Die Fronleichnamsprozession, die ja bis vor wenigen Jahren ihren Weg durch den Hofgarten genommen hatte, geht jetzt mitten hinein in das Herz der Stadt. Und das Zentrum der Fronleichnamsprozession, die Eucharistiefeier, im protestantischen Sprachgebrauch das Abendmahl, wird auf dem Marktplatz gefeiert, geradewegs zwischen Rathaus und Stadthaus.

Auf dem Weg durch die Altstadt manifestierte sich die Prozession als "wanderndes Volk Gottes". Die Botschaft Jesu möge in die Herzen dringen, meinte Dekan Roland Huth in seiner Begrüßung. "Mitten im Herzen unserer Stadt wollen wir gemeinsam feiern, damit Gott uns füreinander und miteinander Kraft schenkt, damit christliche Bekenntnisse auch zu Taten werden können, die den Menschen und einer lebenswerten Zukunft dienen." Huth wies insbesondere auf die Bedeutung Europas hin. "Die vor kurzem durchgeführten Wahlen zum Europäischen Parlament, die unendliche Geschichte der Brexit-Verhandlungen in und mit Großbritannien, aber auch die Diskussionen, wie dieses Europa in Zukunft aussehen soll, beschäftigen uns als Gesellschaft, als Land und Kommunen", sagte der Dekan.

Er beschwor die christlichen Grundwerte, die zwar oft genannt würden, aber längst nicht mehr in allem Tun und Handeln zu spüren seien. "Wo müssen die Kirchen wieder neu und verstärkt ihre Rollen einnehmen, Position beziehen und befreit von alten internen Machtstrukturen und Dünkeln gerade in Europa ihren Platz an der Seite der Menschen und im Leben neu definieren?", fragte Huth in die Menge der Gläubigen.

Für ein solidarisches Europa

Er warnte davor, den Solidaritätsgedanken in Europa zerbrechen zu lassen. "Es wäre schade, wenn allzu leichte, allzu plakative Lösungsansätze in den Problemen und Fragen unserer Zeit zu falschen und menschenverachtenden Reaktionen, zu Ausgrenzung und Abschottung führen würden."

Nach dem gemeinsamen Beginn in der St.-Augustin-Kirche setzte sich der Zug der Gläubigen in Bewegung. Durch den Hofgarten über den Schlossplatz ging es zum Schloss Ehrenburg vor den Eingang der einstigen Hofkirche. Schloss Ehrenburg war ursprünglich ja ein Franziskanerkloster. Weiter ging es durch die Untere Anlage zur St.-Moriz-Kirche. Am Hauptportal von St. Moriz fand der Wortgottesdienst mit der Verkündung des Evangeliums und dem apostolischen Glaubensbekenntnis seinen Höhepunkt.

Die Eucharistiefeier fand mitten auf dem Marktplatz statt. Oberbürgermeister Norbert Tessmer meinte in seinem Grußwort, das Sakrament des Altars sei ein Zeichen für Friede und Solidarität. Er wies auf die Konflikte im Nahen Osten hin, den Konflikt zwischen Israel und Palästina, aber auch die Ereignisse an der Straße von Hormus. Tessmer bedauerte, dass jährlich rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von 25 Milliarden Euro im Müll landeten. Tessmer zitierte Mahatma Gandhi: "Die Welt hat hat genug für jedermann Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier!"

Musik gab es bei der Fronleichnamsfeier von Gabriele Hirsch und Peter Stenglein an den Orgeln von St. Augustin und St. Moriz, dem Projektchor des Seelsorgebereiches Coburg Stadt und Land sowie der Blaskapelle Oberelldorf unter der Leitung von Christian Brückner. Blumenteppiche zogen die Blicke auf sich.

Damit dieses Fest intensiv und gut beschützt gefeiert werden konnte, war etliches technisches Equipment notwendig. Viele Mitarbeiter der Verkehrswacht, des Bayerischen Roten Kreuzes und der Polizei trugen zum Gelingen bei. Nach der Fronleichnamsprozession ging es beschwingt und heiter weiter mit Bratwürsten, Bier, Kaffee, Kuchen und Erfrischungsgetränken.