Auf dem "Speiseplan" zum 100. Geburtstag der Coburger VHS stehen einige Leckerbissen. Am Montag, 18. Februar, kommt der aus dem Fernsehen bekannte Wissenschaftler Harald Lesch ("Leschs Kosmos") zu einem Vortrag. Am Dienstag, 26. Februar, ist die Kunstsammlerin Julia Stoschek zu Gast - ihr Vortrag im Utopolis ist bereits ausverkauft. Ein weiterer Höhepunkt ist am Mittwoch, 13. Februar, der Vortrag von Hanni Rützler (Infos zum Kartenvorverkauf am Textende). Bei dem Vortrag wird es nicht nur lecker, sondern auch spannend. Hanni Rützler ist Ernährungswissenschaftlerin und Trendexpertin und wird Fragen erörtern wie: Wie ernähren sich die Menschen künftig? Wie wird unser Essen produziert werden? Werden sich alternative Lebensmittel wie Insekten und Algen durchsetzen? In einem Gespräch mit dem Tageblatt gab sie vorab interessante Einblicke.

Tageblatt: Frau Rützler, wie muss man sich den Kühlschrank bei einer Ernährungswissenschaftlerin und Trendexpertin vorstellen: Befinden sich darin ausschließlich gesunde Sachen - oder auch mal eine Tafel Schokolade?

Hanni Rützler: Im Kühlschrank befinden sich neben Naturjoghurt, bröseligem Quark - in Wien nennen wir ihn Bröseltopfen - fast immer auch Käse und viel frisches Gemüse vom Bauernmarkt. Immer wieder aber auch ganz neue Produkte von innovativen Start-ups zum Verkosten. Derzeit gerade ein Tofu aus Kichererbsen. Und ja, natürlich genieße ich ab und zu auch Schokolade, die muss aber nicht in den Kühlschrank. Zum Naschen zwischendurch mag ich aber eher Nüsse wie ungeschälte Mandeln oder Pistazien.

Ohne jetzt zu viel von Ihrem Vortrag, den Sie in Coburg halten, zu verraten: In welche Richtung wird sich denn Ihrer Meinung nach entwickeln? Wird alles noch mehr Bio - oder führt nicht zuletzt wegen der immer mehr wachsenden Bevölkerungszahl an Massenproduktion gar kein Weg vorbei?

Massenproduktion ist heute die Normalität. Aber wir produzieren in Deutschland und Österreich ja nicht deshalb im industriellen Maßstab, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, sondern um billige Lebensmittel zu erzeugen und trotzdem Gewinne zu machen. Und nicht zuletzt weil sie billig sind, schmeißen wir auch viele noch genießbare Lebensmittel weg. Das stößt bei immer mehr Menschen auf Unverständnis und sie bemühen sich, bewusster zu wählen: Bio wächst weiter, wenn auch langsam, und Nachhaltigkeit ist ein Wert, der gerade im Lebensmittelbereich immer wichtiger wird. Auf unseren Tellern heißt das: Mehr saisonale und regionale Produkte sowie weniger Fleisch und Fleischwaren. Und damit auch ein geringerer Ressourcenverbrauch. Für das Welternährungsproblem sind regionale Lösungen vor Ort entscheidender als Importe aus Deutschland.

Insekten und Algen verbinden wir bislang nur mit dem Essen im Dschungel-Camp. Halten Sie es aber für möglich, dass solche und andere ungewöhnliche Speisen langfristig ganz normal werden?

Medial wird gerne der Gruselfaktor hervorgehoben. Der wird dem Thema aber nicht gerecht. Algen sind - denke Sie an Japan - andernorts ausgesprochene Delikatessen. Und weil sie viele Nähr- und Wirkstoffe enthalten und auch in Binnenländern gezüchtet werden können, eine nachhaltige Ressource für neue Lebensmittel. Ich habe zum Beispiel wunderbar schmeckende Cracker und erfrischende Drinks aus Algen verkostet. Insekten liefern ebenso wertvolle Proteine wie Rindfleisch bei deutlich weniger Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen. Zu Mehl vermahlen und gebacken in Brot, als Müsliriegel, als pikanter Snack oder zu Sugo verarbeitet neigt sich der Ekelfaktor rasch gegen Null.

Beim Vortrag wird es auch einen Geschmackstest geben - was können Sie uns dazu schon verraten, um uns sozusagen "Appetit" auf den Vortrag zu machen?

Es wird eine kleine, feine Verkostungen geben, um neugierig auf die Zukunft zu machen und um zu zeigen, dass sie kulinarisch einiges zu bieten hat. Was, möchte ich jedoch nicht verraten. Ein wenig Überraschung sollte schon sein.

Vortrag in St. Augustin

Termin "Future Food - was essen wir morgen?"; Vortrag mit der Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler am Mittwoch, 13. Februar; Beginn um 19 Uhr im Pfarrzentrum St. Augustin, Obere Klinge 1a. Eintritt: 5 Euro im Vorverkauf (bei der VHS in der Löwenstraße 12), 10 Euro an der Abendkasse.