Ihr Herz schlägt für Alpenblau. Der kleine Ort Krumbach zwischen Seßlach, Witzmannsberg und Watzendorf gilt nicht von ungefähr als Mekka der Eicher-Begeisterten, ist doch hier die "Eicher-Dichte" besonders hoch: Ein Großteil der rund 70 Einwohner besitzt mindestens einen der Kult-Traktoren mit der markant blauen Farbe.

Seit nunmehr 16 Jahren teilen die Krumbacher an einem Juni-Sonntag ihre Vorliebe mit anderen. Besitzer historischer Traktoren und Schmalspurschlepper defilieren zur Festwiese, um sich dort den angereisten Fans landwirtschaftlicher Kleinodien zur Schau zu stellen oder mit Gleichgesinnten zu fachsimpeln. Heribert Appel etwa ist aus Blankenfels gekommen und begutachtet gerade mit dem Einheimischen Roland Billinger und Uwe Höhn aus Gemünda einen ES 400 Puma. Daneben zählen auch Panther, Tiger und Königstiger zur Eicher-Parade.

Aus einer Bierlaune heraus schlossen sich die einheimischen Traktoren-Besitzer zum Verein der Eicher-Oldtimerfreunde Krumbach zusammen, der inzwischen rund 50 Mitglieder zählt. Thomas Billinger besitzt selber sieben verschiedene Eicher. Steffen Fischer, mit dem er sich den Vorsitz teilt, vier. Was macht die Faszination der alten Dieselrösser aus? Die Eicherfans schwärmen von der einfachen Technik, die robust, anspruchslos und leicht zu reparieren sei. "Einmal Eicher, immer Eicher", ist die einhellige Meinung.

Anfahrten bis zu zwei Stunden

Ab 9 Uhr beobachten Vereinsmitglieder vom "Stammtisch" aus, wie die ersten Fahrzeuge auf die große Festwiese rollen. Manche Schlepperfans nehmen Anfahrten bis zu zwei Stunden in Kauf, um beim über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten Stelldichein dabei zu sein. "Da kommt der Georg", wirft ein Eicher-Fan in die Runde. Unbesehen hat er den charakteristischen Schlag des Wotan 2 von Georg Lindner erkannt. Dieser hat es sich mit dem leistungsstärksten Eicher (95 PS) nicht nehmen lassen, aus Kleinsteinach (Kreis Haßberge) nach Krumbach zu kommen. Wesentlich gemählicher waren Gerhard und Raimund Müller aus Heilgersdorf angereist. Ihr Gefährt: Ein Einachs-Schlepper von Hansa Schmiedag mit neun PS.

Längst kommen nicht nur die Eicher Kult-Traktoren, auch wenn deren Blau in Summe überwiegt. Präsentiert werden auch Raritäten von Herstellern wie Deutz, Massey-Ferguson, Lanz, Hatz, Hanomag und Porsche Diesel. Stammgast Adolf Herr hat wieder seinen Lanz-Bulldog 1532 von 1950 dabei, den er in Australien erwarb. "Die Tropenkühlung können wir heute brauchen", sagt der Schorkendorfer angesichts der heißen Temperaturen grinsend. Zehn Jahre älter ist der Lanz, den Markus Brehm in Leipzig erwarb. "Der war schon im Zweiten Weltkrieg dabei", berichtet er stolz. Kein Wunder, dass Passanten das Kleinod des Dietersdorfers nur anschauen dürfen.

Der älteste am Sonntag präsentierte Eicher gehört Monika Wolf. Ihr 33 PS starker ED 210 stammt von 1959 und weist noch die anfängliche graue Lackierung auf. "Das Blau kam erst später", berichtet ihr Lebensgefährte Michael Wengert. Seit Mitte der 80er Jahre werden in Deutschland keine Eicher mehr gebaut. Wohl aber in Indien, wie der Kassierer des Vereins anmerkte: "Dort werden noch immer Schlepper unter dem Namen Eicher produziert."

Ein Besuch lohnt sich immer

Teilnehmen kann in Krumbach jeder Traktorbesitzer, auch wenn er keinen Oldtimer hat. Nichtmotorisierte Gäste kommen ebenfalls auf ihre Kosten, denn es gibt viele Raritäten zu bestaunen.