Hans Michelbach haderte mit dem Schicksal: "Es ist bekanntermaßen die Höchsstrafe, wenn man nach Markus Söder ans Rednerpult treten muss", sagte der CSU-Direktkandidat bei der Jubiläumsfeier des Neustadter Ortsverbandes. Tatsächlich hatte unmittelbar zuvor Bayerns Finanz- und Heimatminister den bis zum letzten Stuhl gefüllten Saal der Gaststätte "Grüntal" gekonnt in seinen Bann gezogen.
Markus Söder hätte gewiss auf jeder Bühne Erfolge feiern können. Er entschied sich für die politische. Aufgewachsen in einem Nürnberger Arbeiterviertel konnte er das zähe Ringen nachempfinden, das nötig war, um den Neustadter Ortsverband zu seiner heutigen Bedeutung in der Stadtpolitik zu führen. In den Nachkriegsjahren war die Stadt von der SPD dominiert, in einigen Stadtteilen von der FDP. Es dauerte bis 1969, ehe die CSU zumindest in den äußeren Stadtteilen die Mehrheit erobern konnte.
In Bayern ist die Union hingegen traditionell das Maß aller Dinge und Markus Söder ist "Frankens Speerspitze im Kabinett", wie Hans Michelbach sagte. Die Bedeutung Frankens in Bayern und Deutschland unterstreicht Söder denn auch trefflich. Weiß er doch, dass sie gern gestreichelt wird, die fränkische Seele. Politische Ambitionen in Berlin überlässt er gern anderen, sagt er: "Ich würd's nicht machen!" Die Lacher sind auf seiner Seite. Und Söder ist bei der Bundespolitik angekommen, es herrscht ja Wahlkampf in der heißen Phase.


Finanzausgleich in der EU

Deutschland, stellt er fest, geht es so gut wie nie zuvor. Die gesamte Europäische Gemeinschaft profitiere davon, denn: "Europa ist stabil, weil Deutschland stabil ist und Deutschland ist stabil, weil es Bayern und Franken gibt." Während allerdings in Deutschland erkannt wurde, dass ein System wie der alte Länderfinanzausgleich die Fleißigen bestrafe und Müßiggänger unter den Bundesländern belohne - weshalb das Verteilungssytem jetzt geändert wird - versuche man in der EU über Eurobonds genau das durch die Hintertür einzuführen.
In Zeiten höchster Einnahmen bei Bund und Ländern nach Steuererhöhungen zu rufen, ist für Markus Söder nicht nachvollziehbar. Auch nicht, warum der bis 2019 angesetzte Solidaritätszuschlag für den Aufbau der neuen Bundesländer über diesen Zeitpunkt hinaus fortgeführt werden soll. Der Aufbau sei abgeschlossen.
Die Zuwanderung als Kernthema dieses Wahlkampfes nimmt Markus Söder nicht aus. Im Gegenteil. Betrifft sie ihn doch sowohl im Finanz- wie im Heimatressort. Die Ausgaben für Asyl belasten die Kassen erheblich mehr als zunächst angenommen. "Wie will man Integration schaffen, wenn man unbegrenzt aufnimmt?" Die Antwort: An einer Obergrenze führt nichts vorbei. Denn: "Wir können nicht alle aufnehmen, die eine neue Heimat suchen." Zu entscheiden, wer kommen darf, setze allerdings Kontrolle an den Grenzen voraus. Den Außengrenzen der EU, versteht sich. "Schengen heißt Wegfall der Innengrenzen aber Sicherung der Außengrenzen", stellt er klar.


Kultur anerkennen

Wer dann kommen darf, soll sich integrieren, das heißt, sich in unsere Kultur einfügen ("Vollverschleierung ist kein modisches Accessoire, sondern ein Zeichen der Abgrenzung gegenüber unserer Gesellschaft"). Wer nicht bleiben darf, soll aber auch zeitnah das Land verlassen. Um das endlich zu erreichen, müsse ein entsprechender rechtlicher Rahmen geschaffen werden.


Türkei und EU

Die türkische Frage beschäftigt den Minister ebenfalls. Ein Freund der doppelten Staatsbürgerschaft ist Markus Söder nicht: "Entweder will man Deutscher sein oder nicht", sagt er mit Blick auf das Abstimmungsverhalten zahlreicher in Deutschland lebender Türken, die die Erdogan-Regierung in Ankara unterstützen, während sie in Deutschland alle Vorteile genießen, die es in ihrer Heimat nicht mehr gibt. Die Türkei könne nicht Deutschland und die EU ständig beschimpfen und gleichzeitig den Beitritt in die Gemeinschaft fordern und Geld von ihr annehmen.
Nachdem Söder auch die innere Sicherheit (mehr Polizei mit besserer Ausrüstung) gestreift hat, bleibt für Hans Michelbach tatsächlich nicht mehr viel an Themen übrig. So verweist er auf eine Berliner Finanzpolitik, die erstmals ermöglicht, den Schuldenberg nicht weiter anwachsen zu lassen.
Für die Region gelte es, das vorhandene Innovationspotenzial zu nutzen, den Hochschulstandort Coburg zu stärken und Sorge zu tragen, dass junge Menschen hier eine Perspektive finden, um in der Region bleiben zu können.