Professor Johannes Brachmann kennt die Ängste seiner Patienten: Ist das komische Herzklopfen nun wieder ein Vorhofflimmern? In Zukunft könnte die Antwort einen Griff zum Smartphone und eine E-Mail weit entfernt sein: Eine Startup-Firma in den USA hat eine Handyschale und ein Auswertungsprogramm fürs Smartphone entwickelt, die sofort ein Elektrokardiogramm (EKG) aufzeichnen und auswerten können. Spürt also der Patient einen unregelmäßigen Herzschlag, greift er einfach zum Smartphone, aktiviert die App "ECG-Check" und hält seine beiden Zeigefinger eine halbe Minute lang auf die beiden Metallscheiben auf der Handyschale. Das Gerät zeichnet den Herzschlag auf, erzeugt eine Grafik, und die kann der Patient dann sofort per Mail an seinen Arzt schicken. "Im Idealfall hat er dann innerhalb von zwei Minuten eine Antwort", sagt Brachmann. Aber auch die App selbst kann zumindest sagen, ob das Herz normal schlägt oder nicht.

"Wir waren mit Anstoß für diese Entwicklung." Brachmann arbeitet seit Jahren eng mit Nassir F. Marrouche zusammen, der heute das Atrial Fibrillation Centre an der University of Utah leitet, eines der herausragendsten Zentren zur Erforschung und Behandlung des Vorhofflimmerns in den USA. "Die Amerikaner meinen, dass jeder, der Rhythmusstörungen hat, so etwas haben sollte", sagt Brachmann mit Blick auf das unscheinbare Gerät.
Doch es ist noch nicht zugelassen. Die Tests für die EU-Zulassung sollen in Coburg stattfinden. "Ein bisschen sind wir da schon Vorreiter", sagt Brachmann denn auch. "Ich bin von diesen kleinen Geräten ganz begeistert." Sie werden zwar die gründliche Diagnose beim Arzt nicht ersetzen können, aber sie können zumindest Hinweise geben, ob die empfundene Störung innerhalb des Normalbereichs liegt. "Die Geräte liefern Fakten", erläutert Oberarzt Konstantin Zintl. "Man ist dann nicht mehr nur auf die Angaben des Patienten angewiesen."

Laut Brachmann soll die EKG-Handyschale, wenn sie denn zugelassen wird, eine Art Massenartikel werden. Der Kaufpreis soll dann zwischen 50 bis 100 Euro betragen; hinzu kommen die Nutzungsgebühren. Brachmann sieht vor allem die Erleichterungen für die Ärzte und Patienten: Beide sparen sich Wege und Zeit. Gleiches gilt für das kleine Herz-Ultraschall-Gerät, das Konstantin Zintl vorführt. Es ist etwa doppelt so groß wie ein Smartphone und kann ebenfalls die Ultraschallbilder direkt per Mail weiterleiten. "Auch erfahrene Krankenschwestern können so etwas einsetzen", sagt Brachmann. Das macht diese kleinen Geräte ideal für Länder, die keine flächendeckende medizinische Versorgung aufrechterhalten können. Es erlaubt den Patienten auch, von überall auf der Welt Kontakt zum Arzt zu halten, immer vorausgesetzt, es steht eine Handy verbindung zur Verfügung. "Aber wenn es etwas Ernstes anzeigt, muss man den Patienten auffordern, zum Arzt zu gehen."