Für Spannung zu Beginn der konstituierenden Sitzung des neuen Neustadter Stadtrats sorgte SPD-Fraktionsvorsitzende Heike Stegner-Kleinknecht. Sie beantragte eine Sitzungsunterbrechung von zehn Minuten. Als Grund nannte sie, wichtige Informationen, die sie dem Gremium vorab weiter zu geben habe. Dazu wollte sie aber ihre Fraktion vollzählig anwesend haben. Stadtrat Wolfram Salzer werde sich nur wenig verspäten.
Als die Sitzung fortgesetzt wurde und Salzer anwesend war, warteten die zahlreich erschienenen Bürger jedoch vergebens auf Informationen von der SPD-Fraktionsvorsitzenden.
In geheimer Abstimmung wurde Elke Protzmann (CSU) zur Zweiten Bürgermeisterin gewählt. Sie hat als langjährige Stadt-, Kreis- und Bezirksrätin sowie als stellvertretende Landrätin viel kommunalpolitische Erfahrung vorzuweisen. Allerdings stimmte auch einer der Stadträte für SPD-Mann Peter Soyer (Soyer: "Ich war's nicht!") und einer für Frank Altrichter (CSU), der nun von Elke Protzmann den Fraktionsvorsitz übernimmt.

Nur 17 Stimmen für Stingl

Das Recht, nicht dem Wahlvorschlag zu folgen, sondern bei der geheimen Abstimmung einen anderen Namen auf den Stimmzettel zu schreiben, nutzten einige Räte auch bei der Wahl des Dritten Bürgermeisters.
Martin Stingl (SPD), der dieses Amt bereits bisher ausübte, wurde zwar in dieser Position bestätigt. Doch erhielt er nur 17 von 24 möglichen Stimmen. Mindestens 13 Stimmen brauchte er , um wiedergewählt zu werden. Zwei Stimmzettel waren ungültig. Drei Stimmen bekam Peter Soyer, eine erhielt Frank Altrichter und eine Stimme ging an Stadtratsmitglied Jürgen Knorr von den Freien Wählern. In der neuen Wahlperiode gehören vier Mitglieder dem Neustadter Stadtrat neu an. Es sind Frank Altrichter, der bereits früher Mitglied des Stadtrats gewesen ist, Marc Holland (FW), Heinrich Luthardt und Bastian Schober (beide SPD). Sie wurden durch Oberbürgermeister Frank Rebhan ebenso vereidigt, wie Elke Protzmann als Zweite Bürgermeisterin. Eine Vereidigung von Martin Stingl war nicht erforderlich, da er bereits Dritter Bürgermeister war.
Die Vergabe der Sitze in den Ausschüssen erfolgte laut Hauptamtsleiter Ulrich Wolf nach dem Hare/Niemeier-Verfahren (Wolf: "Die Berechnung nach d'Hondt hätte aber nicht zu einem anderen Ergebnis geführt"). Als stärkste Fraktion des Stadrats bekommt die CSU in allen mit acht Personen besetzten Senaten vier, die SPD drei Sitze. Die Freien Wähler erhalten jeweils einen Sitz. Thomas Büchner (ÖDP) hat als Einzelmitglied keinen Fraktionsstatus und ist so in keinem der Senate vertreten.

Heike unterliegt Holland

Eine Ausnahme bildet der Rechnungsprüfungsausschuss. Er besteht nur aus sieben Mitgliedern. Hier erhält die CSU ebenso wie die SPD drei Stimmen. Die FW sind mit einem Sitz vertreten, der an Marc Holland ging. Er wurde auch als Vorsitzender des Ausschusses vorgeschlagen. Ein Amt, das die CSU ebenfalls gern besetzt hätte. Frank Altrichter ("Wir sind stärkste Fraktion") schlug dafür Jürgen W. Heike vor. In offener Abstimmung erhielt Marc Holland jedoch 13 Stimmen und setzte sich so gegen Heike durch (elf Stimmen).
Der Vorsitz in den Senaten steht zunächst dem Oberbürgermeister zu. Frank Rebhan verzichtet jedoch auf diesen Posten im Bausenat zugunsten von Elke Protzmann und im Kultur-, Sport- und Städtepartnerschaftssenat zugunsten von Martin Stingl.
Damit die Festlegung von Vertretern des Stadtrats in verschiedenen anderen Gremien gerecht geregelt werden kann, gibt es wieder ein eigenes Berechnungsverfahren, dass den Zugriff auf solche Posten regelt. Es nennt sich Sainte-Lague/Schepers. Nach diesem Verfahren wurde ein Schlüssel errechnet, wie die Fraktionen in einem gewissen Wechselmodus auf insgesamt 24 solcher zu vergebenden Posten zugreifen dürfen. Ulrich Wolf hatte auch gleich mit berechnet, dass die SPD den neuen Posten eines Familienbeauftragten beantragt hatte. Die Notwendigkeit dieser Stelle erkannte die CSU-Fraktion durchaus an. Doch Frank Altrichter sah noch Diskussionsbedarf. Ein entsprechender Antrag die Einführung zurückzustellen konnte aber keine Mehrheit gewinnen. So wurde die Schaffung eines Familienbeauftragten beschlossen. Damit waren 25 Posten zu besetzen, auf die die Fraktionen (einschließlich ÖDP-Mann Thomas Büchner) in festgelegter Reihenfolge zugreifen durften. Das Rechenmodell geriet jedoch an seine Grenze, als die SPD auf einen Zugriff verzichtete. Somit konnte die Festlegung in der Sitzung zunächst nicht abgeschlossen werden.

Petrautzki jetzt Altbürgermeister

Erste Amtshandlung des neu eingesetzten Gremiums wurde schließlich ein positiver Beschluss. Jürgen Petrautzki, der 19 Jahre lang erster Vertreter des Oberbürgermeisters und Vorsitzender des Bausenats gewesen ist, wurde einstimmig der Ehrentitel Altbürgermeister zuerkannt. Seine Verdienste sollen später noch explizit gewürdigt werden, kündigte Oberbürgermeister Frank Rebhan an.