Der Strom von Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, reißt nicht ab. Auch der Landkreis muss weiterhin jede Woche neue Asylsuchende aufnehmen. Ein Anfang November in Kraft getretenes Gesetz lässt die Verantwortlichen jetzt auf eine gewisse Entlastung hoffen.

Die neue Rechtslage stuft Ghana, Senegal, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien und Serbien als sichere Herkunftsländer ein. Das Verfahren bei Asylbewerbern aus diesen Ländern kann so erheblich verkürzt werden. Wie Ismene Simon vom Landratsamt Coburg vor dem Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Senioren gestern informierte, sind in den ersten beiden Wochen des November bereits 18 bosnische und serbische Asylbewerber freiwillig ausgereist.

So kann der Landkreis auf jeden Fall bis Mitte Januar an der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen festhalten. Danach sind weitere Quartiere aber schon in Aussicht. Die werden auch gebraucht. Nachdem in der ersten Novemberwoche noch zwölf Asylsuchende dem Landkreis zugewiesen wurden, werden es von jetzt an - bis auf weiteres - jede Woche acht sein, wie Ismene Simon informierte. Zurzeit sind 241 Asylsuchende im Landkreis Coburg untergebracht. Davon leben 71 in der Gemeinschaftsunterkunft in Ebersdorf. 167 sind dezentral in den Unterkünften unterschiedlicher Gemeinden einquartiert. Drei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wurden in Pflegefamilien gegeben.

Gerade die Jugendlichen unter 18 Jahren, die ohne erwachsene Begleitperson bei uns ankommen, bereiten den Kommunen Kopfzerbrechen. Sie müssen in Betreuungseinrichtungen oder Pflegefamilien kommen. Der Landkreis arbeitet nun daran, eine Unterkunft zu schaffen, in der bis zu zehn solcher jungen Menschen unter ständiger pädagogischer Betreuung wohnen können. Die Vorgabe der Regierung ist es, 40 bis 50 solcher jungen Leute im Jahr im Kreis aufzunehmen.

Viele sind traumatisiert

Die Flucht stellt die Betroffenen vor große Herausforderungen. "Welche Notsituation es auch ist, die Menschen dazu bewegt, ihre Heimat aufzugeben, sie brauchen Hilfe, um in einer für sie fremden Umgebung zurecht zu kommen", betonte Richard Reich, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Coburg, gegenüber dem Ausschuss.

Die Arbeit für Asylsuchende ist seit langem ein wesentlicher Bestandteil des Hilfsangebotes der Caritas. Sie trägt auch im wesentlichen die Asylsozialberatung im Landkreis Coburg.
Wie Reich berichtet, kommen die Asylsuchenden im Landkreis aus Syrien, Nigeria, Eritrea, Afghanistan, Somalia, Bosnien-Herzegowina, Irak, Ukraine, Serbien, Senegal und Tschetschenien. In Bayern erhöhte sich der Zugang gegenüber dem Vorjahr um 53 Prozent. Die Caritas arbeitet in Einzelfallhilfe die Fluchtgeschichte mit den Betroffenen auf, berät bei individuellen Asylverfahrensfragen, hilft bei psychischen Problemen und Fragen der Gesundheit der Erziehung, Schule und dergleichen.

Dazu kommt Gruppenarbeit zu verschiedenen Themenschwerpunkten, Öffentlichkeitsarbeit und das knüpfen von Netzwerken, um die Hilfe für die Flüchtlinge auf eine breitere Basis zu stellen.
Reich weiß: "Den Herausforderungen, die mit der Aufnahme von Flüchtlingen einhergehen, steht immer nur ein begrenztes Kontingent von professionellen Dienstleistungen gegenüber." Was die Caritas mit ihrer Arbeit erreichen will nennt er "gelebte Willkommenskultur".

Die Asylberatungsstelle im Landkreis Coburg ist seit Juli 2013 mit einer Sozialpädagogin besetzt. Sie ist zuständig für die Gemeinschaftsunterkunft in Ebersdorf. Allerdings hat sie keine Vollzeitstelle, sondern arbeitet mit neun Stunden in der Woche. So kann die psychotherapeutische Betreuung lange nicht in dem Maß geleistet werden, wie es erforderlich wäre. Wie Reich schildert, leiden viele der Asylbewerber unter posttraumatischen Belastungsstörungen, die sich in Schlafstörungen, Albträumen und Depressionen äußern.

Integration bleibt das Ziel

So hat sich die Caritas keine leichte Aufgabe gestellt, wenn es um die Integration der Asylsuchenden geht. Mit den beschränkten Möglichkeiten versuchen die Fachkräfte dennoch die Asylsuchenden unter Wahrung ihrer kulturellen Identität bei der gesellschaftlichen Integration zu begleiten. "Betreuung und Angebote richten sich dabei nach den Bedürfnissen der Asylsuchenden und der Einheimischen", betont Richard Reich vor dem Sozialausschuss des Landkreises.