Für sechs von sieben Mitgliedern einer Bande aus der Tschechischen Republik, die im Frühjahr 2011 in Nordbayern ihr Unwesen trieb, ging der Prozess am späten Montagabend mit Strafen von zwei Jahren und sieben Monaten bis viereinhalb Jahren zu Ende. Das Verfahren gegen den siebten Angeklagten, der sich während des Prozesses als eine Art Wortführer hervortat, wurde abgetrennt und findet nun am 5. November statt.
Die Männer mussten sich vor dem Landgericht Coburg für eine Vielzahl von Einbruchdiebstählen verantworten. Der 22 Jahre alte Mann, wegen dem der Prozess vor der Jugendkammer stattfand, wurde am Ende nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt und erhielt mit zwei Jahren und sieben Monaten die kürzeste Strafe.
Einen Teilfreispruch erhielt ein 27-jähriges Bandenmitglied. Wegen zweifachen Diebstahls muss der Mann dennoch für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Ein 28 Jahre Angeklagter, der von Anfang an voll geständig war und der bisher in Deutschland noch nicht vorbestraft war, erhielt zwei Jahre und neun Monate.
Die Bande war gezielt in Büroräume eingebrochen und hatte Computer und -zubehör gestohlen. Aber auch Firmengelände waren das Ziel der Männer. Dort nahmen sie mit, was sie transportieren konnten: Vom Lkw über Werkzeug und schwere Kupferplatten bis hin zum Kompressor und Minibagger.
Am Montag war noch der Geschäftsführer einer betroffenen Firma mit Sitz in Wallenfels bei Kronach als Zeuge geladen. Dort hatten die 22 bis 57 Jahre alten Männer den größten Gesamtschaden angerichtet: Das Planungsbüro blieb auf über 360   000 Euro Schaden sitzen. Die Einbrecher ließen ganz gezielt etliche neue Computer mitgehen. Die hohe Summe ergibt sich unter anderem durch den Arbeitsausfall wegen der Datenverluste. Die gesamte Software musste neu installiert werden. Zudem entwendeten die Männer dort auch noch einen Mercedes, den sie am selben Tag noch in die Tschechische Republik brachten.
Ein anderer Zeuge sagte aus, er habe in den frühen Morgenstunden des Tattages am Rande der Autobahn bei Hof Richtung Tschechien eine Gruppe von Leuten um einen großen Mercedes mit Kronacher Kennzeichen herumstehen sehen und zwei Fahrzeuge mit tschechischen Nummernschildern. Er meldete seine Beobachtung der Polizei.
Sehr belastend war eine Aussage aus den eigenen Reihen der Bande zum Einbruch in Wallenfels. Der älteste Angeklagte hatte diese kurz nach seiner Festnahme in der Justizvollzugsanstalt zu Protokoll gegeben. Dabei gab er Täterwissen preis und belastete fünf andere Mitglieder der Bande. "Er nannte die Namen der anderen Beteiligten. Er schilderte den zeitlichen Ablauf und konnte sagen wer welche Aufgabe erfüllte, wer welches Fahrzeug fuhr und zeigte die anderen Männer auf einer Lichtbildvorlage", erklärte der Polizeibeamte, der den 57-Jährigen damals vernommen hatte.
Während der Hauptverhandlung äußerte sich dieser Angeklagte nicht mehr, machte jedoch durch seinen Verteidiger deutlich, dass er bei seinen Angaben bleibe. Es seien definitiv alle Beschuldigten in dem Gebäude gewesen. Einer habe ihm vor der Fahrt nach Deutschland sogar extra Benzingeld gegeben.
Dabei handelte es sich just um den Angeklagten, der während der Hauptverhandlung immer wieder gestört und versucht hatte, unterschwellig Druck auf die anderen Männer auszuüben. Er bestritt auch am Montag seine Tatbeteiligung, forderte aber die Anhörung weiterer Zeugen, die ihn entlasten könnten. Vorsitzender Richter Gerhard Amend trennte daraufhin das Verfahren gegen diesen Angeklagten ab. "Wir sehen uns am 5. November wieder. Dann verhandeln wir weiter und Sie haben die ganz große Bühne", erklärte Amend.

Teilweise geständig


Die Verteidiger der übrigen Angeklagten hingegen gaben deutlich zu verstehen, dass es auch im Sinne ihrer Mandanten sei, die Verhandlung abzuschließen. Staatsanwältin Claudia Siller hatte schon sehr früh im Prozess zu erkennen gegeben, wie hoch sie sich die einzelnen vorstellte. Die Verteidiger gaben zu bedenken, dass ihre Mandanten teilweise geständig waren und durch die eine oder andere Aussage zum Fortgang des Prozesses beigetragen hatten.