Mit einem spontanen, lang gezogenen "Oh" reagierten die Liberalen im Münchner Hofbräu auf die ersten Zahlen des langen Wahlabends. Mit lediglich 4,7 Prozent hatte auch der FDP-Kreisvorsitzende Ulrich Herbert nicht gerechnet. Nur drei der sieben mit FDP-Fähnchen dekorierten Tische waren besetzt, rund 15 Leute bangten und hofften, dass das magere erste Ergebnis der Bundestagswahl im Laufe des Abends noch über die Fünf-Prozent-Hürde steigen würde.

"Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte auch Ulrich Herbert noch gegen 18.30 Uhr. Er bezog seinen Optimismus aus der Entwicklung bei den bayerischen Landtagswahlen vor einer Woche: "Man muss noch abwarten. Bei den Landtagswahlen waren wir bei den ersten Hochrechnungen bei drei und am Ende hatten wir 3,3 Prozent. Wenn es ähnlich läuft wären wir genau bei fünf."

Sein Parteikollege Jens-Uwe Peter holte gegen 18.40 Uhr seinen Tablet-Computer aus der Tasche, um erste Ergebnisse des Coburger Wahlkreises über das Internet abzurufen. Ulrich Herbert schaut kurz zu Peter rüber. "Wird nicht besser", sagt Peter ernüchtert. Leere Gesichter schauen auf die Fernsehbildschirme und hoffen auf 0,1 oder 0,2 Prozent mehr bei der nächsten Hochrechnung - erstmal geht es weiter runter.

Angesprochen auf eine erste Analyse aus der ARD, in der die AfD ihren größten Zulauf von ehemaligen FDP-Wählern bekam, hatte Herbert nur Kopfschütteln übrig: "Das ist für mich völlig unverständlich. Die Leute denken sie würden mehr Geld durch die Rückkehr zur D-Mark übrig haben, aber das klappt nicht."

Dem ehemaligen Koalitionspartner, der Union, und seiner Verweigerung für eine Zweitstimmenkampagne zugunsten der FDP, gab Herbert keine Schuld an dem schlechten Ergebnis: "Die Union hatte ihr strategisches Ziel festgelegt, das geht in Ordnung. Wir sind eigenständig und müssen nicht an die Hand genommen werden." Bei der Bundestagswahl 2009 war der FDP-Kreisvorsitzende Ulrich Herbert ebenfalls als Direktkandidat für seine Partei angetreten - er erreichte damals 7,7 Prozent der Erststimmen. Zweitstimmen: 11,7 Prozent. Von diesen Werten konnte er am gestrigen Sonntagabend nur träumen.

Im Wahlkreis Coburg kam Herbert bei den Erststimmen nur auf 1,66 Prozent und musste sich unter anderem dem Kandidaten der Alternative für Deutschland (AfD) Stefan Zubcic geschlagen geben. Bei den Zweitstimmen kam die FDP zwar auf 4,05 Prozent, aber dennoch blieb ein Verlust von über sieben Prozent.

Besonders bitter: Im Landkreis Coburg musste sich Herbert, mit 1,63 Prozent bei den Erststimmen, sogar dem Kandidaten der NPD geschlagen geben. Die anfängliche Hoffnung starb an diesem Abend für Herbert und die FDP doch ziemlich schnell.

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