Der Charly Herrmann muss wieder ran in einem ganz schrecklichen Fall - aber leider nicht im "Franken-Tatort", den der Bayerische Rundfunk vorbereitet. Volker Backert, der Schöpfer des markanten, sagen wir ruhig verhau'nen Coburger Kriminalkommissars, hatte sich selbstverständlich auch in Nürnberg beworben, als der BR ankündigte, einen fränkischen "Tatort"-Ermittler ins Leben zu rufen. Wie viele seiner mittlerweile eben auch ganz schön vielen Mitautoren fränkischer Krimis (Jan Beinßen, Veit Bronnenmeyer, Thomas Kastura, Dirk Kruse, auch der Vorndran, die Schmöe wohl eher nicht...) erhielt Backert den Bescheid, dass man für das Drehbuch mit "renommierten Autoren" zusammenarbeiten möchte.

Ha, schön wär‘s schon gewesen, wenn da so ein Coburger Kommissar... Jetzt wollen wir aber nicht anmaßend werden, so gegenüber der Franken-Metropole. Bamberg liegt auch noch dazwischen. Nach Würzburg gucken wir gar nicht. Literarische Mörderjäger mit regionaltypischen Zügen gibt es da auch überall.

Der Charly vom Volker Backert, Stones-Fan, durchaus zulangend, aber auch nachdenklich sensibel, ein bisschen Macho-mäßig, aber selbstverständlich von großer, schon arg verwundeter Seele, des wär' aber schon so ein Typ für einen knallharten Fernsehkrimi (wobei die ja gar nicht immer so knallhart sind).

Wie dem auch sei: Die Idee, die Backert schon in seinem 2010 veröffentlichten Debütroman "Das Haus vom Nikolaus" entwickelt hat, eine "Soko Franken" ins Leben zu rufen, weil die Mörder frankenweit agieren, hat auch der Baye rische Rundfunk aufgenommen - nur dass die Sonderkommis sion eben nicht von Charly Herrmann geleitet wird, sondern von einem Typen namens Konrad Wagner (den Fabian Hinrichs spielen soll). Weil das Drehbuch aber noch nicht fertig ist, vermeldete das Tageblatt ja gestern, verzögern sich die Dreharbeiten bis in den Sommer.

Soll da kommen, was will. Wir dürfen bei allem gespannt sein auf Volker Backerts dritten Krimi, den er im Herbst herausbringen will. Jedenfalls schreibt der frühere Marathon-Mann, der in Michelau wohnt, derzeit wieder wie wild, wenn er Mittagspause hat oder im Zug sitzt.

Ob er nun schon ein "renommierter Autor" ist oder nicht, mit seinen beiden bisher veröffentlichen Krimis "Das Haus vom Nikolaus" und der toten Landestheater-Ballerina in "Todesfessel", erschienen im renommierten Emons Verlag Köln, liegt er recht gut im Rennen auf dem boomenden Markt der Regionalkrimis.

Die eigene Tochter?

In Backerts drittem "Franken-Thriller" wird Charly Herrmann von einer Freundin aus Jugendtagen gebeten, nach deren verschwundener Tochter zu suchen. Er stößt auf einen üblen Drogensumpf, in dem Crystal, Snuff-Videos (Filme mit Vergewaltigung, Folter und Mord vor laufender Kamera), Kampfhunde und kriminelle Rocker eine Rolle spielen. Charly erhält einen besonderen Motivationsschub bei den Ermittlungen, als der Verdacht aufkommt, dass das verschwundene Mädchen sogar seine Tochter sein könnte.

Mehr wird jetzt aber nicht verraten. Backert, der während seiner Zeit als Sicherheitschef im Coburger Ordnungsamt viel mit der Polizei zusammenarbeitete und daher unmittelbaren Einblick hatte, widmet sich übrigens jetzt einem ganz anderen Bereich. Im Standesamt ist er als stellvertretender Leiter unter anderem nun für Eheschließungen mit Auslandsbeteiligten zuständig, mit russischen, türkischen, pakistanischen Staatsangehörigen. "Der Bereich hat es durchaus auch in sich", sagt Backert. Nach 18 Jahren im Ordnungsamt wollte er endlich "mal etwas anderes machen".

Volker Backert wurde 1962 in Coburg geboren, wuchs am Obermain auf und absolvierte sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt in München und Bayreuth. Bei der Stadt Coburg sammelte er zunächst während der Wendezeit "unschätzbare Erfahrungen im Sozialamt, der damaligen Champions League jeder Verwaltung...", wie er selber in seiner Vita schreibt. Seit 1995 arbeitete er als Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit eng mit der Polizei zusammen. Seit drei Monaten ist er stellvertretender Leiter des Standesamtes.
 Schon in früher Jugend entwickelte er ein Faible für Kriminalromane. Die Regionalkrimis waren ihm in den letzten Jahren "viel zu weiblich ", wie er im Gespräch mit dem Tageblatt sagte. Da sah er sich gezwungen, selbst einen "echten, harten Thriller" zu schreiben. Der Kölner Emons-Verlag veröffentlichte 2010 "Das Haus vom Nikolaus". Der Roman kam auf die Auswahlliste zum Friedrich-Glauser-Preis für das beste deutschsprachige Krimi-Debüt. Die Bayerische Staatsbibliothek setzte ihn auf ihre Bestenliste "Best of Regionalkrimis 2012". Im selben Jahr erschien der zweite Charly Herrmann-Roman, "Todesfessel". Backert ist Mitglied im Syndikat, der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren. Er lebt in Michelau.