"450 Helfer", sagt Coburgs Pressesprecher Michael Selzer, "haben ein Gutscheinheft erhalten - als Belohnung für ihren vorbildlichen Einsatz beim Brand in der Herrngasse." Doch am Dienstagabend sollte es ein eher "dezentes Beisammensein" auf dem Coburger Schützenfest sein: "Ich habe mir überlegt, eine Ansprache zu halten", sagt Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD), der zusammen mit seinen beiden Stellvertretern Norbert Tessmer (SPD) und Hans-Heinrich Ulmann (CSB) mitfeiert. "Aber bei dem schönen Wetter verstreuen sich alle recht schnell. Und heute soll die Geselligkeit im Vordergrund stehen und nicht die Reden."
Bedankt hat sich der OB ohnehin schon schriftlich bei allen Helfern, die beim Brand in der Herrngasse und der Rettung der wertvollen Exponate des Puppenmuseums ihren "Mann" beziehungsweise ihre "Frau" gestanden haben.
Für den "ganz normalen Ausgabepreis" von 15 Euro, so Selzer, hat die Stadt das Gutscheinheft bei der Schützengesellschaft Coburg eingekauft, um Danke zu sagen für die ehrenamtliche Arbeit. Die Leistungen des Heftes im Wert von 23 Euro bieten Speis und Trank wie einen Liter Festbier und eine Portion Hax'n sowie Armbrustschießen in der Alten Angerturnhalle und Spaß in Fahrgeschäften wie Riesenrad, "Virus" und Autoscooter. Am Dienstagabend kamen die Helfer auf Einladung der Stadt Coburg im Festzelt zusammen, um gemeinsam zu feiern.
Der Rödentaler Ralf Barocke ist Gruppenführer beim Technischen Hilfswerk (THW). Er war beim Brand mehr als 30 Stunden vor Ort. "Wir haben die Feuerwehr unterstützt und auf der Morizkirche den Brand von oben beobachtet. Außerdem haben wir geholfen, das Interieur des Puppenmuseums zu retten", berichtet er. Mehr als 70 Personen vom THW seien im Einsatz gewesen, bestätigt sein Chef René Göbel. Barocke freut sich nun mit seinem Chef und den Kollegen vom THW über die "schöne Geste der Stadt". "Aber wir hätten auf jeden Fall auch ohne das Gutscheinheft geholfen", betont er, "vor allem, wenn man gesehen hat, wie sich die Anwohner in jener Nacht geängstigt haben."
Sein Kollege, der erst 19-jährige Thomas Koch von der Feuerwehr Niederfüllbach, ist ausgebildeter Atemschutzträger. Er ist mit 15 Kollegen zum Schützenfest gekommen. Koch findet es "super, dass es eine Aufmerk samkeit in dieser Form gibt". Besonders freut er sich über den Gutschein des Fahrgeschäfts "Virus", bei dem die Fahrgäste schon recht sattelfest sein müssen. "Ich habe mitgeholfen, die Puppen aus dem Puppenmuseum zu schaffen", sagt Thomas Koch, der immer dort eingesetzt werde, wo er gebraucht wird. Nach dem Einsatz am Puppenmuseum sei er auf Abruf am Theaterplatz gewesen. Falls das Feuer wieder auflodern sollte", sagt er, sollte er mit seinen Kollegen ausrücken. "Gott sei Dank ist dies nicht der Fall gewesen."
Der 22-jährige Gabriel Schrader fungierte als Helfer gar in einer Doppelrolle: Er war sowohl als Mitglied im Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) als auch der Feuerwehr Coburg im Einsatz. "In der ersten Nacht war ich mit rund acht Kollegen beim Rettungsdienst unterwegs und habe mit Notarzt Gerhard Beyer Patienten aufgenommen." Schlimmere Verletzungen seien zum Glück nicht aufgetreten, erinnert er sich. Nach einer Stunde Pause sei er dann für die Feuerwehr in der Zentrale im Einsatz gewesen. Anschließend habe er Brandwache gehalten. "Insgesamt war ich wohl 36 Stunden unterwegs", schätzt Schrader. Und: "Bei uns in der Coburger Feuerwehr war alles auf den Beinen." Er begrüßt das Gutscheinheft ausdrücklich: "Das ist ein Zeichen von Stadt und OB, dass wir Ehrenamtliche gute Arbeit geleistet haben."