Sie treffen sich einmal im Monat für zwei Stunden im Hofbrauhaus - manche nehmen eine Anfahrt von fast 40 Kilometern in Kauf. Dazu gehört schon ein gewisses Maß an Leidenschaft. "Zeichnen ist mein Leben", sagt Gerhard Seidel aus Rödental. Er nutzt die Arbeiten, die im Zirkel entstehen, als Anregung für Holzschnitte, die er dann zu Hause anfertigt.

Ursel Hillenbrand aus Dörfles-Esbach lässt sogar den Sport sausen, wenn die Zeichenstunden anstehen. Jasenka Härtel aus Coburg war auf der Suche nach Menschen, mit denen sie ihr Interesse an Kunst teilen kann. "Eine Bekannte hat mir von dem Zeichenzirkel erzählt", berichtet sie. Die Begründerin und Leiterin des Zirkels, Karin Ellmer, bringt es auf den Punkt: "Die Lust am Zeichnen und Malen hält uns seit zehn Jahren zusammen."

Es war im Jahr 2002, als sich Teilnehmer an der Sommerakademie in Coburg eingestanden, dass sie gern weiter zeichnen möchten, sich aber bei keinem verpflichtenden Kurs anmelden oder einem Verein beitreten wollen. Das war die Geburtsstunde des Freien Zeichenzirkels. Inzwischen sind sie 20 Leute, der älteste Teilnehmer ist 89 Jahre alt. Sie sind Schüler, Studenten, Designer, Kunsterzieher.

Einen Dozenten gibt es nicht, sie lernen voneinander und lieben es, in Ruhe zu arbeiten. Nur die Geräusche der Zeichenstifte sind zu hören. "Die Hast des Alltags verfliegt", sagt Karin Ellmer. Es gibt genug Raum und Zeit, neue Techniken auszuprobieren oder sich in bereits erprobten Malweisen zu üben. Dazu laden sich die Hobbykünstlerinnen und -künstler immer ein Modell ein. Einmal im Jahr gibt es den sogenannten Akt-Samstag - für die meisten die Königsdisziplin des Zeichnens und Malens.

Bei der Theaterprobe zeichnen

"Gerne nehmen wir Angebote an, auch außerhalb unserer Übungsstunden bei besonderen Anlässen oder in besonderen Räumen zu zeichnen", erzählt die Leiterin des Zeichenzirkels. Ob in einem Modehaus an einem verkaufsoffenen Sonntag und beim Late-Night-Shopping, in einer Buchhandlung oder bei einer Theaterprobe - es seien immer spannende Aktionen, aus dem Zeichensaal im Hofbrauhaus herauszugehen, findet Karin Ellmer.

Das zehnjährige Bestehen des Freien Zeichenzirkels nehmen d ie Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch zum Anlass, eine Ausstellung zu gestalten. Sie ist ab Samstag, 17. November, im Café M zu sehen. Die nächste Zeichenstunde findet am Montag, 26. November, statt. Sie beginnt um 19 Uhr. In der Regel dauert sie zwei Stunden. Kosten: drei Euro für das Modell. Wer gern mitzeichnen und -malen möchte, kann unter www.zeichenzirkel.com Kontakt aufnehmen.

Das Lustmacherbuch