Stadt und bayerisches Jugendherbergswerk sehen sich nicht in der Lage, einen Neubau zu finanzieren. Dabei wollten beide vor Jahren noch richtig viel Geld in die Hand nehmen - so wichtig war ihnen die Herberge. Im mittelfristigen Investitionsplan (MIP) der Stadt 2013 waren Gesamtkosten von 7,1 Millionen Euro für die Sanierung der Einrichtung im Ketschendorfer Schloss angegeben. 3,3 Millionen Euro wollte Coburg beisteuern, drei Millionen hat das Jugendherbergswerk Bayern zugesagt und 800.000 die Oberfrankenstiftung.

Eine völlig neue Situation entstand, als 2013 die Firma Kaeser Interesse am Schloss zeigte und der Stadtrat entschied, es zu verkaufen. Das bedeutete, für eine Jugendherberge musste ein anderer Standort gefunden werden. Der Vordere Floßanger in Nachbarschaft zu Stocke-Anlage, CoJe und Aquaria und das Güterbahnhofsgelände kamen ins Gespräch. An beiden Standorten müsste neu gebaut werden. Doch angesichts der finanziellen Situation der Stadt kamen alle Ausgaben auf den Prüfstand - insbesondere die freiwilligen Leistungen. Schon im September relativierte der damalige Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) in der Haushaltsberatung die Pläne: "Es soll eine Jugendherberge geben, aber ob die dann an einem neuen Standort entstehen kann und ob die Stadt sich beteiligt, darüber denke ich nach, wenn ich die Anforderungen habe." Inzwischen ist der Posten Jugendherberge aus dem MIP verschwunden.

Finanzierung ist unklar

"Wir hatten Kontakt mit dem Jugendherbergswerk Bayern. Im Moment ist nicht einmal sicher, wie die Finanzierung aussehen soll", sagt Stadtpressesprecher Michael Selzer. In anderen Städten - zum Beispiel in Bayreuth oder Nürnberg - investiere das Jugendherbergswerk in Neubauten und bekomme Zuschüsse. In Coburg aber solle das umgekehrt laufen. Das sei schwer verständlich, ergänzt er. Die Stadt sehe angesichts der angespannten Finanzlage aber keine Möglichkeit, Millionen in einen Neubau zu investieren.

Und wie positioniert sich das Jugendherbergswerk Bayern dazu? "Die drei Millionen Euro, die wir ursprünglich eingeplant haben, sind bei uns geparkt", sagt Vorstandsmitglied Michael Gößl. "Wir sind weiterhin am Standort Coburg interessiert, aber mehr als drei Millionen Euro Zuschuss können wir uns momentan und auch auf absehbare Zeit nicht leisten." Wenn die Stadt aber investieren wolle, dann werde auch das Jugendherbergswerk einsteigen. "Wir brauchen rund neun Millionen Euro, wenn wir neu bauen."

Dass in anderen Städten anders verfahren werde, sei Verpflichtungen aus der Vergangenheit geschuldet. Zum Beispiel Bayreuth: "Dort haben wir vor Jahren schon einen Neubau beschlossen. Die Stadt unterstützt uns großzügig. Aber wir sind auch an unsere Zusage gebunden - und das schon, bevor das Ketschendorfer Schloss verkauft wurde", erläutert Michael Gößl.

Jetzt ist die Politik gefragt

In Coburg hatten sich im vergangenen Jahr immer wieder Parteien für eine Jugendherberge in der Stadt ausgesprochen: im Februar der SPD-Ortsverein Südost bei seiner Hauptversammlung, die FDP beim politischen Aschermittwoch und noch einmal im Dezember, die Jungen Coburger im November und Pro Coburg im Januar und Februar 2014. Der Ball liegt jetzt bei der Kommunalpolitik.