"Neujahrskonzert" steht auf den Plakaten, mit denen der "Musizierkreis gehobener Unterhaltungsmusik" für seinen Auftritt am 11. Januar wirbt. Doch die Geschichte dieses Konzerts beginnt viel früher - mitten im Sommer. Denn Anfang Juli hatte Norbert Luche, der Dirigent des Musizierkreises, die Sopranistin Andrea Chudak zum ersten Mal gehört - beim Open-Air-Auftritt der "Musikfreunde Neustadt" im Freibad.

Luche, der bei diesem Konzert als Kontrabassist mitwirkte, war so begeistert von den vokalen Künsten und der Bühnenpräsenz der aus Berlin angereisten Sängerin, dass er sie noch am Abend jenes Konzertes spontan fragte, ob sie nicht vielleicht beim nächsten Konzert seines "Musizierkreises" mitmachen wolle. Andrea Chudak wollte - und so wird der Abend in der Mehrzweckhalle Heubischer Straße in knapp zwei Wochen zum Operettenabend mit ausgeprägtem Sopran-Faktor.


"Die Unschuld vom Lande"

Auf dem Programm finden sich gleich ein halbes Dutzend Operetten-Meister aus mehreren Generationen - von Johann Strauß bis Paul Lincke, von Carl Zeller bis Fred Raymond. An diesem Probenabend im Kulturzentrum am Schützenplatz, der ehemaligen "Thüringisch-fränkischen Begegnungsstätte", aber muss Norbert Luche noch auf die Sängerin verzichten. Stattdessen markiert Luche die Gesangsstimme - wird zum Operettensolisten, um die kompositorischen Zusammenhänge für seinen Musizierkreis hörbar werden zu lassen etwa in Paul Linckes "Schlösser, die im Monde liegen" aus "Frau Luna".

Arien und Instrumentalstücke wechseln sich ab im Programm - von Carl Zellers Hit "Ich bin die Christel von der Post" bis zu Fred Raymonds "Die Juliska aus Budapest" spannt sich der vokale Bogen, ergänzt durch Märsche und Potpourris. Ein dicker Packen Musik, den Luche da vor sich auf dem Dirigentenpult liegen hat - Partituren, die hinter der melodisch einprägsamen Oberfläche manche technische Schwierigkeit für die Musiker verbergen.
Vor allem mancherlei Taktwechsel und Tempoveränderungen verlangen volle Konzentration von Dirigent und "Musizierkreis". Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Norbert Luche inzwischen Dirigent des "Musizierkreises" und weiß genau, wie wichtig es ist, die Probenzeit effizient zu nutzen.

Zügig lässt Luche die meisten Stücke durchspielen, konzentriert sich auf die heiklen Übergänge, auf Tempowechsel vor allem. "Bei den Fermaten müssen wir aufpassen, dass wir zusammen kommen", sagt Luche beispielsweise bei Zellers "Ich bin die Christel von der Post". Dann warnt er vor den Tücken in Adeles "Spiel ich die Unschuld vom Lande" aus der "Fledermaus". Ganz am Ende eines anstrengenden Probenabends wartet dann noch ein heikles Instrumentalstück auf den "Musizierkreis" - ein Potpourri aus Fred Raymonds "Maske in Blau".

Im vergangenen Herbst hat der Musizierkreis sein 130-jähriges Bestehen gefeiert. Einen bemerkenswert großen Teil dieses Weges hat Karl Mechthold begleitet: Seit inzwischen 57 Jahren ist er mit seinem Cello schon dabei - auch an diesem Probenabend liefert er zuverlässig das Bassfundament das Klanges. Zu den Konstanten in der Besetzung des "Musizierkreises" zählt auch Hans-Rudolf Timmig, die personifizierte musikalische Zuverlässigkeit. Am Flügel füllt er den Klang des Kammerorchesters immer dort auf und setzt bei Bedarf rhythmische Akzente.


Bekenntnis zur Operette

Wie oft schon ist die Gattung Operette totgesagt worden. Dass die Musik von Strauß, Lehár und vielen anderen Komponisten auch noch in Zukunft Fans finden werden, daran glauben, darauf hoffen Norbert Luche als Dirigent und seine Frau Christine, die beim Neujahrskonzert wieder die Moderation übernehmen wird. "Wäre doch schade um diese Musik, wenn sie niemand mehr können würde", sagt Christine Luche. Beim Neujahrskonzert gibt es live jedenfalls eine große Dosis Lehár, Linke und Co. in Neustadt.


Ein Klangkörper mit großer Tradition

Neujahrs-Konzert "Musizierkreis gehobener Unterhaltungsmusik - Volksmusik Neustadt", Andrea Chudak (Sopran) Leitung: Norbert Luche, Moderation: Christine Luche - Samstag, 11. Januar (20 Uhr), Mehrzweckhalle Heubischer Straße in Neustadt .

Zur Geschichte Hinter dem Namen "Musizierkreis gehobener Unterhaltungsmusik - Volksmusik Neustadt" (seit 2001) steht die Geschichte eines Klangkörpers, der schon viele Veränderungen erlebt hat seit der Gründung im Jahr 1882. Keimzelle war der "Zitherclub Neustadt", aus dem 1912 der "Zitherverein Neustadt" hervorging. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein in "Volksmusik Neustadt" umbenannt. Die musikalische Leitung liegt seit 1982 in den Händen von Norbert Luche. - Kontakt: Christine Luche (Telefon: 09568/6568).

Vorverkauf Schuhfachgeschäft Mechtold in Neustadt, Buchhandlung Riemann in Coburg. Restkarten: Abendkasse.