Studentenwohnungen, Abriss und Neubau, wieder Studentenwohnungen und jetzt doch nicht. Die Pläne für die historischen Gebäude Judengasse 49 und 51 wurden immer wieder verändert. Vor rund einem Jahr dann stand endgültig fest, was mit den beiden Häusern geschehen soll. Im Juni 2012 begannen die Bauarbeiten.
Dreimal hat sich der Bau- und Umweltsenats mit der Frage nach der Zukunft der beiden Gebäude beschäftigt, ehe feststand, dass das denkmalgeschützte Haus Nr. 51 abgerissen werden darf und das besser erhaltene Nr. 49 saniert wird.
Erst nachdem die Eigentümer, ein Coburger Ehepaar, mögliche Bebauungspläne für das Gelände vorgelegt hatten, hat die Stadt Coburg einem Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes Nr. 51 zugestimmt. "Wir hätten das Haus gerne erhalten. Das jedoch wäre wirtschaftlich nicht rentabel gewesen", erklärt Karl Baier, Leiter des Stadtbauamtes. Da das Gebäude aus dem Jahr 1861 seit Jahrzehnten nicht genutzt wurde und dadurch unbewohnbar war, sei es, so sagt der zuständige Architekt Thomas Marr, eigentlich nicht mehr denkmalwürdig gewesen.

Auf Itz-Schwemmland gebaut

Die ursprünglichen Planungen sahen eine Restaurierung beider Gebäude vor. "Nach diversen Untersuchungen stellte sich aber heraus, dass das Gebäude Nr. 51 auf Itz-Schwemmland gegründet war. Eine Sanierung war unmöglich", erklärt der Architekt. "Das Gebäude hatte sich bereits um circa zehn Zentimeter zur Itz gesenkt und auch die Gebäudetrennwand zur Nr. 49 war bereits eingesunken." Eine Sicherung des denkmalgeschützten Hauses sei nur mit dem Einsatz von Bohrpfählen unter den tragenden Wänden möglich gewesen. Unter der Gebäudetrennwand wäre der Einsatz solcher Pfähle jedoch technisch unmöglich gewesen. "Ein Abbruch war unumgänglich", erklärt der Grundstückseigentümer.
Eine Neuplanung des Geländes brachte zwei mögliche Varianten hervor. Eine sah einen Ersatzbau für das Gebäude Nr. 51 sowie eine rückwärtige Überbauung mit Studentenwohnungen vor. Außerdem sollte in Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt ein Radweg entlang der Itz angelegt werden. Im Zuge dieser Vorplanungen wurde auch der hintere Grundstücksteil untersucht. "Dabei wurde festgestellt, dass erst ab dem Grundstück Nr. 49 tragfähiger Baugrund vorhanden war", erklärt der Architekt. Folglich mussten auch die Neubauplanungen aufgegeben werden.
Schließlich hat sich der Eigentümer des Geländes dafür entschieden, in die Judengasse 49 zu investieren. Die Fläche des Hauses 51 soll für Park- und Grünflächen sowie für die Anlage des von der Stadt Coburg schon lange gewünschten Itz-Radweges genutzt werden. "Dass der Eigentümer einen Teil seines Grundstücks für den geplanten Radweg abgegeben hat, ist für uns ein kleiner Erfolg auf dem Weg zu einem Radweg durch die ganze Stadt", erklärt Karl Baier. "Leider fehlen uns noch immer Grundstücke, um den Plan verwirklichen zu können."

Doch keine Studentenwohnungen

Das Gebäude Nr. 49, in dem einst eine Elektrofirma ansässig war, wird seit September letzten Jahres kernsaniert. "Das Dachgeschoss wurde komplett abgetragen und neu aufgebaut", erklärt der Eigentümer und Bauherr. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss wurden entkernt und ausgebaut. "Die historischen Wände und Böden müssen wir aufgrund der strengen Brandschutzbestimmungen leider neu machen", bedauert Architekt Thomas Marr. Etwas Historisches soll aber auch erhalten werden: "Die Fassade des Vorderhauses wird in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege saniert und die Fassade zur Itz wiederhergestellt", erklärt der Bauherr.
Trotz der Aufgabe der Neubaupläne wird es am Gebäude einen kleinen Neubau geben, so der Architekt. "Im mittleren Bereich des Gebäudes wurde ein Treppenhaus mit behindertengerechtem Aufzug neu errichtet." Dafür werde das alte Treppenhaus abgerissen und durch neue Sanitäranlagen ersetzt.
Neben den Neubauplanungen wurden auch die Planungen für Studentenwohnungen aufgegeben. Thomas Marr: "Die Grundrisse des Gebäudes Judengasse 49 geben keine Studentenwohnungen her." Der Grundriss des Gebäudes hätte verändert werden müssen. Das wäre wesentlich teurer geworden, so der leitende Architekt. Statt Studentenwohnungen wird das sanierte Gebäude Nr. 49 in Kürze auf drei Etagen fünf Einheiten für Gewerbe, das heißt rund 600 Quadratmeter Büro- und Praxisflächen sowie eine Penthousewohnung mit Dachterrasse (rund 130 Quadratmeter) und eine loft ähnliche Wohnung (70 Quadratmeter) beherbergen. "Eine der Praxisflächen wurde bereits an einen Kinderarzt vermietet", teilt der Eigentümer mit.