Die Geschichten sind schon etwas skurril: Da möchte ein Bub überall mit genommen werden und fällt in den Bach, ein Baum geht spazieren, ein Männlein landet im Bauch einer Gans, und ein Spielmann holt's wieder vor. Die fünfte Mär handelt von einem Baum, der andere Blätter haben wollte.


Fürs Schwesterlein

Friedrich Rückert hat die Texte 1813 zum Einschläfern für sein Schwesterlein geschrieben. Ob Maria Christina Ludovika tatsächlich nach den teilweise obskuren Gedichten Ruhe fand, sei dahin gestellt. Tatsache ist, dass kaum ein Gedichtzyklus Rückerts sich einer derart konstanten Beliebtheit seitens des Lesepublikums erfreuen konnte wie diese fünf "aber-witzigen" Märchen für sein damals gut drei Jahre altes Schwesterchen.
Mit einer interaktiven Führung und Lesung hat sich das Puppenmuseum Coburg für Mittwoch, 10. Februar, etwas Besonderes einfallen lassen. Rückert hat schließlich im Dachstübchen des Museums in der Rückertstraße gelebt. Was liegt da näher, als eines dieser Märchen den Kindern vorzulesen. "Ich habe eine moderne Fassung gefunden", sagt Jana Burkart. Die möchte sie zuerst vorlesen. Es handelt sich um die Geschichte von dem Baum, der andere Blätter haben wollte. Im Anschluss basteln die Kinder einen Baum mit seinen verschiedenen Blättern. Mit diesem Bäumchen dürfen sie dann das Originalgedicht von Rückert verfolgen - bevor Kinderfrau Emma auftaucht und die Kinder in die Zeit Rückerts entführt. Sie wird erzählen, wie Rückert aufgewachsen ist.
Das Dachstübchen dürfen die Kinder nur von außen sehen. Geöffnet wird es erstmals am internationalen Museumstag, dem 22. Mai zwischen 11 und 12 Uhr. "Die Kinderfrau Emma hat sozusagen am Mittwochen ihre Generalprobe", verrät die Museumsleiterin. Künftig wird sie regelmäßig auftreten.