintett entfaltet die weichen melodischen Bögen dieses Werkes sehr effektvoll mit gesanglicher Phrasierung und feinfühlig differenziert in der Dynamik.


Ausdauernder Beifall


Für den verdientermaßen ausdauernden Beifall bedankt sich das Quintett mit einer kurzen Zugabe - dem Ragtime aus Enrique Crespos "Suite Americana". Das Fazit: ein Auftritt, der Erwartungen weckt und neugierig macht auf weitere Konzerte dieses Ensembles.