Bei Urnenreihengräber findet man normalerweise wenig Grabdekoration vor. Dort steht ein schlichter Stein in der Wiese. Dennoch werden diese häufig von Angehörigen mit Grabschmuck, Grabgebinden, Blumenschalen und Lichtern dekoriert. Was gut gemeint ist, stört den Ablauf. "Die letzten Jahre haben wir die Pille geschluckt, aber jetzt ist Schluss damit", sagt Abteilungsleiter Tobias Debudey.

Am 15. April findet deshalb eine große Aufräum-Aktion auf den Urnenreihengräbern statt. "Wir werden jetzt nicht mit dem großen Schlepper kommen, aber dennoch wird alles entsorgt", sagt Bernhard Ledermann, Leiter des Grünflächenamts Coburg. Ausnahmen sind Steckvasen und Gegenstände, die auf einem zweiten Stein neben dem Grabstein platziert sind.

Erschwerte Grabpflege

Der Grund: Die Pflege der Gräber, die etwa sieben bis zehn Prozent des Friedhofs ausmachen, wird durch die unerlaubten Dekorationen deutlich erschwert.Etwa zehn- bis 15-mal im Jahr wird auf den Rasenflächen gemäht. Die Flächen, die mit bodendeckenden Sträuchern gepflanzt sind werden etwa vier- bis achtmal im Jahr gepflegt. "Wenn wir mähen, dann müssen erst alle Sachen abgeräumt werden und danach wieder richtig hingestellt. Das kostet viel Zeit und Mühe", so Debudey. Zudem entstehen durch die vielen Schalen und Töpfe Lücken und Kahlstellen im Rasen und in den Sträuchern. "Außerdem sieht so eine Blumenvase im Sommer noch schön aus, aber nach einiger Zeit, wenn die Pflanzen verwelken, auch nicht mehr", merkt Ledermann an. Normal erhalten die Angehörigen in solchen Fällen Bescheid, manchmal werden Gestaltungen direkt beseitigt. So erinnert sich Tobias Debudey an einem Fall aus dem vergangenen Jahr: "Da wurde ein Grab ohne unsere Erlaubnis einfach komplett mit Kies zugemacht. Das geht natürlich nicht."

Urnenreihengräber sind, so Ledermann, "ein Angebot, für den Fall, dass man das Grab eben nicht gestalten kann oder möchte". Die Urnenreihengräber bieten ein individuelles Grab mit Grabstein und ohne persönliche Pflege. Ausschließlich die Friedhofsmitarbeiter kümmern sich darum. "Wir wollen den Charakter der Grabart wieder deutlich machen", stellt er klar. "Wer ein Grab dekorieren möchte, der hat bei der Grabwahl ganz viele andere Möglichkeiten. Nur eben für diesen bestimmten Typ ist das nicht gedacht." Deshalb sei es rechtlich auch kein Problem, den Grabschmuck zu entsorgen.

Fortan regelmäßige Reinigung

Tobias Debudey ist sich sicher, dass die Aufräum-Aktion viele Menschen verärgern wird. Er hofft aber auf zunehmendes Verständnis der Angehörigen. Zur Aufklärung wurden seit kurzem Schilder auf dem Friedhof angebracht, die auf die Aktion hinweisen. Ab dem 15. April werden die Gräber dann regelmäßig, jede Woche, von unerlaubtem Grabschmuck befreit.

Komplett kahl müssen sie aber nicht sein. Wer etwas dekorieren möchte, so Debudey, kann problemlos den Grabschmuck auf einem zweiten Stein neben dem Grabstein platzieren oder Blumen in Steckvasen stellen. "Und natürlich, wenn das Grab frisch ist, räumen wir den Grabschmuck nicht gleich weg", sagt er. Ledermann bestätigt: "Wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst, aber es muss hier auch wieder vernünftig funktionieren."