Montag, 7.45 Uhr, Seidmannsdorfer Straße in Höhe des Gymnasiums Alexandrinum: Es ist ein ständiges Ankommen und Wegfahren, Türenschlagen, Kinder und Jugendliche steigen aus. Der Eltern-Transportdienst zu den Schulen hat Hochkonjunktur, das dadurch entstehende Verkehrschaos sorgt nahezu für Stillstand. Da rennen Schüler zwischen den Autos über die Straße - auch mit dem gewohnten Blick auf das Smartphone -, daneben wendet ein Elterntaxi auf der Straße mit drei Zügen und bremst einen Schulbus aus, und der sonstige Fahrverkehr bemüht sich, geöffnete Autotüren nicht ab- und Menschen nicht umzufahren.

Über Start- und Landeplätze für sogenannte "Helikoptereltern" hat der Bau- und Umweltsenat am Mittwoch diskutiert. "Einrichtung von Hol- und Bringzonen an Schulen" hieß das Thema offiziell. Die Stadtratsfraktion der Wählergruppe Pro Coburg hatte beantragt, "zusammen mit den Schulleitungen die Möglichkeiten zur Einrichtung solcher Zonen zu erarbeiten, um die Verkehrsbelastung in den Morgen- und Mittagsstunden durch die sogenannten Elterntaxen zu minimieren".

Hol- und Bringzonen werden in Coburg nicht eingerichtet. Erstens gibt es dafür keinen Platz, zweitens würde dadurch nicht weniger gefahren, argumentierte die Verwaltung. Einig sind sich daher die Wählergruppe Pro Coburg sowie das Bauverwaltungs- und Umweltamt, über die Schulen zu versuchen, eine Verhaltensänderung bei Eltern und Schülern zu erreichen.

"Angst, Gewohnheit, Bequemlichkeit"

Angeregt hat diese Diskussion der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC), dessen Argumentation die Wählergruppe mitgeliefert hatte. ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker in einem neunseitigen Leitfaden dazu: Auch wenn nur jeder fünfte Unfall auf dem Schulweg passiere, müsse die Zahl (2014: 7636 verunglückte Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren) weiter gesenkt werden. Als Ursache sieht der ADAC-Mann nicht weite oder schlechte Schulwege, "sondern die Eltern, die ihre Kinder aus Angst (...), Gewohnheit oder Bequemlichkeit bis vor das Schultor fahren".

Die selbstständige Mobilität von Kindern auf dem Schulweg habe leider in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen. Für Kinder sei es besser, den kompletten Weg zur Grundschule zu Fuß zurückzulegen. Die Eltern, so der Autoclub, gefährdeten "durch verbotswidriges Halten oder riskante Wendemanöver" die Sicherheit der Kinder und anderer Verkehrsteilnehmer. Für Grundschulen hat der Automobilclub Richtlinien erarbeitet, wie und wo es Hol- und Bringzonen geben sollte. So zitierte Louis Münster von der Verkehrsplanung der Stadt aus der ADAC-Broschüre, solche Zonen sollten 250 Meter von der Schule entfernt sein, es sollte maximal 30 Stundenkilometer dort erlaubt sein, zusätzlicher Fahrverkehr durch Wohngebiete sollte nicht stattfinden und auch hohen Parkdruck dürfe es an den Hol- und Bringzonen nicht geben.

Eltern müssen etwas ändern

Der Senat war sich einig, durch Verkehrsprojekte und -erziehung eine Verhaltensänderung bei den Eltern bewirken zu wollen. Das könne Laufgemeinschaften der Kinder sein oder ein Schulwegtraining.