Rund 230 Mitarbeiter beschäftigt die Ewald Schillig GmbH & Co. KG derzeit. Ihr Schicksal hängt, nachdem am Freitag der Insolvenzantrag eingereicht wurde, nun von Insolvenzverwalter Jochen Zaremba von der Nürnberger Kanzlei SRI Schwartz Rechtsanwälte ab. Er prüft die Chancen auf die Fortführung des Betriebs, innerhalb von sechs Wochen soll der Vorgang abgeschlossen sein. Dann wissen wohl auch die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens mehr darüber, wie ihre berufliche Zukunft aussieht.

In einer so ungewissen Situation würde die Gewerkschaft, laut den Beschäftigten gerne zur Seite stehen, sagt Jürgen Apfel von der Coburger IG Metall. Doch bei "Eschi" gebe es - wenn überhaupt - nur vereinzelte Mitglieder. "Ich bedauere das sehr. Leider haben sich die Beschäftigten bei Ewald Schillig nie dazu durchgerungen, einen Betriebsrat zu gründen." Das räche sich nun: "Ich kann aus Erfahrung sagen, dass ein Betriebsrat im Rahmen seiner Mitbestimmung in einer solchen Situation frühzeitig etwas machen kann. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor." So sei die Insolvenz für viele unnötig überraschend gekommen und die Hilfsmöglichkeiten der Gewerkschaft "relativ gering."

Im vergangenen Jahr bearbeitete Verwalter Jochen Zaremba auch die Insolvenz der Polstermöbel-Firma FM Munzer aus Weidhausen. Dort war man in der Firmenleitung unmittelbar nach Bekanntwerden der Situation noch optimistisch. Die Chancen für eine Weiterführung stünden "sehr gut", die Insolvenz sei eine Chance. Am Ende kam es dann ganz anders: Da nicht rechtzeitig ein Investor gefunden werden konnte, war nach 68 Jahren Firmengeschichte Schluss. Die 130 Mitarbeiter, die vor der Insolvenz dort beschäftigt waren, verloren ihren Job.


Konkurrenz aus Polen

Die Insolvenz von "Eschi" ist nun die nächste Folge der Krise in der Polstermöbelbranche: "In Deutschland gibt es zwei Zentren für die Polstermöbelproduktion: Zum einen in NRW, zum anderen in Oberfranken", sagt Martin Schmitz, der Wirtschaftsförderer des Landkreises Coburg. "Mittlerweile muss man fast sagen: Gab es." Von über 50 Fabrikanten seien nur noch knapp zehn übrig und auch viele Zulieferer mussten schon schließen. "Momentan liegt der Polstermöbelschwerpunkt in Polen", erklärt Schmitz. "Das setzt unsere Betriebe gehörig unter Druck." Dank eines niedrigeren Lohnniveaus wird dort günstig produziert und die Produkte überschwemmen mit Kampfpreisen den Markt. "Auch das Verbraucherverhalten hat sich geändert", sagt Schmitz. Die Bereitschaft, den Preis für ein hochwertiges Sofa zu zahlen, sei stark zurückgegangen.

"In der Region geht ein Strukturwandel vor sich, für den wir nichts können", sagt Schmitz. Dem könne man nur mit Fördermaßnahmen entgegnen. "Die Region Coburg liegt außerhalb des Fokusses der überregionalen Politik. Wir müssen unbedingt zusammen mit der bayerischen Regierung schauen, dass wir da weiterkommen."


Jede Insolvenz ein Einzelfall

Für die Firma Ewald Schillig könnte das zu spät kommen. Über 200 Menschen droht der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Für Matthias Klar, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, ist es aber noch zu früh, um konkrete Schritte für den Ernstfall zu benennen: "Es macht keinen Sinn über ungelegte Eier zu legen."

Grundsätzlich sei die wirtschaftliche Situation in Deutschland - und damit die Aussicht auf andere Arbeitsplätze - zwar gut, das habe in einer konkreten Insolvenz aber nur bedingt Aussagekraft: "Da muss man viele Faktoren berücksichtigen: Welche Menschen sind das? Was haben sie gelernt? Wie lange waren sie dort beschäftigt und wie alt sind sie?" Problemlos sei eine Insolvenz nie: "Es wird immer Menschen geben, die auf der Strecke bleiben."