Seit April ist das Coburger Frauenhaus durchgehend voll belegt, sagt Mitarbeiterin Ria Wirsching-Höfner. Fünf Frauen und fünf Kinder haben dort eigentlich Platz. Zeitweise seien es sogar sieben Frauen und zwölf Kinder gewesen, sagt die Mitarbeiterin. Sie bedauert es, dass das Frauenhaus auch 30 Jahre nach seiner Gründung immernoch so hoch beansprucht werden muss. Wirsching-Höfner bedauert auch, dass es gerade diese alleinerziehenden Frauen schwer haben, eine Wohnung zu finden, die sie sich leisten können. Sie und ihre Kolleginnen von der Notruf- und Beratungsstelle in der Hindenburgstraße fordern von der Politik, hier genauer hinzuschauen. Außerdem möchten sie das Finanzierungsmodell verbessern: "Die Finanzierung soll endlich auf stabilen Füßen stehen", sagt Wirsching-Höfner.

Jedes Jahr werden die Haushaltsmittel für das Frauenhaus von den Kommunen von neuem verabschiedet. Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) berichtet, dass die zuständigen Landkreise Coburg, Lichtenfels und Kronach sowie die Stadt Coburg dafür rund 120.000 Euro aufbringen. "Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe des Staates, für die Finanzierung zu sorgen", sagt Wirsching-Höfner.


Hoffnung liegt auf 2018

Der Freistaat übernimmt momentan knapp zehn Prozent der Kosten aller bayerischen Frauenhäuser, erklärt Markus Rinderspacher (SPD). Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag war am Dienstag zu einem Gespräch mit den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses nach Coburg gekommen. "Aus unserer Sicht ist das zu wenig", sagt er. Die insgesamt 40 Frauenhäuser in Bayern seien "deutlich unterfinanziert", so Rinderspacher. Bei den Haushaltsverhandlungen will er "weiter politischen Druck machen". Er ist zuversichtlich, dass im Wahljahr 2018 mehr Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden könnten.

Die Coburger Kandidatin für den Bundestag, Doris Aschenbrenner (SPD), weist zudem darauf hin, dass viele Frauen von den Frauenhäusern abgelehnt werden, da oft zu wenig Platz in den Einrichtungen vorhanden ist. "Wir müssen da auf allen Ebenen viel tun", sagt sie. Auch das belegt Rinderspacher mit Zahlen. In Bayern können 365 Frauen aufgenommen werden. Laut einer vom Sozialministerium beauftragten Studie würden aber jährlich 1500 Frauen abgewiesen. Die vorhandenen Plätze seien für ihn daher "deutlich zu wenige".

Dazu komme, dass die Frauen immer länger in den Einrichtungen bleiben, erklärt Wirsching-Höfner. Das liege zum Teil aber auch am Wohnungsmangel. Rinderspacher verpricht: "Dieses Thema nehmen wir mit in den Landtag."



Das Frauenhaus in Coburg

Schutz finden Frauen und ihre Kinder, die körperlich oder seelisch misshandelt werden oder davon bedroht sind.

Ab 18 Jahren ist der Aufenthalt für Frauen erlaubt. Jungen können nur bis zum 15. Lebensjahr im Haus wohnen.

Die Dauer des Aufenthaltes der Frauen reicht, je nach Bedarf, von einer Nacht bis zu mehreren Monaten.

Die Adresse ist aus Sicherheitsgründen geheim.

Telefonnummern
Frauenhaus Coburg:
09561/861796
Notrufstelle Coburg:
09561/90155

Ausstellung Vom 26.9. bis 30.9. findet es in der Stadtbücherei Coburg die Ausstellung "rosaRot - eine Kampagne gegen häusliche Gewalt" statt.