Spätestens als Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich sein Theaterabonnement am Deutschen Theater kündigte, hatte es Gerhart Hauptmann geschafft. Der Autor legendärer Revolutionsstücke wie "Vor Sonnenaufgang" und "Die Weber" war in aller Munde. Und während sich das Establishment mit Grausen abwandte, rissen sich die Intendanten um seine Uraufführungen. 1912, zehn Jahre nach der symbolischen Ohrfeige durch Ihre kaiserliche Hoheit, nahm Hauptmann in Stockholm den Literatur-Nobelpreis entgegen.

Seine Ideen sammelte Hauptmann im Alltag. Aus scheinbar einfachen Themen machte er berührende Parabeln auf das menschliche Miteinander. Und so inspirierte ihn ein Skandal in der eigenen Familie zu dem Stück "Einsame Menschen". Sein Bruder Carl leistete sich nämlich eine Affäre mit einer polnischen Studentin und setzte die Familienehre der Hauptmanns aufs Spiel.

Im Drama stört die Studentin Anna ein junges Eheglück am Müggelsee. Während sich Ehefrau Käthe in ihre neue Rolle als Mutter einfindet, lädt der Hausherr Johannes die Studentin ein, einige Zeit in seinem Haus zu verbringen. Und es kommt, wie es kommen muss: Johannes verliebt sich in Anna, Anna verliebt sich in Johannes - gemeinsam zelebrieren sie ihre "Seelenverwandtschaft" und beschäftigen sich mit erhabenen Gefühlen. Da ist kein Platz für die ganz alltäglichen Sorgen der jungen Mutter Käthe, die das knappe Familienbudget zusammenhalten muss. Aus Angst vor dem gesellschaftlichen Skandal drängen Johannes' Eltern Anna zur Abreise. Als sie fort ist, setzt Johannes sich in sein Boot und rudert allein hinaus auf den Berliner Müggelsee ...