Jürgen Angermüller tüftelt gern, sagt seine Frau Elvira. Der Landwirt probiert gern Neues aus, wenn zumindest die Hoffnung besteht, seinem landwirtschaftlichen Betrieb in dem Seßlacher Stadtteil ein zusätzliches Standbein zu verschaffen. Sein jüngster Versuch interessiert auch Claudia Dummer und Christine Rödder vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Coburg. Auf Angermüllers Acker wachsen Sojabohnen.

Weltweit steigt seit Jahren der Fleischkonsum. Auch in Deutschland wird gern Fleisch gegessen, wenn hier auch der Fleischatlas, den der BUND gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique herausgibt, für das Jahr 2013 einen Rückgang um zwei Kilo pro Kopf und Jahr feststellt. Wenn das saftige Steak und das herzhafte Würstchen auf dem Grill brutzeln, könnten sich Verbraucher auch mal fragen: "Woher diese beliebten Nahrungsmittel der Deutschen überhaupt kommen und wie Rind, Schwein oder Geflügel gefüttert werden", meint Claudia Dummer vom AELF.

Tiere brauchen Eiweiß im Futter, um Fleisch anzusetzen oder Milch zu geben. Soja ist so ein Futter. Weil weltweit die Nachfrage enorm steigt, wird diese Eiweißquelle erstens knapp und zweitens teuer. Daher startete das bayerische Landwirtschaftsministerium eine so genannte Eiweiß-Initiative.

"Die größte Reserve steckt im Grünland", betont dazu Claudia Dummer. Mit standortgerechter Nachsaat und geeigneter Düngung können Landwirte den Ertrag an Eiweiß von ihren Wiesen erheblich steigern. Dann muss sich das Ergebnis pro Hektar Grünland mit bis zu 1350 Kilogramm nicht hinter dem von Importsoja verstecken (1200 Kilo).

Weil Merlach eine trockene Gegend ist, kann Jürgen Angermüller da nur neidvoll in Richtung der Wiesen im Allgäu blicken. "Die kommen dort auf fünf oder sechs Schnitte im Jahr, wir normalerweise nur auf drei", stellt er fest. Umso wichtiger, aus den wenigen Schnitten extra viel Futter ins Silo zu bringen - und das bei möglichst guter Qualität. Denn: "Die Eiweißqualität ist der entscheidende Faktor", erklärt Claudia Dummer.


Rapskuchen als weitere Quelle

Zudem lohnt es sich, nach weiteren Eiweißquellen zu suchen. Raps ist eine davon. Als 2001 das Projekt "Mara" ins Leben gerufen wurde, ging es darum, regionalen Raps zu regionalem Biodiesel zu verarbeiten. "Heute ist der Rapskuchen, der damals als Nebenprodukt aus der Ölmühle gesehen wurde, fast wichtiger", sagt Jürgen Angermüller. Er zeigt kleine Stücke gepresster Rapsrückstände. Eiweißfutter für seine Kühe, allerdings mit einem gewissen Restgehalt an Öl.

Deswegen verfüttert Angermüller die Sojabohnen von seinem Acker nicht an seine Kühe. Auch Sojaschrot enthält noch Öl. Zu viel Öl schadet der Verdauung der Rinder. Die Sojabohnen des Merlacher Betriebs gehen nach Hofheim. Dort gibt es eine Einkaufsgenossenschaft, die die Bohnen abnimmt und zur weiteren Verarbeitung an entsprechende Betriebe gibt. Für Claudia Dummer ist damit das Ziel des Ministeriums erfüllt: "Es wird Eiweiß in der Region erzeugt und weiter verarbeitet, so dass auch das Geld hier bleibt", stellt sie fest.

Die Aussaat der Sojabohnen funktioniert mit üblichen Sämaschinen. Stickstoffdünger braucht die Leguminose nicht. Pflanzenschutz ist unproblematisch und die Ernte erfolgt mit dem Mähdrescher - übrigens erst Ende September oder Anfang Oktober, wodurch Arbeitsspitzen im Betrieb entzerrt werden können. Nach einer befriedigenden ersten Ernte im vergangenen Jahr ist Angermüller für den diesjährigen Ertrag optimistisch, weil die Witterung besser mitspielte.

Die Sojabohne verbessert die Bodengare und reichert Stickstoff im Boden an, der beispielsweise Weizen als Folgefrucht zugute kommt. Es spricht also einiges dafür, dass sich die Anbaufläche für Soja in den kommenden Jahren noch erheblich steigern lässt. Sofern die Bodenverhältnisse und Temperaturen es zulassen, denn es muss tief gesät werden und die Bohne verträgt keine Kälte

Kein Gen-Soja

Im Donauraum wird schon länger und in erheblichem Umfang Soja gebaut. Bisher stehen übrigens in Deutschland nur genetisch unveränderte Sojabohnen auf den Feldern.